Hier läuft viel für die Flüchtlinge

Bremgarten

Seit im Dorf 100 Flüchtlinge untergebracht sind, übertreffen sich Freiwillige mit Angeboten für sie. «Es ist faszinierend, zu sehen, wie rasch sich die Leute für die Hilfe begeistern», sagt der Freiwilligenkoordinator Andreas Gutweniger.

Der Lauftreff ist beliebt: Flüchtlinge und Freiwillige beim Start auf dem Sportplatz, angeführt von der Bremgartnerin Daria Nauer (Mitte).

Der Lauftreff ist beliebt: Flüchtlinge und Freiwillige beim Start auf dem Sportplatz, angeführt von der Bremgartnerin Daria Nauer (Mitte).

(Bild: Urs Baumann)

Eine Gruppe junger Männer in bunten Sportkleidern steht in Bremgarten auf dem Sportplatz. Bei den Joggern mit fremdlän­dischen Gesichtszügen herrscht ein munteres Sprachengewirr. Es ist der Lauftreff für Flüchtlinge der Asylunterkunft. «Come on, let’s go», ruft die frühere Spitzenläuferin Daria Nauer. Sie und weitere Freiwillige aus Bremgarten führen das Lauftraining durch. Die Läufer setzen sich Richtung Birchiwald in Bewegung.

Noch vor kurzem herrschten in Bremgarten Skepsis und Un­sicherheit. «Wie geht es weiter?», fragte sich Andreas Gutweniger Ende November. Die Behörden hatten eben über die Eröffnung einer Flüchtlingsunterkunft orientiert. Gutweniger hatte im Saal zum einen Skepsis, Ablehnung und Sorge gespürt, aber auch Mitgefühl, Verständnis und Hilfsbereitschaft. «Ich sagte mir: Die Hilfsbereitschaft muss die Oberhand gewinnen. Ich will nicht, dass Ängste unser Dorf beherrschen», beschreibt er seine damalige Haltung.

Website für Hilfsangebote

Also handelte der 43-jährige Informatiker und vierfache Familienvater. Er sprach mit Bekannten, suchte Leute, die sich engagieren wollten. Und er schuf die Internetseite «3047 hilft» mit Informationen und Aufrufen für Freiwillige. «Eine Art Kataly­sator» für Hilfsangebote sei die Website, sagt Gutweniger.

100 Flüchtlinge leben seit einem Monat in der Zivilschutzanlage Bremgarten – Männer aus Eritrea, Afghanistan, Sri Lanka, Syrien, Pakistan. Trotzdem ist es ruhig geblieben im Dorf. Bereits ist Bremgarten als «neues Vorzeigebeispiel» bezeichnet worden – als zweites Riggisberg sozusagen. Der Ausdruck stammt nicht von irgendwem, sondern von An­dreas Flury, dem Freiwilligenkoordinator der Heilsarmee.

Das Lob kommt nicht von ungefähr: In Bremgarten führen Einwohner verschiedenste Aktionen für die Flüchtlinge durch. Und es werden immer mehr. Kleider waren rasch gesammelt und werden jede Woche verteilt. Schon etabliert sind der Lauftreff und das Treffpunkt-Café im Kirchgemeindehaus. Das Café ist zum Begegnungsort von Einheimischen und Flüchtlingen geworden.

Als eine Frau unsichere Flüchtlinge beim Einkauf im Kalch­ackermärit beobachtete, regte sie einen Kurs an. Nun wird den Flüchtlingen vor Ort erklärt, wo sie Artikel finden oder wie sie etwas wägen oder einpacken können. Eine Freiwilligengruppe bietet einen Kochkurs an, in dem mit hiesigen Lebensmitteln preiswert gekocht wird. Seit neustem gibt es das Fitness-Boxen und einen Spiel- und Sportkurs. Bald beginnen ein Spielabend und ein Musik-Workshop.

Über 100 Freiwillige

Seit gestern läuft auch die Ein­teilung für Deutschkurse. «Die Flüchtlinge sind sehr motiviert, Deutsch zu lernen», weiss An­dreas Gutweniger. Unterrichtet werden die Gruppen ebenfalls von Freiwilligen, denn weder der Kanton noch der Bund finanzieren die Lektionen. Vor den Lernwilligen stehen zum Beispiel pensionierte und berufstätige Lehrer oder Ausbildner.

Momentan engagieren sich in Bremgarten über 100 Personen für die Flüchtlinge. «Es ist faszinierend, zu sehen, wie rasch sich die Leute für die Hilfe begeistern», schwärmt Gutweniger. Zum Beispiel diejenigen, welche sportliche Asylsuchende per Auto in die Äussere Enge fahren, wo ihnen ein Raum zur Verfügung steht. Oder die vier Schü­lerinnen, die ihre gebastelten Buchzeichen zugunsten der Flüchtlinge verkauften. Und der Imker, der Interessierten sein Hobby näherbringt.

Andreas Gutweniger ist überzeugt, dass die freiwillige Hilfe in Bremgarten Positives auslöst und die Menschen zusammenbringt. «Ich selbst habe in zwei Monaten mehr Leute kennen gelernt als in den acht Jahren, seit ich hier ­lebe.»

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