Hobbyarchäologe findet Spuren einer alten Burg

Konolfingen

Der Thuner Jonas Glanzmann hat im Hürnbergwald bei Konolfingen eine Stelle entdeckt, auf der zu Zeiten der Alemannen eine Burg gestanden hat. Der Archäologische Dienst Bern bestätigt seinen Fund.

Der Entdecker: Jonas Glanzmann (Mitte) beschreibt einem kleinen Publikum seinen sensationellen Fund.

Der Entdecker: Jonas Glanzmann (Mitte) beschreibt einem kleinen Publikum seinen sensationellen Fund.

(Bild: Walter Pfäffli)

«Eine kleine Sensation und eine grosse Überraschung» nennt Jonas Glanzmann seine Entdeckung im Konolfinger Hürnbergwald. Besonders stolz macht ihn sein spektakulärer Fund, weil man heute glaube, in der Region bereits alle archäologischen Geheimnisse gelüftet zu haben.

Der Thuner ist Hobbyarchäologe und -historiker sowie ehrenamtlicher Mitarbeiter des Archäologischen Dienstes Bern. Er steht vor dem vielleicht 5 Meter hohen bewaldeten Hügel, der für Laien wie eine einfache Erhebung aussieht, obschon sie direkt neben einem Weg liegt.

Keine Grabungen

Obschon auf Grabungen verzichtet wurde, ist man ziemlich sicher, dass unter Moos und Erde keine Steine liegen. Die «Burg» wurde vermutlich nur mit organischem Material gebaut, aus Holz, Knochen und Erde. Etwas finden würden wohl nur Fachleute, denn die Burgstelle stammt etwa aus dem Jahre 800.

Wer auf den Wall steigt, der gegen das Tal hin steil abfällt, sieht nichts Besonderes. Anders Jonas Glanzmann: «Das ist eine typische Festung, die eindeutig von Menschenhand geschaffen wurde», sagt er. Die ganze Anlage ist 50 Meter lang und 50 Meter breit. Rund um den Hügel verläuft ein Graben.

In der Mitte der Burgstelle ist eine Wölbung zu erkennen, die ein darunter liegendes Gebäude vermuten lässt. Als dieses erstellt wurde, war dort wahrscheinlich auch schon Wald, wohl aber keine so hohen Tannen wie heute, welche die gute Aussicht verdecken. Damals muss eine gute Sichtverbindung zu ähnlichen Anlagen geherrscht haben, die man in Schwanden bei Zäziwil, Althünigen (Niederhünigen) und Alt Signau (Bowil) gefunden hat.

Überregional bedeutend

Die Burgstelle im Hürnbergwald ist übrigens nicht die erste, die Jonas Glanzmann entdeckt hat. Er fand und beschreibt weitere bei Sangernboden und Langnau.

Bei seiner Suche habe er sich von historischen Überlegungen und geografischen Gegebenheiten leiten lassen und dabei die Burgstelle gefunden, erklärt Glanzmann. Seine Entdeckung lasse die Besiedlungsgeschichte der Region in einem neuen Licht erscheinen, ist er überzeugt. Der Name Konolfingen mit der Endung «ingen» weise auf eine ältere alemannische Gründung hin.

«Aufgrund der Typologie der Anlage kann die Burgstelle im Zusammenhang mit der alemannischen Besiedelung von Konolfingen gesehen werden.» Glanzmann denkt aber auch, dass die Burg schon sehr früh verlassen wurde. Darauf deute hin, dass es weder historische Aufzeichnungen noch Sagen existieren, die auf die Stelle hinweisen.

Für die Zukunft wünscht sich der Entdecker, dass das Gelände rund um die Burgstelle zur archäologischen Schutzzone erklärt würde. Er fürchtet, dass der Hügel durch Holzschlag gefährdet sein könnte. Deshalb hat er auch schon mit dem Forstdienst und mit der Gemeinde Kontakt aufgenommen. Das Gebiet im Hürnwald könnte bei der nächsten Ortsplanungsrevision als Schutzgebiet aufgenommen werden. Bereits hat der Archäologische Dienst Bern die ehemalige Burg ins Inventar aufgenommen, als «Wehranlage».

Berner Zeitung

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