«Inhalte schnell erfassbar machen»

Die Berner Zeitung wird frischer und klarer, sagen Stefan Semrau und Christian Hruschka, die das Layout entworfen haben.

Zeitungsgestalter Christian Hruschka und Stefan Semrau.

Zeitungsgestalter Christian Hruschka und Stefan Semrau. Bild: zvg

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Warum braucht die Berner Zeitung ein neues Layout?
Stefan Semrau: Uns fällt auf, dass die Berner Zeitung recht unruhig und chaotisch wirkt. Zu viele verschiedene Gestaltungsformen für Rubriken, sehr viele unterschiedliche Headline-Schriften, deren Einsatz dem Leser nicht klar wird. Und eine Flut an schwarzen Linien, die der BZ etwas Trauriges und Schweres verleihen. Der Berner Zeitung fehlen Frische und Klarheit.

Wichtig ist doch, was in der Zeitung steht, und nicht, wie sie aussieht...
Christian Hruschka: Das stimmt natürlich, aber wer heutzutage Informationen vermitteln will, muss sich auch über deren optische Aufbereitung Gedanken machen. Natürlich ist der Inhalt eines Artikels das Wichtigste. Ein gutes Foto, eine klar gestaltete Infografik und ein klarer und lesbarer Seitenaufbau ziehen den Zeitungsleser aber genauso in eine Geschichte.

Wie verändern Sie diese Schwächen?
Stefan Semrau: Die zukünftige Berner Zeitung hat nur noch eine Schriftform für die Überschriften. Alle Rubriken und Textgefässe haben einen einheitlichen Kopf bekommen. Wo es ging, haben wir auf Linien verzichtet. Infografiken wurden in ihrem Stil vereinheitlicht und reduziert. Weissraum auf den Seiten haben wir gebündelt, um gezielte «optische Ruhe» zu schaffen.

Welches sind die auffälligsten Änderungen?
Christian Hruschka: Das neue Zweibundkonzept der Berner Zeitung bedarf eines neuen Gestaltungsansatzes. Wir haben der Titelseite und dem zweiten Bund «Sport+Freizeit» eine gemeinsame optische Identität gegeben. Stefan Semrau: Es gibt sozusagen jetzt zwei Titelseiten.

Es fällt auf, dass die Zeitung roter wird. Warum?
Hruschka: Das Rot der BZ gehört schon jetzt zur Identität der Zeitung. Es setzt den Spitznamen der Zeitung im Logo ab. Diese Identität heben wir mit dem vermehrten Einsatz der Logofarbe Rot und des Kurzlogos BZ hervor. Semrau: Rot trennt ausserdem die zweite Infoebene deutlich vom Hauptartikel, gliedert aber auch innerhalb der Artikel und der Rubriken. Und Rot macht die Zeitung insgesamt frischer und moderner.

Wie haben sich die Anforderungen an die Gestaltung in den vergangenen Jahren verändert?
Semrau: Die wenigsten informieren sich heutzutage ausschliesslich nur noch über ein Medium. Fernsehen, Radio, Internet, Wochen- und Tageszeitungen, soziale Netzwerke. Das alles prägt und verändert uns in der Wahrnehmung und der Verarbeitung von Informationen. Dies muss auch die Gestaltung mit berücksichtigen. Optik muss Inhalte immer schneller erfassbar machen. Das heisst nicht, dass die Gestaltung einer Tageszeitung sich an so schnellen Medien wie dem Internet orientieren soll. Eher im Gegenteil. Die Zeitung muss eine klare Struktur haben und Ruhe ausstrahlen Hruschka: und daneben hat die Berner Zeitung einen hervorragenden Webauftritt mit einer Vielzahl an digitalen Zusatzangeboten. Dies haben wir beim Redesign bedacht. Verweise aufs Internet oder andere Informationsquellen haben wir deutlich in den Vordergrund gestellt.

Wo sehen Sie die Herausforderung an die Gestaltung einer Regionalzeitung?
Hruschka: Regional- und Lokalzeitungen müssen neue Wege gehen, müssen sich neu definieren. Den Ansatz der neuen Berner Zeitung, sich auf das Regionale und Lokale zu konzentrieren und hier ihre Kernkompetenz zu sehen, halte ich für richtig. Semrau: Und die BZ geht ja noch weiter. Nicht nur, dass sie ihren Schwerpunkt im Lokalen setzt. Sie strukturiert die Zeitung auch entsprechend um. Dieser neuen Struktur tragen wir optisch Rechnung. Zum Beispiel mit einer klaren regionalen Zuordnung in den Seitenköpfen und Themenanrissen. Auch bei den Veranstaltungstipps wurden die Orte in den Vordergrund gebracht. Und das lokale BZ-Forum, das Herzstück der BZ, bekam eine neue optische Identität, die auch verstärkt innerhalb der regionalen Seiten einfliessen soll.

Stefan Semrau und Christian Hruschka haben twotype design im Jahr 2006 gegründet. Sie haben seither gemeinsam diverse Zeitungs- und Zeitschriftenprojekte umgesetzt u.a. das «Opel-Magazin» und das Wirtschafts-Lifestyle-Magazin «Business Punk». In der Schweiz sind sie u.a. für das Redesign der «Finanz und Wirtschaft» verantwortlich. (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.11.2010, 10:47 Uhr

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