Bern

In der Zivilschutzanlage Hochfeld wohnen nur noch acht Kinder

BernDie Wiedereröffnung des Durchgangszentrums Enggistein sorgt für Entlastung in der umstrittenen Notunterkunft Hochfeld. Jetzt sind noch 118 Asylbewerber in der Stadtberner Zivilschutzanlage einquartiert.

Die meisten Kinder haben das Hochfeld bereits verlassen.

Die meisten Kinder haben das Hochfeld bereits verlassen. Bild: Christian Pfander

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Die Atmosphäre in der Notunterkunft Hochfeld wirkte gestern Mittag entspannt. Einige Asylsuchende unterhielten sich vor dem Eingang miteinander, andere sassen vor dem Fernseher, in einem Zimmer hielt ein junger Mann aus Afrika gerade sein Mittagsgebet ab. In den letzten Wochen ist die Asylunterkunft im Berner Länggassquartier etwas leerer geworden. Während einiger Wochen war die Anlage mit 160 Bewohnern voll ausgelastet. Jetzt befinden sich noch 118 Asylbewerber in der Zivilschutzanlage. 91 von ihnen sind Männer.

«Es ist weniger los, wenn weniger Leute da sind», sagt Zentrumsleiter Oliver Müller. «Für die Bewohner ist es natürlich ein Vorteil, wenn sie etwas mehr Platz haben.» Bereits letzte Woche seien fast alle Familien aus dem Hochfeld ausgezogen, sagt Müller. Als die Anlage voll besetzt war, befanden sich etwa 30 Kinder im Hochfeld. Jetzt sind es nur noch 8 (5 Buben, 3 Mädchen). «Eigentlich haben die vielen Kinder für eine lebendige Atmosphäre gesorgt», so Müller. Speziell am Abend sei es wegen der Kinder aber manchmal etwas laut geworden. «Da mussten wir die Eltern in die Pflicht nehmen.»

Sofa, TV, Zeichnungen

Frauen und Kinder haben einen eigenen Bereich im Hochfeld. Neben ihren Schlafräumen gibt es ein Gemeinschaftszimmer mit Sofa und Fernseher. An den Wänden hängen Bilder, welche die Kinder in einem Malkurs gezeichnet haben. «Der Fernseher ist mit einem Timer versehen», sagt Oliver Müller. Von 22 Uhr abends bis morgens um 10 Uhr bleibt der TV-Apparat ausgeschaltet.

Trams oder Unterkunft putzen

Etwa 20 Hochfeld-Bewohner arbeiten für das Kompetenzzentrum Integration der Stadt Bern, sagt Müller. Dort putzen sie zum Beispiel Trams oder reinigen Flussränder von unerwünschten Pflanzen. Für die meisten anderen Bewohner gibt es Reinigungs- oder Küchenjobs in der Unterkunft. Dabei können sie bis zu 35 Franken pro Woche verdienen. Zahltag ist jeweils am Freitag.

Bei der jetzigen Bewohnerzahl stimme das Jobangebot mit der Nachfrage überein, sagt Müller. Neben der Arbeit stehen Deutschkurse, Sport oder einmal pro Woche Kochen auf dem Programm.

Das vorübergehende Zuhause wird von den Gästen unterschiedlich wahrgenommen. Ein 23-jähriger Asylbewerber aus Pakistan ist zufrieden. «Ich kriege hier Essen und habe ein Dach über dem Kopf. Das reicht mir.» Er arbeite sehr gern in der Küche der Asylunterkunft und hofft, bald in einem Schweizer Restaurant einen Job zu finden.

«Ich möchte endlich wissen, wie es für mich weitergeht», sagt ein junger Afrikaner, dessen Asylgesuch hängig ist. Er sei schon seit sieben Monaten im Hochfeld. «Es ist sehr schwierig, so lange in dieser Unterkunft leben zu müssen.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.08.2012, 07:43 Uhr

Kein Ende in Sicht

Als die Asylunterkunft Hochfeld im Januar eröffnet wurde, war die Zivilschutzanlage in der Länggasse nur als Übergangslösung für einige Monate gedacht. Ein Ende des Betriebs ist aber nicht in Sicht. «Wir können zurzeit kein unterirdisches Zentrum schliessen», sagt Iris Rivas, Leiterin des kantonalen Migrationsdienstes. Anfang Jahr rechnete man beim Kanton mit den Prognosen des Bundesamtes für Migration, was das Asylwesen betrifft. «Jetzt ist die Situation explodiert», sagt Rivas. Allein letzte Woche wurden dem Kanton täglich über 20 neue Asylbewerber zugewiesen. «Eine unterirdische Unterkunft ist langfristig nicht adäquat. Aber es fehlen die Alternativen.»rah

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