«Im Fall Swiss College haben Behörden und Zertifizierungsstelle versagt»

Bümpliz

Behörden und Zertifizierungsstelle haben ihre Arbeit nicht richtig gemacht – diese Kritik übt Markus Fischer vom Verband Schweizerischer Privatschulen nach der Schliessung des Swiss College in Bümpliz.

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Eine Privatschule in Bern-Bümpliz hat Studierende aus Indien und Nepal um ihr Geld betrogen. Was sagen Sie als Generalsekretär des Verbands Schweizerischer Privatschulen (VSP) dazu?
Markus Fischer: Ich habe mich furchtbar geärgert, als ich von diesem Fall gehört habe. Ich kann nicht nachvollziehen, wie diese Schule das Schweizer Qualitätszertifikat erhalten konnte. Hätten die Behörden und die Eduqua-Zertifizierungsstelle nur einmal genau hingeschaut, hätte ihnen klar sein müssen, dass dieses Swiss College eine dubiose Sache ist.

Wer ist der Hauptschuldige in diesem Fall?
Aus meiner Sicht liegt ein mehrfaches Versagen vor: Das Handelsregisteramt hätte sich bei der Eintragung der Firma fragen müssen, ob die Bezeichnung Swiss College nicht eher täuschenden Charakter hat. Die Eduqua-Zertifizierungsstelle ist nicht besonders vorsichtig ans Werk gegangen, und die Migrationsbehörden hätten sich vor der Visaerteilung an die Studierenden etwas mehr mit dieser «Schule» auseinandersetzen können. Rudolf Strahm, der Präsident des Verbands für Weiterbildungen, macht es sich etwas gar einfach, wenn er nun den Schwarzen Peter an die nicht einmal zuständige Erziehungsdirektion zuschiebt.

Was wäre die angebrachte Reaktion gewesen?
Ich hätte erwartet, dass man bei der Geschäftsstelle von Eduqua diesen Fall zum Anlass nimmt, das Zertifizierungssystem zu verbessern. Es kann doch nicht sein, dass man sagt: «Ups, dumm gelaufen. Aber wir können es jetzt auch nicht mehr ändern.»

Ist ein Zertifikat von Eduqua überhaupt etwas wert?
Bei Schweizer Privatschulen mit traditionellem Bildungsangebot würde ich das bejahen. Anders sieht es bei Schulen aus wie dem Swiss College. Die Schule wurde zwar in den Medien als Berner Privatschule bezeichnet, ist aber in Tat und Wahrheit nichts anderes als eine englisch-indische Schule mit Schweizer Maskerade. Schon wenn man sich die Werbung und den Prospekt der Schule ansieht, muss man hellhörig werden. Es ist erschreckend, dass dies bei den Verantwortlichen niemandem aufgefallen ist.

Haben sich die Bewilligungsbehörden eventuell aufgrund des Schweizer Qualitätslabels in falscher Sicherheit gewiegt?
Es kann sein, dass das eine Rolle gespielt hat. Ein solches Label entbindet jedoch die Migrationsbehörden nicht davon, eigene Abklärungen zu treffen. Im Gegenteil. Wird dies unterlassen, ist das eine Verletzung der Sorgfaltspflicht.

Woran hätten die Verantwortlichen merken können, dass das Swiss College keine seriöse Schule ist?
Gegründet wurde die Schule mit dem kleinstmöglichen Startkapital von 50000 Franken. Das zeigt ein Blick in den Handelsregistereintrag. Man kann sich fragen, wie mit nur gerade achtzehn Schülern ein betriebswirtschaftlich funktionierendes Unternehmen hätte aufgezogen werden sollen. Die Bezeichnung «Swiss» bei einer Schule ohne Leistungsausweis kann ebenfalls ein Indiz sein für unlautere Absichten. Damit gaukelt man Seriosität und Qualität vor. Das Swiss College ist nicht der erste solche Fall, den ich miterlebe.

Tragen Sie mit dem Branchenverband nicht auch eine Verantwortung?
Sicher tun wir das. Für die Privatschulen, die bei uns Mitglied sind. Diese Schule war aber nicht Mitglied bei uns. Wir hätten sie auch nicht aufgenommen, weil sie unsere Richtlinien nicht erfüllt hätte.

Weshalb also Ihr Engagement?
Weil wir als Branchenverband darunter leiden, wenn schwarze Schafe dem Image von Privatschulen schaden. Dieser Fall zeigt, dass in der Bewilligungspraxis und bei der Zertifizierung einiges im Argen liegt. Ich finde zudem, dass jemand den gestrandeten Schülern helfen muss.

Wer und wie?
Von unserer Seite könnten wir eine gewisse finanzielle Hilfe anbieten, damit die Studierenden zurück in ihre Heimat fliegen können. Das ziehen wir nicht zuletzt deshalb in Betracht, weil es bei diesem Fall auch um den Ruf des Bildungsstandortes Schweiz geht. Ich erwarte aber von Eduqua und den Behörden, dass sie ebenfalls ein finanzielles Zeichen setzen. Was nicht angeht, ist, dass alle finden, dieser Fall gehe sie nichts an.

Wie liessen sich solche Fälle künftig vermeiden?
Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, dass eine Schule erst dann ein Qualitätslabel bekommt, wenn sie mindestens einen Lehrgang erfolgreich abgeschlossen hat. Auf nationaler Ebene muss geprüft werden, ob die Bezeichnung Swiss bei der Firmenbildung nicht restriktiver vergeben werden soll. Und schliesslich sollten die Verantwortlichen die Möglichkeit nutzen, sich bei Branchenverbänden zu erkundigen, oder das Privatschulregister anschauen. Dort sieht man, welche Schulen einen Leistungsausweis haben.

Berner Zeitung

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