Bern

Im Club Bonsoir wird geraucht

BernZum 6. Jubiläum hat der Club Bonsoir in der Berner Aarbergergasse ein Fumoir eingebaut. Auch sonst warten die Betreiber mit Neuem auf.

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350 geladene Gäste feierten am Samstag mit dem Club Bonsoir in der Aarbergergasse das 6-jährige Bestehen. «Das verflixte sechste Jahr», schreiben die Betreiber in der Einladung. Verflixt, weil sie 2014 unter schwindenden Besucherzahlen litten. «Das geht aber nicht nur uns so», beteuert Bobby Bähler, einer der Betreiber, im Interview. «Letztes Jahr wollte einfach niemand ausgehen. Nach unserem letzten Jubiläum wurde es immer schlimmer, ab September haben wir es dann richtig gespürt», erinnert er sich.

Dass das Interesse an einem Club schwinde, sei völlig natürlich, erklärt er. Ein Lokal gehe auf, erlebe einen Hype, laufe ein bis zwei Jahre, «dann haben die Leute den Club gesehen», sagt Bähler. Die Frage sei dann, ob man den Generationenwechsel schaffe. «Wir haben ihn zwei Mal geschafft. Am dritten Geburtstag kam ich in den Laden und habe niemanden mehr gekannt, dasselbe am 5. Jubiläum», sagt der Berner.

Leute früher rauslocken

Ans Aufhören denken sie dennoch nicht – aber ans Abgeben: «Wir wollen Platz machen für jüngere Veranstalter, wie z. B. Fraktion Tanz oder ‹3Hunna6›», erklärt er. Bähler betont aber, dass der Ort primär der Grund sein müsse, weshalb man in den Ausgang geht. «Wir wollen diesen Ort bieten», sagt er. So wurde in den vergangenen zwei Wochen umgebaut und eine der zwei Bars näher zur Tanzfläche gebracht.

«Ab nächster Woche machen wir die Bar um 22 Uhr auf, eine Stunde vor dem Klubbetrieb», sagt Bähler. Alle, die schon anwesend seien, können gratis im Klub bleiben. Damit verfolgen die Betreiber zwei Ziele: «Wir wollen, dass die Leute früher in den Ausgang kommen. Unser Biorhythmus lügt nicht», lacht er. Für ihn macht es keinen Sinn, bis nach Mitternacht rumzugammeln und dann erst rauszugehen.

Damit wollen sie aber auch eine Angebotslücke schliessen: «In der oberen Altstadt gibt es wenige hochkarätige Bars, wo man nach dem ‹Znacht› auf einen Cocktail oder Longdrink gehen kann.»

Eine Zigarette zum Drink

Der beim Umzug der Bar freigewordene Platz wurde in ein Fumoir umfunktioniert. «Wir waren der einzige Club mit genereller Überzeitenbewilligung, der bisher kein Fumoir hatte», so Bähler. Zu einem Drink soll man sich eine Zigarette genehmigen können, ohne nach draussen gehen zu müssen.

Oft sei auch das Problem gewesen, dass zwar viele im Club waren, aber einige Dutzend Gäste permanent draussen rauchten, worunter die Stimmung der Party gelitten habe. «Auch das Rumgelaufe hat sich auf die Stimmung ausgewirkt», so Bähler. Im neuen Fumoir gibt es viel Platz und eine gute Lüftung. Am Samstag wurde es schon rege genutzt.

Seit fünf Monaten publiziert die Bonsoir-Crew ihr Programm nicht mehr online, sondern nur noch in Newslettern. Das werde sich nun mit dem neuen Internetauftritt wieder ändern. Und auch das Musikgenre. «Elektro ist Mainstream geworden. Wir wollen zurück zu unseren Wurzeln und den Leuten neue, unbekannte Gruppen zeigen», sagt Bähler.

Auf der Agenda wird nicht nur Musik stehen, sondern vermehrt auch Comedy. «Wir wollen Horizonte in einem jungen, urbanen Rahmen öffnen, es muss nicht immer Hochkultur sein», schliesst Bähler. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.03.2015, 11:14 Uhr

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