Herr Gfeller, verteilen Sie Maulkörbe?

Worb

Der wiedergewählte Gemeindepräsident Niklaus Gfeller (EVP) fordert von allen Ratsmitgliedern ein Bekenntnis zur Kollegialität. Das sei autoritär, werfen ihm etliche vor. Nein, sagt Gfeller, nur so könne der Gemeinderat seine Rolle wahrnehmen.

«Ich fordere nur etwas, was bei uns verloren gegangen ist», sagt der alte und neue Worber Gemeindepräsident Niklaus Gfeller. Er fordert, dass sich die Gemeinderäte zur Kollegialität bekennen.

«Ich fordere nur etwas, was bei uns verloren gegangen ist», sagt der alte und neue Worber Gemeindepräsident Niklaus Gfeller. Er fordert, dass sich die Gemeinderäte zur Kollegialität bekennen.

(Bild: Andreas Blatter)

Herr Gfeller, Ihre Wahl war alles andere als gewiss. Welche Gefühle kamen bei Ihnen auf, als Sie wussten, dass es geklappt hatte? Niklaus Gfeller: Ich war nicht euphorisch, und mir fiel auch kein Stein vom Herzen. Ich hatte vielmehr Respekt davor, wie es weitergehen soll.

Man hört, in Worb hätten am Wahltag noch viele Leute für Sie gebetet? (Lacht) Das ist etwa so Brauch in unseren Kreisen.

In Ihrer Rede am Sonntag und in Ihrer Medienmitteilung vom Mittwoch haben Sie die Kollegialität beschworen. Sie machen diese quasi zur Bedingung für eine Mitarbeit im Rat. In Worb empfinden dies viele als autoritär. Es wirke wie: «Ich bin gewählt, jetzt bestimme ich, wie es im Gemeinderat laufen soll.» In der ganzen Schweiz gilt in den Exekutiven das Kollegialitätsprinzip. Man kann keine Gemeinde führen, wenn Kollegialität nicht gelebt wird. Das hat mit meiner Person nichts zu tun, ich fordere dies für die Gemeinde. Die Mitglieder des Gemeinderates müssen die Ratsbeschlüsse gegen aussen mittragen.

Sie geben jetzt doch die Direktiven für die Arbeit im Gemeinderat. Die Gewählten müssen spuren, sonst sollen sie aufs Amt verzichten. Ich denke, es ist der Moment, eine gewisse Führung zu übernehmen. Es gehört zu meinem Amt, darzulegen, wie es sein muss. Ich fordere nur etwas, was bei uns verloren gegangen ist. Die Ratsmitglieder müssen bei Sachgeschäften nicht meiner Meinung sein. Doch die Diskussionen sollen im Gemeinderatszimmer geführt werden. Gegen aussen müssen die Ratsmitglieder die Beschlüsse loyal mittragen und sagen, «der Gemeinderat hat beschlossen».

Heizen Sie mit Ihren Aussagen das Klima nicht noch an? Meine Forderung nach Kollegialität darf schon ein Stachel sein, der wehtut. Der Prozess, der jetzt angelaufen ist, muss ernsthaft sein. Man darf nicht leichthin über das, was geschehen ist, hinweggehen. Sonst steht der Start in die neue Legislatur auf wackligen Beinen.

Welche Rolle spielen Sie in diesem Prozess? Ich schliesse mich nicht aus beim Ringen um die Kollegialität. Ich werde Einzelgespräche über die Zusammenarbeit führen. Jedes Ratsmitglied muss sich überlegen, welches seine Aufgabe im Rat ist.

Kommt Ihre Forderung nicht von der Genugtuung her, trotz der Kritik gewählt worden zu sein? Denen, die sich gegen Sie stellten, können Sie es nun heimzahlen? Nein, aber ich habe es echt satt, zu hören, dieser ist schuld und der nicht. Der Gemeinderat funktioniert nicht so. Es ist die Mannschaft, die etwas macht. Es soll so sein, wie der Fussballstar Lionel Messi einmal sagte: «Ich mache Tore, aber ohne meine Mannschaft wäre das nicht möglich.» Ganz am Anfang steht das Bekenntnis des Einzelnen zum Team.

Einige Ihrer Gegner kritisieren, dass Sie Ihnen die Hand nicht ausstrecken. Wer hat wem etwas vorgeworfen? Ich habe nie jemanden angegriffen. Für mich ist die Kollegialität heilig. Die Hand, die ich biete, ist, den Diskurs über die Kollegialität wieder aufzunehmen.

Was sagen Sie in den Einzelgesprächen zu Ihren Kritikern? (Überlegt) Ich gehe ohne Drehbuch in die Gespräche. Ich arbeite noch daran, was ich besprechen will. Es geht keinesfalls um ein Abkanzeln, sondern um das gemeinsame Ringen dafür, wie es im Gemeinderat weitergehen soll.

Wollen Sie den anderen im Voraus einen Maulkorb aufzwingen? Es ist kein Maulkorb. Aber ich finde es richtig, dass die Sitzungen des Gemeinderates nicht öffentlich sind. Im Team, an der Sitzung, soll jeder seine Meinung äussern können. Gegen aussen muss der Gemeinderat aber als Einheit auftreten.

Was ist, wenn die anderen gegenüber Ihrer Art der Führung Forderungen erheben? Nur zu. Ich nehme Kritik entgegen, das tat ich bisher auch schon. Ich kann zwar nicht alles erfüllen, meine Art ist, wie sie ist. Aber am Stil kann man sicher arbeiten.

Melden Sie in Sachen Ressortverteilung Ansprüche an? Ich bin vollamtlicher Gemeindepräsident und bin bereit, ein Departement zu übernehmen, das zeitaufwändig ist.

Kann sich die Situation um den Worber Gemeinderat überhaupt entspannen? Es war ein harter Wahlkampf, jetzt müssen wir uns aber auf unsere Aufgabe besinnen. Es ist nun der Moment, um sich Gedanken zu machen. Wir haben ein paar Wochen Zeit, in denen wir diesen Diskurs führen müssen.

Ist am 1.Januar 2013 wieder Normalität eingekehrt? Ich denke, das braucht mehr Zeit.

Berner Zeitung

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