Bern

Heroin-Patienten sind immer älter

BernBei der Kontrollierten Drogenabgabe (Koda) gibt es immer weniger Austritte – die Patienten werden im Schnitt älter.

2011 wurden 29.6 Kilogramm Heroin an Patienten verabreicht.

2011 wurden 29.6 Kilogramm Heroin an Patienten verabreicht. Bild: Colourbox

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Vor 10 Jahren waren die ältesten Personen im Betreuungsprogramm der Kontrollierten Drogenabgabe (Koda) zwischen 45 und 49 Jahre alt. Heute sind unter den 210 Personen, die Koda täglich im Schnitt unterstützt, bereits drei Personen im Alter von 55 bis 60 Jahren. «Unsere Patienten werden älter», hält Koda im Bericht 2011 fest. Ein 10-Jahres-Vergleich zeigt: Die meisten Betreuten waren 2001 noch in der Altersklasse der 30- bis 34-Jährigen, heute im Bereich zwischen 40 und 44 Jahren.

Weil die Patienten älter werden, braucht es eine andere Behandlung. Durch den langjährigen Drogenkonsum und den entsprechenden Lebensstil sei ein Teil der Patienten ab 40 vorzeitig gealtert und leide an chronischen Erkrankungen und Invalidität, so Koda. Dazu kämen psychosoziale Probleme: fehlende soziale Netze, Einsamkeit und Ausgrenzung. Dass die Patienten älter werden, zeigt sich auch darin, dass 2011 nur 15 Personen austraten – 2008 waren es noch deren 28.

Keine Wartezeiten für die Patienten

Im Schnitt behandelte Koda im letzten Jahr täglich 210 Patienten – etwa gleich viele wie in den letzten Jahren. Der Nachfrage könne so ohne Wartezeit entsprochen werden. Die meisten Neueintritte kommen direkt von der Gasse. Nur zwei davon waren unter 24 Jahre alt, keiner unter 20. 70 Prozent der Betreuten waren Männer. 64 Prozent wohnen in der Stadt Bern, 32 in der Agglomeration und 4 Prozent in einem anderen Kanton als Bern. Jeder 20.Patient ist in stationärer Behandlung, in einem Spital oder Heim, mit dem Koda zusammenarbeitet. Auch dieser Wert stieg in letzter Zeit.

Heroin für 12 Millionen Franken

Die heroingestützte Behandlung der Koda richtet sich an schwerabhängige, langjährige Süchtige, bei denen andere Behandlungsversuche gescheitert sind. 2011 wurden 29,6 Kilo Heroin verabreicht. Dieses kostete 488'000 Franken im Einkauf. Um die gleiche Wirkung zu erzielen, hätten die Patienten für 11,8 Millionen Franken 197 Kilo Heroin auf der Gasse einkaufen müssen. Umgerechnet auf einen Patienten wären das 160 Franken pro Tag gewesen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.04.2012, 08:31 Uhr

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