ISC: Vom Studentenkeller zum Club

Bern

Seit 40 Jahren ist der ISC ein wichtiger Treffpunkt für die ausgehfreudige Berner Jugend. Ein schön gestaltetes Buch lässt die bewegte Geschichte des ehemals alkoholfreien Clubs für die Studentenschaft Revue passieren.

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«Sollte es noch einmal vorkommen, dass ein Kassenmitarbeiter oder DJ seinen Dienst wegen übermässigen Alkoholgenusses nicht ordentlich zu Ende führen kann, sähen wir uns gezwungen, den Betreffenden aus dem Mitarbeiterstab zu entlassen», ermahnte der Vorstand des Internationalen Studenten-Clubs (ISC) vor 30 Jahren seine Freiwilligenschar. Und rationierte das Bierkontingent pro Abend prompt auf zehn Flaschen.

Der ISC, 10 Jahre früher vom «Auslandamt» initiierter Treffpunkt für die internationale Studentenschaft in Bern, steckte da gerade in einer Krise. Die Mitgliederzahl der nüchtern, aber effizient eingerichteten Gebäulichkeit auf dem Areal des alten Tierspitals war abgesackt. Der Studentenkeller suchte in den bewegten Achtzigern nach einer neuen Identität. Mit dem Status als Wochenenddisco und dem Etikett des «Intrigen- und Sexclubs», wie ein paar Insider spöttelten, war es nicht mehr gemacht. Mit der Öffnung weg vom «Huis clos» der dem lustigen Studentenleben frönenden Akademikerschaft hin zu mehr Rock’n’Roll und Strassenstaub kam der Erfolg zurück.

Und dann kam der Alkohol

Jetzt feiert der ISC mit einem Buch und einem Jubiläumsprogramm seinen 40.Geburtstag. Das von der Kreationsagentur Efentwell zielgruppengerecht gestaltete und von BZ-Redaktorin Anna Tschannen träf getextete Buch segelt unter dem Titel «4 Decades of Rock’n’Roll».

Wobei bei der Lektüre klar wird: So richtig gerockt wurde im ISC erst nach baulichen, personellen und stilistischen Änderungen. Anstelle des alkoholfreien Getränkeautomaten wurde eine Bar installiert, die den besorgten Vorstand von 1980 mit ihrem Angebot an Drinks wohl zur Verzweiflung getrieben hätte.

1995 feierte der einstige Studentenkeller dann sein «Going public»: Auch Nichtmitglieder erhielten nun unkompliziert Zugang zu den Partys und den Konzerten, die bald auch national und über die Landesgrenzen hinaus ausstrahlten. Vorbei die Zeiten, als Nichtstudentinnen nach dreimaligem Besuch Mitglied des ISC werden konnten, während die Mitgliedschaft für Männer auf Immatrikulierte der Uni Bern, der ETH und der HWV beschränkt war. Statt einer Freizeituni war der ISC nun definitiv eine «Rock’n’Roll Highschool», und einer der Rektoren des besagten Schulkörpers, Punklegende Dee Dee Ramone, beehrte das ISC mit einem richtig lauten Antrittskonzert.

Seither ist der ISC ein Szeneclub für Nachtvögel und ein Ort, wo Musikinteressierte im kleinsten Rahmen Entdeckungen machen können, von denen sie vielleicht noch ihren Enkelkindern berichten werden.

Splitternackter Auftritt

So dokumentiert das Buch Auftritte von aktuellen und verblichenen Grössen wie den Stone Temple Pilots, Calexico oder Mando Diao – lokale Helden von Aziz bis Züri West gehören im ISC quasi zu den «Singing Waiters». Nicht immer sind die Konzerte so intim wie bei Beat «Beatman» Zeller, dessen splitternackter Auftritt im ISC-Buch bildlich festgehalten ist. Aber näher als im wohnzimmergrossen ISC kommt man seinen Helden nirgends.

Samuel Mumenthaler

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