«Ich habe gerne starke Persönlichkeiten um mich»

Der frühere Berner Erziehungsdirektor Bernhard Pulver wird Nachfolger von Uwe E. Jocham als Verwaltungsratspräsident der Insel-Gruppe. Vor der neuen Aufgabe hat der Alt-Regierungsrat Respekt.

Bernhard Pulver will die Insel-Gruppe in ruhigere Gewässer steuern.

Bernhard Pulver will die Insel-Gruppe in ruhigere Gewässer steuern. Bild: Adrian Moser

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Bernhard Pulver, SVP und Grüne haben das Heu politisch nicht gerade auf der gleichen Bühne. Mit SVP-Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg scheinen Sie sich aber gut zu verstehen.
Ich habe mit Herrn Schnegg tatsächlich immer gut zusammengearbeitet. Das Entscheidende dabei ist, dass wir eine gemeinsame Vision für den Medizinalstandort Bern haben. Wir beide setzen uns seit langem für dieses Thema ein. Das verbindet uns.

Zusammen mit Herrn Schnegg haben Sie als Regierungsrat auch mitgeholfen, Uwe E. Jocham in den Verwaltungsrat der Insel-Gruppe zu bringen. Nun verdrängen Sie ihn vom Präsidium. Was ist das für ein Gefühl?
Für Herrn Jocham war immer klar, dass er nach der Wahl zum Direktionspräsidenten nicht Verwaltungsratspräsident bleiben will, sondern nur einfaches Verwaltungsratsmitglied. Deshalb verdränge ich ihn auch nicht aktiv vom Präsidium und sehe da überhaupt kein Problem. Mit Herrn Jocham komme ich bestens aus und weiss, dass er auch nichts dagegen hat, wenn ich das Präsidium übernehme.

Trotzdem: Uwe E. Jocham hat einen grossen Macht­anspruch. Könnte das nicht zu Reibereien zwischen Ihnen beiden führen?
Das weiss man nie. Aber ich bin froh, dass wir einen Direktionspräsidenten haben, der die Insel-Gruppe auch tatsächlich führen will. Ich habe gerne starke Persönlichkeiten um mich. Es wäre vielmehr ein Problem, wenn wir einen schwachen CEO hätten.

Herr Jocham wäre gerne Verwaltungsrat und CEO geblieben. Im kommenden Jahr ist damit Schluss. Was sagen Sie dazu?
Uwe E. Jocham hat seinen Anspruch verschiedentlich begründet. Jetzt war es an der Regierung, darüber zu entscheiden. Und sie hat sich gegen ein langfristiges Doppelmandat ausgesprochen.

Ist der Entscheid, die strategische und die operative Ebene strikt zu trennen, in Ihren Augen denn richtig?
Es gibt beide Modelle. Ich möchte der Regierung nicht reinreden, zumal ich mein Amt erst Anfang Februar antreten werde.

Weshalb haben Sie zugesagt, den Posten zu übernehmen?
Einerseits habe ich mich bereits länger für den Medizinalstandort eingesetzt, weil ich der Meinung bin, es gibt in diesem Bereich sehr viel Potenzial. Das Inselspital ist ein spannender Verbindungspunkt zwischen den Menschen im Kanton, der Wissenschaft und der Wirtschaft. Das interessiert mich. Andererseits ist es eine persönliche Weiterentwicklung, und das Präsidium ist eine andere Rolle als jene, die ich als Regierungsrat innehatte.

Haben Sie Respekt vor der Aufgabe?
Selbstverständlich. Insbesondere Respekt vor der Komplexität der Insel-Gruppe. Es ist sicherlich keine einfache Aufgabe.

Weshalb liegt Ihnen als Jurist die Medizin derart am Herzen?
Es geht einerseits um die Gesundheit der Menschen, andererseits um Personen, die sich tagtäglich genau dafür einsetzen. Das ist einfach ein schönes Thema.

«Wir müssen solche Ambitionen haben, und es gefällt mir, dass Uwe E. Jocham sie auch äussert.»

Sie sagten einst, der Kanton Bern benötige mehr Selbstbewusstsein. Daran mangelt es der Insel-Gruppe unter CEO Jocham nicht. Sein Ziel ist es, weltweit führend zu sein. Ist das nicht ein bisschen hochtrabend?
Das Ziel ist nicht, die weltweit führende Spitalgruppe zu werden, sondern eine der weltweit führenden. Ich finde das sehr gut. Wir müssen solche Ambitionen haben, und es gefällt mir, dass Uwe E. Jocham sie auch äussert. Natürlich könnten wir als Bernerinnen und Berner einfach den Kopf in den Sand stecken. Aber mit einer solchen Einstellung wären auch Zürich und die Waadt nirgends hingekommen.

Die Insel-Gruppe hängt aber untrennbar mit dem Kanton Bern zusammen. Dort sind die Finanzen begrenzt, was Investitionen in die Insel-Gruppe praktisch ver­unmöglicht.
Das stimmt. Aber es geht um eine langfristige Zielsetzung. Der Kanton Waadt durchlebte vor zwanzig Jahren eine schwierige finanzielle Situation. Trotzdem hat er sich sehr positiv entwickelt. Und warum? Weil er ein ambitiöses Ziel hatte. Ich sage nicht, dass dies allein reicht. Aber es ist in Bern mehr möglich, als wir denken. Vielleicht nicht in dem Sinne, dass der Kanton als Finanzgeber für die Insel agiert. Aber er kann die bestehenden Stärken fördern. Und dazu gehört der Medizinbereich.

