Imkern wird zur Frauensache

Konolfingen

Imkern liegt im Trend. Nicht nur Jugendliche, auch immer mehr Frauen begeistern sich für das Hobby. Dies merkt auch der Bienenzüchterverein Konolfingen, der heuer sein 100-jähriges Bestehen feiert.

«Frauen sorgen für die nötige Ruhe im Volk», so Fritz Bigler, Präsident des Bienenzüchtervereins Konolfingen.

«Frauen sorgen für die nötige Ruhe im Volk», so Fritz Bigler, Präsident des Bienenzüchtervereins Konolfingen.

(Bild: Urs Baumann)

Christoph Albrecht

Vielen Imkern im Raum Zäziwil-Grosshöchstetten-Mirchel dürfte die diesjährige Saison als keine besonders gute in Erinnerung bleiben. Abertausende ihrer Bienen starben dort im April, nachdem sie mit dem Insektizid Fipronil vergiftet worden waren.

Mehr Jugendliche

«Das war ein denkwürdiger Frühling», sagt Fritz Bigler aus Niederhünigen. Obwohl seine Bienenvölker verschont blieben, liess ihn das Massensterben nicht kalt. Kein Wunder: Seit über zwei Jahrzehnten setzt sich der 64-Jährige im Bienenzüchterverein Konolfingen und Umgebung für den Schutz der Insekten ein, seit drei Jahren als Präsident.

Trotz der schlechten Bilanz seiner Imkerkollegen gibt es für Bigler derzeit Grund zum Feiern. Pünktlich zum 100-Jahr-Jubiläum verzeichnet der Bienenzüchterverein wieder steigende Mitgliederzahlen. «Bei der Gründung 1914 hatte der Verein gerade mal 16 Mitglieder – heute sind es 75», sagt Bigler. Zum Zuwachs beigetragen hätten in den letzten Jahren vor allem viele Jugendliche, die sich wieder vermehrt für die Imkerei interessieren würden. «Unser jüngstes Mitglied ist 16 Jahre alt», sagt Bigler.

Trend dank Bienen-Film

Was den gelernten Automechaniker ebenfalls freut, ist nebst dem Imkernachwuchs das steigende Interesse der Frauen an der Bienenzucht. Dies zeige sich in den Imkerkursen, die der Verein anbietet. «In den vergangenen Jahren sind immer mehr weibliche Teilnehmer dazugekommen», so Bigler. Mittlerweile würden sie sechzig Prozent aller Kursteilnehmer ausmachen. Noch vor rund zehn Jahren seien Hobbyimkerinnen in den Kursen eine Seltenheit gewesen.

Die Gründe für den Trend liegen für Bigler auf der Hand. «Die Leute sind sich in den letzten Jahren bewusst geworden, wie wichtig die Bienen für die Nahrungskette sind.» Viele wollten im Kampf gegen das weltweite Bienensterben deshalb einen Beitrag leisten. Zu diesem neuen Bewusstsein beigetragen habe auch der preisgekrönte Film «More than Honey», der unlängst auf das Problem aufmerksam gemacht hat.

Frauen bringen Ruhe ins Volk

Für Bigler ist die neue Personendurchmischung ein Gewinn. «Das tut dem Verein gut», ist er überzeugt. Zudem würden die vermehrt weiblichen Imker letztlich auch den Bienen zugutekommen. «Die Frauen imkern in der Regel etwas sorgfältiger als die Männer.»

Gehe es etwa darum, die Waben unversehrt aus dem Bienenstock zu nehmen, um die Völker zu kontrollieren, würden dies die Frauen meist eine Spur konzentrierter verrichten als ihre männlichen Kollegen. Ganz zur Freude von Präsident Fritz Bigler: «Frauen sorgen für die nötige Ruhe im Volk.»

Berner Zeitung

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