Je mehr Interessenten, desto höher der Mietpreis

Bern

Ist die Nachfrage nach einer Wohnung gross, schraubt die Berner Immobilienfirma Patrick Emmenegger einfach den Preis in die Höhe. Der Mieterinnen- und Mieterverband des Kantons verurteilt dieses Vorgehen.

Die Wohnung in der Länggasse von der Liegenschaftsverwaltung Emmenegger Immobilien wurde flugs um 200 Franken teurer, weil die Nachfrage gross war.

Die Wohnung in der Länggasse von der Liegenschaftsverwaltung Emmenegger Immobilien wurde flugs um 200 Franken teurer, weil die Nachfrage gross war.

(Bild: Andreas Blatter)

Rund 120 Quadratmeter gross und 2800 Franken teuer ist die Sechszimmerwohnung an der Neufeldstrasse 13 im Länggassquartier in Bern, die R.K.* vor kurzem besichtigt hat. Nicht überraschend gab es zahlreiche Mitinteressenten für das Objekt in der beliebten Wohngegend.

Überraschend war jedoch das Vorgehen der zuständigen Immobilienfirma Patrick Emmenegger aus Bern. Einige Tage nach dem Einreichen seines Dossiers erhält R.K. von der Liegenschaftsverwaltung einen ersten Bescheid. Er würde zu den auserwählten Interessenten gehören, die als Nachmieter für die Wohnung infrage kämen. Die Freude verfliegt bei R.K. aber schnell. Denn der Mietzins beträgt nicht wie bisher 2800 Franken, sondern neu 3000 Franken.

Nachfrage bereits 2013 gross

Als Grund für die Teuerung der Wohnung gibt die Berner Firma die grosse Nachfrage zum Objekt an. Dass sich viele für die Wohnung im Länggassquartier interessieren, ist R.K. nicht neu. Bereits im November 2013 sei die Wohnung ausgeschrieben gewesen. Damals gab es ebenfalls zahlreiche Mitbewerber. Der Mietzins blieb aber unverändert.

R.K. hat die Preiserhöhung nicht akzeptiert und verliert damit seinen Status als möglicher Nachmieter. «Seit diesem Vorfall habe ich das Vertrauen in die Firma verloren», sagt er. «Man könnte die Wohnungen auch direkt auf Ebay an den Höchstbietenden versteigern», so der verärgerte Wohnungssuchende.

Auch der Mieterinnen- und Mieterverband des Kantons Bern (MV) zeigt sich empört. «Es ist eine bodenlose Frechheit, wenn die Leute mit einem günstigeren Preis angelockt werden und im Anschluss dieser erhöht wird», sagt Margrith Beyeler, Geschäftsleiterin des Mieterverbandes. Überschreitet die Teuerung den Anfangsmietzins um zehn Prozent, ist die Preiserhöhung zu rechtfertigen, und es herrscht Beweispflicht. Im aktuellen Fall werden die erlaubten zehn Prozent eingehalten und sind somit zulässig. «Als einzigen Grund für die Teuerung die grosse Nachfrage zum Objekt anzugeben, ist aber moralisch dennoch verwerflich», so Beyeler.

Formularpflicht gefordert

Auf Anfrage erklärt Patrick Emmenegger, Geschäftsleiter der Immobilienfirma, den Grund für die Mietzinserhöhung. «Wir haben gesehen, dass wir relativ viele Bewerbungen erhalten haben, weswegen wir entschieden haben, den Preis anzupassen», so der Unternehmer. Emmenegger bedauert jedoch diesen Vorfall. «Es war ein Fehler, der nicht hätte passieren dürfen.»

Um solche Praktiken, wie sie die Immobilienfirma Patrick Emmenegger betreibt, in Zukunft zu vermeiden, fordert der Mieterverband seit einiger Zeit eine Formularpflicht. Das bedeutet: Der Anfangsmietzins muss den Interessenten zu Beginn angegeben werden.

* Name der Redaktion bekannt.

Berner Zeitung

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