«Ich habe Ja gesagt. Dabei bleibt es»

Worb

Trotz der breiten Front von links bis rechts, die sich in seltener Einmütigkeit gegen ihn gestellt hat, bleibt Niklaus Gfeller (EVP) dabei: Er tritt als Gemeindepräsident wieder an.

So einsam kann der Gemeindepräsident in einer Sitzung des Grossen Gemeinderates sein: Der Gang zum Rednerpult war für Niklaus Gfeller vorgestern Abend nicht immer einfach.

So einsam kann der Gemeindepräsident in einer Sitzung des Grossen Gemeinderates sein: Der Gang zum Rednerpult war für Niklaus Gfeller vorgestern Abend nicht immer einfach.

(Bild: Susanne Keller)

Stephan Künzi

Niklaus Gfeller, haben Sie in der Nacht auf gestern gut geschlafen?
Niklaus Gfeller: Ja, danke. In der Nacht zuvor war es schlimmer. Ich ahnte, dass etwas auf mich zukommen könnte, wusste aber nicht genau, was.

Umso schlimmer kam es dann am Abend in der Debatte zum Neustart der Ortsplanung. Im Grossen Gemeinderat bildete sich von links bis rechts eine breite Front gegen Sie.
Ich verstehe nicht, wieso man in dieser Sache derart auf meine Person spielt. Ich erinnere daran, dass eine solche Vorlage vom Gemeinderat zuhanden des Grossen Gemeinderates verabschiedet werden muss. In der siebenköpfigen Exekutive sitzen je zwei Vertreter der FDP und der SP und ein Vertreter der SVP...

...diese drei Parteien haben es in seltener Einmütigkeit geschafft, das Geschäft gemeinsam mit den Grünen zu Fall zu bringen.
Sie stellen im Gemeinderat doch die Mehrheit. Mir ist rätselhaft, wieso man die Ortsplanung nicht bereits auf dieser Stufe abgeklemmt hat.

Haben Sie eine Erklärung dafür?
Ich sage nur: Wahlkampf. Da fordert man, dass die Ortsplanung nach dem Nein im letzten Jahr möglichst schnell neu gestartet wird. Und kaum liegt der dafür nötige Antrag auf dem Tisch, sagt man Nein. Es ist doch klar: Ein solches Vorhaben lässt sich ohne Geld nicht starten.

Das heisst, Sie sollen gut ein halbes Jahr vor den Wahlen als vollamtlicher Gemeindepräsident buchstäblich abgesägt werden.
Das kann man so sagen, ja.

In der Debatte wurden Sie aufgefordert, das Departement zu wechseln. Weil ein so wichtiges Geschäft wie dieses eine starke Führung brauche.
Offenbar wünscht man sich vor allem Fachkompetenz. Ich bin allerdings der Meinung, dass das für diese Vorlage verantwortliche Departement nicht von einem Architekten geführt werden muss. Es wäre ja auch nicht gut, wenn für das Departement Bildung nur ein Lehrer infrage käme. Als Aussenstehender kann ich in der Planung die weit «krummeren» Fragen stellen, so, wie es hierzulande in einem politischen Prozess üblich ist. Sollte Fachkompetenz zwingend werden, wären verschiedene Berufe von vornherein von einem Gemeinderatsamt ausgeschlossen.

Mit einem Departementswechsel könnten Sie den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. Und sich so den Weg zur Wiederwahl frei machen, trotz allem.
Die Diskussion über die Verteilung der Departemente werden wir im Gemeinderat erst noch führen. Es ist nicht Sache des Parlaments, uns in diesem Punkt Vorschriften zu machen.

Sie werden die Sache aber aufs Tapet bringen.
Ja, und dann höre ich gut hin, ob ein solcher Wechsel für die anderen ein Thema ist.

Die breite Front gegen Sie ist ein weiterer Höhepunkt in der Kritik an Ihrer Amtsführung. Man lastete Ihnen das Nein zur Ortsplanung an, kritisierte Sie, weil nicht Sie es schafften, die letzten Widerstände gegen Umfahrung und Hochwasserschutz aus der Welt zu schaffen.
Halt, es gibt auch etliche betroffene Bauernfamilien, die mir attestieren, dass ich zwar hart, aber fair und professionell verhandelt hätte. Mit ihnen sind wir in der Folge zum Ziel gekommen.

Trotzdem. Wenn Sie im Herbst so viele Parteien gegen sich haben, stehen Sie auf verlorenem Posten, wenn Sie allein Ihre EVP im Rücken haben.
Ich werde ja nicht von den Parteien, sondern von der Bevölkerung gewählt. Schon bei den letzten Wahlen zeigte sich das. Obwohl die EVP in Worb nicht zu den dominierenden politischen Kräften gehört, erzielte ich bereits im ersten Wahlgang das beste Resultat.

Sie kommen also nicht auf Ihren Entscheid zurück, nochmals als Gemeindepräsident anzutreten.
Ich bin von meiner Partei angefragt worden, und ich habe Ja gesagt. Dabei bleibt es.

Wie geht es nun mit der Ortsplanung weiter?
Für mich heisst das Nein im GGR, dass wir wieder auf Feld eins anfangen müssen. Vom Grundsatz her bin ich nach wie vor überzeugt, dass wir für den Start der Arbeiten Geld für einen Ortsplaner brauchen. Wie wir uns nun verhalten wollen, ist allerdings noch offen. Dafür ist seit der Debatte im GGR noch zu wenig Zeit vergangen.

Berner Zeitung

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