Schüpfen

Hier halten Hochbegabte ihr Hirn auf Trab

SchüpfenSie gelten mit einem IQ über 130 als hochbegabt: Sechs Jungs und ein Mädchen erhalten jeden Mittwoch drei Lektionen Spezialunterricht. Es seien keine Einsteins, sagt Lehrerin Monika Müller. Aber sehr motivierte und leistungsfähige Kinder.

Alle mögen es: Das Eisbärenspiel. Lehrerin Monika Müller fordert ihre klugen Sprösslinge mit einem Würfelspiel zu logischem Denken auf.

Alle mögen es: Das Eisbärenspiel. Lehrerin Monika Müller fordert ihre klugen Sprösslinge mit einem Würfelspiel zu logischem Denken auf. Bild: Urs Baumann

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zwei von drei Jungs wollen Profifussballer werden. Der dritte setzt auf Millionär. Die Buben lachen, toben im Klassenzimmer herum, freuen sich auf die grosse Pause. Ganz normale Zehn- und Elfjährige, die in Schüpfen wohnen und zur Schule gehen. Am «westlichen Rand» von Schüpfen, präzisiert Cédric Balli. Der Zehnjährige bereitet gerade ein Interview vor, das er mit Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung führen will. Die Klasse beschäftigt sich derzeit mit dem Thema «Dorf». Die Finessen im Schüpfner Baureglement interessieren Cédric Balli, und er freut sich darauf, sein Wissen in einem Vortrag den Gspändli zu präsentieren.

Keine ganz normale Klasse also. Die sieben Schüpfener Kinder zwischen neun und zwölf Jahren, die jeden Mittwochmorgen bei Monika Müller in den Unterricht gehen, gelten als hochbegabt. Ihr Intelligenzquotient (IQ) liegt über 130. Die Erziehungsberatung des Kantons Bern hat die sechs Knaben und das einzige Mädchen geprüft und ermöglicht ihnen aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Fähigkeiten speziellen Unterricht. Sie werden für diese drei Lektionen vom Regelunterricht dispensiert.

Das Eisbärenspiel

Das Mädchen ist an diesem Morgen krank und überlässt die Denkstube einer «Männerrunde». Einer nach dem anderen trifft pünktlich im Klassenzimmer ein und grüsst Lehrerin Monika Müller höflich, mit Händedruck. Die Gruppe setzt sich um den grossen Tisch. Um die Hirnzellen aufzuwärmen, spielen sie das Eisbärenspiel: Denksport mit vier Würfeln. Die Kinder müssen anhand der gewürfelten Augen die Anzahl Eisbären, Fische und Eislöcher durch logische Schlussfolgerungen definieren können.

Die Kleinen sind blitzschnell und sehr ehrgeizig. Immer wieder fliegt ein ausgestreckter Zeigefinger in die Luft. «Das macht genau den Unterschied», sagt Monika Müller. «Hier sitzen nicht alles Einsteins. Aber Kinder, die sehr motiviert und leistungsfähig sind.» Und eine schnelle Auffassungsgabe haben. Die Arbeit mit den klugen Köpfen bringt so Abwechslung auch in Müllers Alltag: In einer Regelklasse mit 20 Schülern ist die Bandbreite punkto Intelligenz riesig, was das Arbeitstempo und den Aufwand erhöht.

Die Schüler in Müllers Klasse suchen eine spezielle Herausforderung neben dem regulären Unterricht. Sie arbeiten über längere Zeit an selber gewählten oder vorgegebenen Themen, die vom normalen Lehrplan abweichen. Sie vertiefen ihr Wissen, lernen zu recherchieren, reflektieren. Das Produkt intensiver Denkarbeit präsentieren die Hochbegabten dann in ihren Klassen mit Vorträgen. Bis vor den Sommerferien waren spezielle Eigenschaften von Tieren das Thema, nun geht es um die geschichtliche Entwicklung der Gemeinde Schüpfen. Konzentriert durchforsten Fabian Schwab und Pascal Spring das Internet nach Informationen über ihr Dorf. Sie werden später an diesem Morgen noch ausschweifen, um ihre Recherchen zu ergänzen.

Start mit einem Schüler

Die Kinder werden zusätzlich dadurch gefordert, dass sie den verpassten Unterricht in ihren Klassen nachholen müssen. Auch wenn die sechs Jungs an diesem Mittwochmorgen beteuern, dass das für sie «absolut kein Problem» sei. Monika Müller hat beobachtet, dass die Klasse eher an Mathematik oder Physik interessiert ist – Sprachen liegen nicht so im Trend.

In Schüpfen hat die Begabtenförderung mit der Umsetzung des Integrationsartikels vor zwei Jahren angefangen – mit lediglich einem Schüler. Daraufhin haben Lehrpersonen in den Schulen aktiv für das Thema sensibilisiert. Heute gehören zum BMV Seeland Südost (Besondere Massnahmen im Kindergarten und in der Volksschule) sechs Gemeinden, total werden elf Kinder speziell gefördert. Sieben im Dorfschulhaus Schüpfen und zwei weitere Gruppen, darunter auch Oberstufenschüler, an anderen Standorten in der Gemeinde.

Müllers Rudel hat einiges auf dem Kasten – und sicherlich eine grosse Zukunft vor sich. Dennoch findet die Lehrerin nicht, dass ihre Sprösslinge unbedingt eine akademische Laufbahn einschlagen müssen. «Es wollen sicher nicht alle Arzt oder Anwalt werden. Aber die Kopfarbeit wird in ihrem zukünftigen Beruf einen grossen Stellenwert einnehmen.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.09.2011, 09:14 Uhr

Marktplatz

Immobilien

Kommentare

Blogs

Mamablog Die Diktatur der Frühaufsteher

Von Kopf bis Fuss Die Mär von der Low-Carb-Ernährung

Die Welt in Bildern

Unter Pausbacken: Eine Verkäuferin bietet an ihrem Stand im spanischen Sevilla Puppen feil. (13. November 2018)
(Bild: Marcelo del Pozo ) Mehr...