Informatik-Nachwuchs für Bern

Bern

An der Technischen Fachschule in Bern programmieren die Kleinen wie die Grossen. Zwei Vereine wollen ICT-Talente an Schulen fördern.

<b>Erste Gehversuche:</b> Zwei Teilnehmer des ICT-Campus lernen, wie man einen Lego-Roboter programmiert.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Erste Gehversuche: Zwei Teilnehmer des ICT-Campus lernen, wie man einen Lego-Roboter programmiert.

(Bild: Keystone)

Beim Wort Programmieren denkt manch einer an 40-jährige Nerds, die literweise Kaffee trinken und stundenlang allein vor dem Computer sitzen. Den Besuchern des ICT-Demo-Campus an der Technischen Fachschule in Bern bietet sich ein anderes Bild: Rund 31 Kinder zwischen 10 und 16 Jahren sitzen gemeinsam an Tischen und machen erste Programmier-Gehversuche an fünf Lernposten zu unterschiedlichen Themen.

«Mein erstes eigenes Computerspiel» steht etwa in schwarzen Lettern auf einem weissen Schild geschrieben. An einem anderen Posten können die Kinder rudimentäre Lego-Roboter programmieren und bauen.

Die beiden Vereine ICT Scouts&Campus und Digital Impact Network haben am Samstagmorgen zum Kick-off-Event für die Informatiktalentsuche an Berner Grundschulen eingeladen.

Mit dem Projekt ICT-Campus wollen sie technikaffine Schulkinder finden und sie für die digitale Zukunft fitmachen. Die Kinder sollen animiert werden, später eine Berufslaufbahn in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik einzuschlagen. Insbesondere Mädchen wollen die Vereine gezielt ansprechen.

Keine neue Idee

Unterstützung erhalten die Kinder vor Ort von Scouts und Coachs. Die Aufgabe der Scouts ist es, Talente unter den Schülern der Sekundarstufe 1 aufzuspüren, damit sie am ICT-Campus teilnehmen. Man müsse die geistigen Ressourcen nutzen, erklärt der 58-jährige Rolf Schaub, Initiator des Projekts. «Wir bieten einen Spielplatz fürs Programmieren. Die Kinder sind hier, weil sie Spass daran haben.»

Auf den verschiedenen Tischen drehen selbst gebaute Fahrzeuge ihre Runden, Lego-Klötze bilden zu umfahrende Hindernisse, und Kinder blicken konzentriert auf Laptops. Für den 11-jährigen Raffael ist bereits klar, was er später machen will: «Ich will Autodesign studieren und gleichzeitig eine Lehre als Automechaniker machen.»

Auch die 16-jährige Loana weiss, wohin es gehen soll: «Ich bin mit dem Internet aufgewachsen. Mit 3 Jahren wusste ich bereits, wo die Taste Enter ist. Ich will Applikationsentwicklerin werden.»

Die Idee fürs Projekt ist nicht neu: Ein anderer ICT-Campus zur Förderung von Informatiknachwuchs ist vor rund 2 Jahren in Basel gestartet. Aktuell werden dort rund 160 Kinder zwischen 12 und 16 Jahren von rund 20 Scouts und Coachs betreut. Jeden zweiten Samstag programmieren die Kinder einfache Anwendungen wie zum Beispiel Minigames.

«Es fehlt an IT-Skills»

Für Dominik Strobel, Kommunikationsverantwortlicher vom Projekt ICT-Campus, ist das Ziel klar: «Wir wollen je Kanton mindestens einen ICT-Campus.» Er rechnet mit einem Jahresbudget von 200'000 Franken pro Campus.

Woher das Geld kommen soll, weiss er schon: «Die Wirtschaft soll das finanzieren. Die Firmen geben jährlich viel Geld aus für Assessments, um Lehrlinge zu rekrutieren. Mit den 200000 Franken könnten wir bis zu 350 Talente betreuen.»

Das Projekt fokussiert auf die Vermittlung von IT-Skills. «Eine kritische Erziehung zur Digitalisierung ist nicht vorgesehen», erklärt Matthias Stürmer, Präsident von Digital Impact Network und Leiter Forschungsstelle für digitale Nachhaltigkeit. Er glaubt, dass sich eine kritische Sicht mit der Zeit automatisch bei den Kindern einstellt.

Der Fachkräftemangel im ICT-Bereich und das nicht ausgeschöpfte Potenzial der Schweizer Talente waren für die Gründer des ICT-Campus der Hauptantrieb. «Für die Zukunft müssen wir uns warm anziehen», sagt der 38-jährige Stürmer. China sei beispielsweise auf starkem digitalem Vormarsch.

«In der Schweiz haben wir gute Voraussetzungen mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen. Wir sind aber mit der Digitalisierung im Rückstand, und uns fehlen an den Schulen die IT-Skills.» Umso mehr hoffen die Vereine deshalb auf den Goodwill von Politik und Wirtschaft für ihr Projekt.

Berner Zeitung

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