Jeder Siebtklässler erhält ein iPad

Bern

Die Stadtberner Schulen kommen bald im ­digitalen Zeitalter an: Jeder Oberstufenschüler erhält ab 2019 leihweise ein iPad von Apple. Software von Microsoft wird dagegen in den Schulen nicht mehr zum Einsatz kommen.

<b>Gespiegelt:</b> Schuldirektorin Franziska Teuscher setzt auf Apple-Geräte, nicht aber auf Microsoft.

Gespiegelt: Schuldirektorin Franziska Teuscher setzt auf Apple-Geräte, nicht aber auf Microsoft.

(Bild: Christian Pfander)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Die städtische Schuldirektorin Franziska Teuscher (Grüne) bezeichnet sich selbst als «digitale Einwanderin». Aber auch sie nutzt ihr Smartphone, um Mails zu ­lesen, und den Bürolaptop, um Texte zu schreiben.

Diese ­Ausstattung an Geräten reicht ihr. Als Grüne will sie nicht zu ­viele davon besitzen.Um eine grosse Zahl von Geräten ging es indes an der gestrigen Medienkonferenz in der Schule Lorraine.

Die Stadt will 7700 iPad-Tablet-Computer von Apple beschaffen. Diese sollen mit einer Tastatur ausgestattet sein. Es handelt sich damit um die grösste Informatikbeschaffung der Stadtberner Schulen. Dies macht den Grossteil der ­bud­getierten Hardwarekosten von 4,5 Millionen Franken aus. Bislang verfügten die Stadtschulen über rund 2000 Computer.

Früh übt sich

Das Konzept der Stadt sieht vor, dass ab Mitte 2019 jeder Schüler der Oberstufe ­— also ab der siebten Klasse — leihweise ein persönliches Gerät erhält. Es wird an den Schulleitungen zu entscheiden sein, ob die Schüler das Gerät mit nach Hause ­nehmen können.

Für die Dritt- bis Sechstklässler ist vorgesehen, dass sich zwei Schüler ein Gerät teilen. Und bei den Jüngsten – von den Kindergärtelern bis zu den Zweitklässlern – ist ein Gerät pro vier Schüler budgetiert. Auch ­jede Lehrperson mit einem Pensum von mindestens 40 Prozent wird ein iPad ­erhalten.

Für Teuscher ­steht fest, dass es für die Schulen heute eine Pflicht ist, die Schüler mit Geräten auszustatten. «Im neuen Lehrplan 21 sind im Bereich Medien und ­Informatik klar formulierte Kompetenzen festgelegt, welche die Schüler erlangen müssen», begründete sie das Einkaufs­programm. Bereits Zweitklässler sollen beispielsweise in der Lage sein, einfache Bild-, Text- und Tondokumente zu ­gestalten.

Ohne Microsoft-Software

Während sich der Technologie­gigant Apple über das Beschaffungsvorhaben der Stadt Bern freuen kann, geht Microsoft leer aus. Das ist ein Bruch: Heute arbeiten die Schüler und Lehrer mit den Microsoft-Programmen Word, Excel oder Powerpoint.

Doch im Rahmen des Ausschreibungsverfahrens haben sich die Schulbehörden für den Anbieter Abraxas entschieden, der sogenannte Open-Source-Software auf den iPads installieren wird. Damit entsprechen die Schulbehörden einem Wunsch des Stadtrats, der mit verschiedenen Entscheiden zum Ausdruck gebracht hat, dass er den vermehrten Einsatz von Open-Source-Software wünscht.

Dabei handelt es sich um Software, ­deren Code öffentlich zugänglich ist und die von Informatikern meist unentgeltlich geschrieben wird. Die Stadträte wollen mit ihrem Entscheid Kosten senken und die Abhängigkeit von Grosskonzernen wie Microsoft ­reduzieren.

Lehrer müssen umlernen

Bei den Schulbehörden ist man sich bewusst, dass viele Lehrer sich nur ungern von den gewohnten Microsoft-Programmen verabschieden werden. «Doch zwischen den Open-Source-Programmen und denen von Microsoft besteht heute kein grosser Unterschied mehr. Sie sind sehr ähnlich aufgebaut», betonte Jürg Moor, der stellvertretende Leiter des Schulamtes.

Er sei zudem überzeugt, dass die Schüler später in der ­Berufswelt, wo fast ausschliesslich mit Microsoft-Software gearbeitet werde, keine Nachteile haben würden. «Nach kurzer Zeit hat man sich an die ­jeweils ­an­deren Programme ­gewöhnt», betont er.

Die Kosten für die ­Beschaffung belaufen sich auf 12,1 Millionen Franken. Zudem ist mit jähr­lichen Betriebskosten von 2,5 Millionen Franken zu rechnen. In einem nächsten Schritt wird sich der Stadtrat mit der Vorlage beschäftigen. Und am 25. November 2018 ist die Volks­abstimmung vorgesehen.

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