Kallnach

Im Wald, wo die Kelten ruhen

KallnachBald soll im Kallnachwald Kies abgebaut werden. Im Boden liegen aber Spuren vergangener Zeiten. Archäologin Marianne Ramstein zeigte rund 50 Interessierten, welche Funde vermutet werden.

Augenschein vor Ort: Auf einem der Grabhügel zeigt Marianne Ramstein, wie diese gebaut waren.

Augenschein vor Ort: Auf einem der Grabhügel zeigt Marianne Ramstein, wie diese gebaut waren. Bild: Andreas Blatter

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Der Regen rauscht, von den Blättern fallen Tropfen. Dem nassen Wetter zum Trotz stapfen über 50 Personen durch den Kallnachwald: Die Burgergemeinde hat am Donnerstagabend einen archäologischen Spaziergang organisiert.

Kaum jemand hätte die kleinen Bodenerhebungen bemerkt, würde Marianne Ramstein nicht darauf stehen bleiben. Die Mitarbeiterin des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern erklärt den Wanderern, welche Schätze im Wald liegen – möglicherweise.

Hügelgräber

Die sanften Bodenwellen sind grösstenteils Reste von Grabhügeln aus der Hallstattzeit. Zwischen 800 und 450 vor Christus war das Gebiet ausserhalb Kallnachs eine Nekropole, eine Begräbnisstätte der keltischen Bevölkerung. Nicht, dass dies bisher unbekannt gewesen wäre. Die Grabhügel im Wald sind ein offenes Geheimnis, seit sie im 19. Jahrhundert angegraben und teilweise geplündert wurden.

Die keltischen Reste rücken nun aber ins Rampenlicht: Der Kallnachwald wird bald zu einem Kiesabbaugebiet, und damit müssen die Bodenfunde weichen. Das nehmen die Archäologen zum Anlass, zuvor die wichtigsten Zonen auszugraben und die Funde zu sichern.

Mauer und Graben

Selbst die Fachleute waren überrascht, als sie den Kallnachwald genauer unter die Lupe nahmen. Dank Verfahren wie Georadar ­sowie Laserscanning aus der Luft wurde Unbekanntes sichtbar. Nebst den bekannten Grabhügeln wurden weitere entdeckt, insgesamt weit über 20.

Doch sie sind nicht die einzigen Spuren vergangener Jahrhunderte. Auffällig sind eine Geländekante und ein Graben davor. Marianne Ramstein zeigt auf eine Vertiefung im Boden. «Dort, wo Sie gerade stehen, gab es keinen Weg. Denn Hohlwege, die es im Kallnachwald ebenfalls gibt, sind deutlich schmaler.»

Die Spuren im Kallnachwald. Grafik: dc / Quelle: Archäologischer Dienst des Kantons Bern

Mit einem Bagger hat der Archäologische Dienst einen kleinen Sondiergraben in die Geländekante gezogen, wobei eine Konzentration von Feldsteinen zum Vorschein kam. «Es ist keine Ablagerung aus der Eiszeit», sagt die Archäologin. «Vermutlich gehören die Steine zu einer Um­fassungsmauer.» Die Archäologen diskutieren, ob dort einst eine ­Befestigungsanlage stand.

Diese These stützen Pfostenlöcher im Graben, die zu einer Palisade gehört haben könnten. Neu ist die Erkenntnis, dass das Gebiet bei Kallnach früher nicht bewaldet war. Die Auswertung der Georadar-Daten zeigten Terrassen, die einst als Landwirtschaftflächen gedient haben müssen.

Römische Villa

Noch ist ungewiss, was bei den Rettungsgrabungen der Archäologen zum Vorschein kommen wird. Ramstein: «Ziemlich sicher gibt es in den Grabhügeln nicht nur ein Zentralgrab, sondern auch Nebenbestattungen. Dies war auch bei den Hügeln so, die wir in Kernenried und Langenthal ausgruben.»

«Ziemlich sicher gibt es in den Grabhügeln nicht nur ein Zentralgrab, sondern auch Nebenbestattungen.» Marianne Ramstein

Vielleicht werde in den Hügeln Grabbeigaben wie Schwerter oder Schmuckstücke gefunden. Eine Keltensiedlung, die nahe der Grabstätte liegen müsste, ist bisher nicht bekannt. Die Archäologen hoffen auf Funde im Kallnachwald, die auf eine solche schliessen lassen. Klar ist dagegen, dass die Römer in und um Kallnach siedelten. Teile einer römischen Villa wurden 1988/1989 ausgegraben.

2008 fand man noch den angrenzenden Badetrakt. Auch andere römische Funde sind bekannt. Im Kallnachwald selbst kamen bisher einzig zwei römische Münzen zum Vorschein.

Offener Zeitplan

Wann der Archäologische Dienst mit den Grabungen beginnt, kann Marianne Ramstein nicht sagen. Sicher erst, wenn der Wald für den Kiesabbau gerodet werde. Die Firma Hurni Holding AG möchte dort noch in diesem Jahrzehnt mit dem Abbau beginnen. Voraussetzung dafür ist die Überbauungsordnung, welche am 26. November 2016 der Gemeindeversammlung Kallnach unterbreitet wird.

Der Abendspaziergang endet bei der Waldhütte der Burger­gemeinde. Das Haus stand früher, bevor es abbrannte, genau an der Stelle eines Grabhügels. Der Neubau wurde später einige Meter daneben errichtet. Und der Aushub dafür überdeckt seither – als Hügel sichtbar – die keltische Grabstelle. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.08.2016, 15:52 Uhr

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