«Ich werde Extraschichten schieben müssen»

Wohlen

Einen Tag nach seiner Wahl zum neuen Gemeindepräsidenten stand Bänz Müller wieder im Klassenzimmer. Im Gespräch äussert sich der 46-Jährige zu der bevorstehenden Doppelbelastung und zu den Herausforderungen.

Bänz Müller freut sich, die attraktive  Gemeinde Wohlen präsidieren zu dürfen.

Bänz Müller freut sich, die attraktive Gemeinde Wohlen präsidieren zu dürfen.

(Bild: Urs Baumann)

Hans Ulrich Schaad

Herr Müller, womit hat Ihre Schulklasse Sie heute Morgen überrascht?
Bänz Müller: Sie hat mir gratuliert, gross und farbig auf der Wandtafel.

War das ehrlich, oder ist die Klasse froh, dass Sie bald gehen?
Ich gehe davon aus, dass es eine ehrliche Gratulation war.

Dann fällt Ihnen der Abschied von der Klasse schwer.
Das ist klar. Ich bin mit Herzblut Lehrer und setze mich für meine Schülerinnen und Schüler ein

Wie stellen Sie sich den Übergang vom Lehrer zum vollamtlichen Gemeindepräsidenten vor?
Mit einem Wechsel des Herzblutes. Genau so wie ich mich für meine Klasse eingesetzt habe, werde ich mich nun für meine Gemeinde einsetzen. Das wird mir leichtfallen. Es ist eine wunderbare Aufgabe, eine so attraktive Gemeinde wie Wohlen präsidieren zu dürfen.

Aber das geht nicht von heute auf morgen.
Es ist unrealistisch, zu glauben, dass ich am 8. Dezember gewählt werde und am 1.Januar bereits meine Klasse abgebe. Das bin ich sowohl den Kindern als auch den Eltern schuldig. Ich rechne damit, dass ich während sieben bis acht Schulwochen eine Doppelbelastung habe.

Können Sie diese beziffern?
Es ist schwierig, das in Prozentzahlen zu sagen. Aber ich werde auf jeden Fall Extraschichten schieben müssen. Das war mir vor den Wahlen bewusst.

Ab dem 1. Januar ist das Gemeindehaus Ihr Hauptarbeitsplatz. Was dürfen die Angestellten von ihrem neuen Chef erwarten?
Ich werde den Angestellten auf Augenhöhe begegnen. Wir haben eine ausgezeichnete Verwaltung, die Mitarbeitenden leisten eine hervorragende Arbeit, die ich enorm schätze. Sie tragen viel zur Attraktivität der Gemeinde bei.

Gemeindepräsident Eduard Knecht ist auch wegen unpopulärer Entscheide kritisiert worden. Werden Sie solchen Entscheiden aus dem Weg gehen?
Ich glaube nicht, dass es eine Legislatur ohne unpopuläre Entscheide gibt. Ich werde diese aber auf jeden Fall transparent, offen und ehrlich kommunizieren. Ich binde die Bevölkerung in den Entscheidungsprozess ein.

Aber das verzögert doch die Abläufe, wenn die Bevölkerung immer mitentscheiden kann.
Es gibt viele kleine Geschäfte, bei denen die Bevölkerung nicht involviert werden muss. Wichtige Themen kann der Gemeinderat nicht alleine angehen. In einer Gemeinde soll eben nicht der Präsident die Marschrichtung vorgeben, sondern die Einwohnerinnen und Einwohner. Der Gemeindepräsident und der Gemeinderat führen dann aus, das ist die Aufgabe der Exekutive.

Haben Sie nicht Angst, dass die bürgerliche Mehrheit im Gemeinderat Ihnen das Leben schwermacht?
Nein, das glaube ich nicht. Ich gehe davon aus, dass alle Gemeinderatsmitglieder im Interesse der Gemeinde handeln und sich nicht vom Parteidünkel beeinflussen lassen.

Nach dem harten Wahlkampf der letzten Wochen: Können Sie sich vorstellen, mit Eduard Knecht als Gemeinderat weiterzuarbeiten?
Dazu will ich mich nicht äussern. Edi Knecht hat um eine Bedenkzeit gebeten. Das kann ich sehr gut nachvollziehen und respektiere das.

Sie sind von Amtes wegen auch Finanzchef. Wie waren Ihre Mathematiknoten in der Schule?
Math war und ist meine Stärke. Es kommt nicht von ungefähr, dass ich vor meiner Zeit im Gemeinderat Mitglied der Finanzkommission war.

Was kommt in den nächsten Jahren finanziell auf die Gemeinde zu?
Wir müssen unsere Aufgaben prüfen und unsere Einnahmen erhöhen. Nur so können wir ein ausgeglichenes Budget präsentieren. Die Zeiten der Verluste müssen vorbei sein. Sonst geht uns das Geld aus.

Sie sprechen von höheren Einnahmen. Das geht doch nur über eine Steuererhöhung.
Das wird das letzte Mittel sein. Mit neuem Wohnraum können neue Einwohner geholt werden.

Wo steht Wohlen in vier Jahren?
Wir werden unsere Hausaufgaben gemacht haben, insbesondere in den Bereichen Energie, Wohnraum, Finanzen und Verwaltungsstrukturen. Wohlen wird wieder wahrgenommen als das, was es ist: die schönste Wohngemeinde im Kanton Bern.

Berner Zeitung

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