Ist Franz A. Zölch ein Betrüger?

Man hat ihm vertraut, weil man ihn kannte: Franz A. Zölch, Ex-Präsident der Eishockey-Nationalliga und Brigadier, hat Gutgläubige für grosse Geldsummen angezapft – die Schulden aber nie beglichen. Nun muss ein Richter klären, ob Zölch nicht bloss ein Bettler im Massanzug, sondern ein Betrüger ist.

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Franz A. Zölchs Gläubiger haben eine neue Hoffnung. Nicht dass es ernsthafte Zeichen gäbe, dass der prominente Jurist und Ex-Präsident der Eishockey-Nationalliga bei seinen vielen Gläubigern bald seine Millionenschulden begleicht. Doch immerhin wird ein Richter möglicherweise das bestätigen, was sie schon lange vermuten: Dass Franz A.Zölch ein Betrüger ist.

Gläubiger hatten den Ex-Mann der Berner Alt-Regierungsrätin Elisabeth Zölch mehrmals bei der Strafbehörde angezeigt. Immer sind sie abgeblitzt. Jedes Mal sollen die Strafbehörden erklärt haben, Betrug im strafrechtlichen Sinn liege nicht vor, denn bei Betrug müsse einer arglistig gehandelt haben, und das könne man dem heute 66-jährigen Brigadier Zölch nicht nachweisen.

Nur ein Staatsanwalt aus dem Berner Oberland sieht es anders als die übrigen Justizbeamten: Staatsanwalt Matthias Wiedmer ist zum Schluss gekommen, dass Zölch eben doch Betrug begangen hat.

Vertraute betrogen?

Staatsanwalt Wiedmer hat Zölch per Strafmandat eine Geldstrafe von 100 Tagsätzen zu je 100 Franken und eine Busse von 200 Franken aufgebrummt, weil er nach Ansicht des Staatsanwaltes einer Hotelière aus Grindelwald auf betrügerische Weise ein Darlehen abgeknöpft und nie zurückbezahlt haben soll. Das Strafmandat liegt dieser Zeitung vor. Zölch hat das Verdikt aus dem Jahr 2012 angefochten. Eine erste Gerichtsverhandlung war im vergangenen Dezember angesetzt, wurde aber für weitere Abklärungen unterbrochen. Ein Termin für die Fortsetzung des Prozesses soll nach Auskunft des Gerichts in den nächsten Monaten festgesetzt werden.

Rund zwei Dutzend von Zölchs Gläubigern haben sich zur Interessengemeinschaft Zölch-Geschädigter zusammengeschlossen. Gemeinsam, so hoffen sie, sei das Eintreiben der Forderungen einfacher. Sie haben vom Prozess in Thun Wind bekommen und sind hellhörig geworden. Denn der dort hängige Betrugsfall hört sich verblüffend ähnlich an wie die Geschichten, die viele von ihnen selber erlebt haben.

Der Klient aus dem Ausland

So klingt der Fall der Grindelwaldner Hotelière in den nüchternen Worten des Staatsanwaltes im Strafbefehl: Zölch habe, in der Absicht, ein Darlehen zu erhalten, der Frau, die ihm aus geschäftlichen Kontakten bekannt sei, «falsche Tatsachen vorgespiegelt». Zölch habe der Frau gesagt, ein Klient aus dem Ausland schulde ihm einen Millionenbetrag.

Der Klient habe ihm, Zölch, das geschuldete Geld auf eine Bank in Genf überwiesen. Er, Zölch, benötige dringend von ihr, der Hotelière, ein Darlehen von 20'000 Franken, um den Millionenbetrag auf der Bank in Genf herauslösen zu können.

Die gutgläubige Geschäftsfrau aus dem Oberland hat Zölch das Darlehen laut Staatsanwalt Wiedmer unter der Bedingung gegeben, dass Zölch das Geld innert Wochenfrist zurückzahle. Das hat Zölch nicht getan. Davon zeugt ein Betreibungsregisterauszug mit Dutzenden Einträgen. Gemäss Strafbefehl hat die Hotelière vor der Geldübergabe Zölchs Zahlungsfähigkeit nicht überprüft, weil sie ihm wegen seiner Bekanntheit vertraute.

Warum nur einmal?

Kommt nach dem Staatsanwalt nun auch der Richter zum Schluss, dass Zölch die Frau tatsächlich betrogen hat, stellt sich die Frage, warum er nur in diesem Fall verurteilt wurde, zumal die Geschichten vieler anderer Gläubiger genau dasselbe Muster aufweisen.

Demnach hat Zölch offenbar immer wieder Personen auf seinen angeblich nur momentanen Geldengpass angesprochen. Mal für Mal soll er erklärt haben, dass er ein kurzfristiges Darlehen brauche, um einen grösseren Betrag herauszulösen. Und immer wieder soll er diesen Klienten aus dem Ausland erwähnt haben, der angeblich den grossen Betrag bereits auf die Bank einbezahlt habe.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Gläubiger nach einem Strafurteil in Thun alte Verfahren wieder reaktivieren können, ist gering. Die gesetzlichen Hürden für die Wiederaufnahme eines bereits eingestellten Verfahrens sind hoch.

Wegen Zölch in Nöten

In Zölchs Betreibungsregisterauszug vom 6. Januar sind 154 Betreibungen aufgeführt. Die Summe der offenen Rechnungen und nicht zurückbezahlten Darlehen beträgt über drei Millionen Franken.

Unter den Gläubigern sind viele ehemalige Freunde, Studienkollegen, Geschäftspartner von Zölch. Das höchste bekannte Darlehen hat er von einem ehemaligen Direktor eines Bundesamtes bekommen: 218'000 Franken hat dieser ihm privat gegeben. Der Direktor war ein alter Schulkamerad. Zölch hat aber auch viele weniger Betuchte angezapft. Mehrere berichten, dass sie selber heute wegen der ausstehenden Forderungen in ernsthaften finanziellen Nöten seien. Zölch habe ihr Vertrauen ausgenutzt.

«Unschöne Sache», aber

Zölch bestreitet nicht, von mehreren Personen Darlehen aufgenommen und bis heute nicht zurückbezahlt zu haben. Das lässt er über seinen Anwalt Roger Lerf ausrichten, der für ihn Stellung nimmt.

Der Beschuldigte bestreitet laut seinem Anwalt auch nicht, über 150 Betreibungen von mehreren Millionen Franken zu haben. Zölch sei sich bewusst, dass dies eine «unschöne Sache sei», sagt Lerf. Sein Mandant habe aber nie in betrügerischer Absicht gehandelt. Nicht jede zivilrechtliche Schuld sei auch gleich ein Betrug.

Zölch habe stets beabsichtigt, das Geld pünktlich zurückzuzahlen, beteuert sein Anwalt. Auch das hören die Gläubige nicht zum ersten Mal. Der im Rentenalter stehende Zölch hat derzeit eine Anstellung beim Weber-Verlag in Thun. Genaue Informationen zu seinen Einkommens- und Vermögensverhältnisse haben die Gläubiger bis heute nicht. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.02.2015, 06:58 Uhr

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