In der Realität sieht es aber auch so aus, dass sich die Insel-Gruppe in finanzieller Schieflage befindet. Diskutiert wird sogar ein Abbau von bis zu 700 Stellen.
Zu diesem Geschäft kann ich mich derzeit nicht äussern. Das kann ich erst ab dem 1. Februar.

Wie wollen Sie die Insel-Gruppe in ruhigere Zeiten führen?
Die Insel-Gruppe hat insbesondere mit der Fusion eine sehr turbulente Zeit hinter sich, das ist korrekt. Ich glaube aber, dass wir seit einigen Monaten bereits in einem ruhigeren Fahrwasser sind. Ich bin optimistisch, dass dies so bleiben wird.

Ruhigere Fahrwasser? Im ersten Halbjahr 2018 hat die Insel-Gruppe erstmals in seiner Geschichte ein negatives Zwischenergebnis präsentiert und diskutiert über einen Stellenabbau…
Wie gesagt, ich kann zu diesem Geschäft nicht Stellung nehmen, weil ich die Hintergründe nicht kenne.

In Ihrem letzten Jahr in der Regierung mussten Sie einmal mehr ein Sparprogramm durchziehen. Das sei deprimierend, sagten Sie. Jetzt könnte genau das auch bei der Insel-Gruppe Ihre Aufgabe sein.Noch einmal: Ich weiss nicht, inwiefern der Insel-Gruppe ein Sparpaket bevorsteht. Aber klar: Wenn ich einen Job übernehme, bei dem ich Verantwortung habe, wird es auch schwierige Seiten geben – unabhängig von einem Sparpaket. Wenn ich das vermeiden möchte, dann müsste ich eine Bar eröffnen oder in die Frühpension gehen.

Denkbar ist auch, dass Sie Spitäler schliessen müssen. Da einen Konsens zu finden, wie Sie es oft als Regierungsrat gemacht haben, dürfte schwierig werden.
Auch als Regierungsrat musste ich Entscheide durchziehen, bei welchen ich nicht mehr vermitteln konnte. Hingegen könnte es auch sein, dass ich Probleme weiterhin mit meiner gewohnten Art anpacken kann. Wie genau das in meiner neuen Auf- gabe rauskommen wird, weiss ich schlicht noch nicht.

Uwe E. Jocham hat Ende August die neue Strategie der Insel-Gruppe vorgestellt, die bereits in der Umsetzungsphase ist. Haben Sie daran mitgearbeitet?
Natürlich nicht. Ich befinde mich ja immer noch in meinem Sabbatical.

Sie sind aber für die künftige strategische Ausrichtung verantwortlich. Stört Sie das nicht?
Nein, denn ich habe die Strategie vor meinem Entscheid gelesen. Meiner Meinung nach ist der Ansatz richtig, und ich arbeite nun gerne an der Umsetzung mit. Wenn ich die Strategie selber gemacht hätte, dann wäre nicht etwas komplett anderes rausgekommen.

Gerade in Bern gibt es ein Überangebot an Spitalbetten. Ist es für Sie denkbar, das Tiefenauspital zu schliessen?
Ich muss mich zuerst in das Thema einarbeiten, bevor ich das beurteilen kann.

Neben einem möglichen Insel-Präsidium wurden Sie auch als Kandidat für den Ständerat gehandelt. Ist das nun vom Tisch?
So möchte ich das nicht sagen. Ich habe gesagt, dass ich bis Ende Jahr meine neuen Aktivitäten definiere. Der Partei habe ich im Hinblick auf eine Ständeratskandidatur deshalb noch keine Antwort gegeben – weder in die eine noch in die andere Richtung.

Rein finanziell wären Sie nicht auf ein Ständeratsmandat angewiesen. Als Insel- Präsident bekommen Sie rund 200'000 Franken pro Jahr.
Ich habe eine gute Ausgangssituation, ja.

Das Präsidium ist zudem ein 60-Prozent-Job. Mit dem Ständerat kämen noch einmal rund 80 Prozent hinzu.
Genau solche Dinge muss ich mir nun überlegen.

Was für Pläne haben Sie sonst noch für die Zukunft?
Genau weiss ich das wirklich noch nicht. Ich geniesse das halbe Jahr im Sabbatical extrem. Endlich wieder einmal normal leben zu können, ohne 60-Stunden-Woche. Das ist fantastisch. Ich möchte eigentlich künftig nicht wieder auf ein solches Arbeitspensum kommen. Es wäre deshalb tatsächlich denkbar, dass ich mich voll auf die Insel-Gruppe konzentriere.

Würde das den definitiven Abschied von Bernhard Pulver von der Politbühne bedeuten?
Was heisst schon definitiv? Unabhängig von einer allfälligen Ständeratskandidatur 2019 könnte das Thema später erneut aufkommen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.11.2018, 06:03 Uhr

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