Ihr Garten lädt zum Bleiben

Rapperswil

Zwei Schwestern, ein Garten: Veronika Berger und Ruth Erne haben hinter ihrem Haus in Rapperswil einen Ort geschaffen, an dem sich Mensch, Tier und Pflanzen wohl fühlen.

  • loading indicator
Edith Krähenbühl

Holzbienen, Grasfrösche, Moderlieschen, Fledermäuse – im Garten von Veronika Berger und Ruth Erne treffen sich Tag- und Nachttiere. Das ist so gewollt. «Den Muskatellersalbei habe ich extra angepflanzt, da er Holzbienen anzieht», erzählt Veronika Berger.

Zusammen mit ihrer Schwester Ruth Erne hat sie in Rapperswil, einem Dorf, dessen gut 2000 Einwohner sich gerade noch als Seeländer bezeichnen, einen Ort geschaffen, der zum Bleiben lädt.

Das gilt nicht nur für Tiere und Menschen, sondern auch für Pflanzen. Wilde Möhre zum Beispiel haben die Schwestern nie gesät, trotzdem tauchen deren zarte Dolden im Garten des Doppeleinfamilienhauses überall auf. Es scheint, als hätten sie gespürt, dass sie willkommen sind.

Wildes und Zartes

«Die Idee unserer Gärten ist die, dass wir ein bisschen Chaos ­haben, aber auch ein bisschen Struktur», erklärt Erne, «so bringen wir Ruhe in die Wildheit.» Streifzüge durch den Gartenwürden sie immer wieder aufs Neue überraschen, sagt die 63-Jährige. «Wenn sich eine Blume, die man nicht auf den ersten Blick sieht, den Weg aus dem Dickicht bahnt, berührt mich das mehr als ein grosser Rosenbusch.»

Die Vorliebe fürs Zarte und Feine findet sich auch in Ruth Ernes Beruf wieder. Die zweifache Grossmutter führt ein Atelier, in dem sie biblische Figuren nach Schwarzenberg herstellt und Kurse anbietet. Im Atelier arbeitet sie etwa sechzehn Stunden pro Woche und fast ebenso viele im Garten.

Obwohl zwei Gärtnerinnen am Werk sind, ist im Garten keine Grenze sichtbar. Das war nicht immer so. Als die beiden Schwestern 1983 mit ihren Familien einzogen, haben sie je einen Gemüsegarten angelegt, dazu einen grossen Rasen, Blumenbandeli und Sträucher. «Wir sind Bauerntöchter und gärtnerten, wie wir das von unserer Mutter gelernt hatten», erklärt Erne, die mit ihrem Mann in der einen Haushälfte lebt.

Vor sechzehn Jahren wagten die Schwestern eine Veränderung: «Ich war zehn Jahre im Gemeinderat. Als ich 2002 zurücktrat, wollte ich nicht in ein Loch fallen.» Erne beschloss, stattdessen eins zu graben. Daraus entstand der Schwimmteich, in dem die beiden im Sommer täglich baden.

Mit dem Aushub haben sie auf Bergers Seite einen kleinen Hügel angelegt. Zuoberst lädt ein grosser Stein zum Sitzen ein. «Hier ist mein Lieblingsplatz», sagt Veronika Berger. Umgeben von Cosmea, Sonnenhut, Glockenblumen, wildem Fenchel und Johanniskraut hat sie dort den Überblick über ihr Reich.

Umsorgen und bewirten

Berger ist auch ausserhalb des Gartens sehr aktiv – sie kocht in Konfirmandenlagern, gibt Apérokurse, töpfert, schweisst, macht aus Altglas Kunst und absolviert täglich ein Turnprogramm. Doch der Garten erfüllt ihr ein wichtiges Bedürfnis: «Er ist für mich ein Ort der Fürsorge», erklärt die 68-Jährige. «Ich habe keine Grosskinder und lebe allein. Vor meiner Pensionierung habe ich mit behinderten Menschen gearbeitet. Nun hege, pflege und verwöhne ich meine Pflanzen, frage sie, was sie brauchen, und spreche mit ihnen.»

Doch auch Menschen sind ihr immer noch wichtig. «Ich lade oft Freunde ein oder veranstalte Feste in unserem Garten», sagt Berger. Und wie um diese Aussage zu unterstreichen, biegt eine Freundin von Veronika Berger um die Hausecke. Sie ist die Nächste, die hier gerne eine Weile bleibt.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt