Wabern

«Heitere Fahne» trotz Kulturpreis in Geldnot

WabernDie Heitere Fahne gewinnt den kantonalen Kulturpreis. Dennoch ist das Kulturhaus klamm. Jetzt fordern die Macher Geld – von der Stadt Bern.

Die «Heitere Fahne» in Wabern erhält den Kulturpreis 2018 (Archivbild/Urs Baumann).

Die «Heitere Fahne» in Wabern erhält den Kulturpreis 2018 (Archivbild/Urs Baumann).

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Freud und Leid liegen nahe am Fusse des Gurtens. Die Dorf­strasse 22 ist eine heitere Adresse. Bunt geschmückt zieht die grosse Terrasse die Blicke auf sich. Auf den ersten Blick ist die Heitere Fahne ein potenzieller Schandfleck für Hüter der Vorstadtsauberkeit.

Doch die Macherinnen und Macher haben in den letzten fünf Jahren, so lange gibt es das Kulturhaus bereits, Akzeptanz erarbeitet. Weil sie ohne viel Auf­hebens gute Arbeit leisten. Die Integration von Menschen mit Behinderung ist vorbildlich. Mit den Nachbarn versteht man sich prächtig, zu beanstanden gibt es selten etwas. Nur hat die Heitere Fahne ein Problem: das Geld. ­Köniz spart. Die viertgrösste Gemeinde des Kantons will den Unterstützungsbeitrag von 15'000 Franken nicht erhöhen. Der Kanton kann nicht: Das Kulturgesetz sieht vor, dass er höchstens den Betrag der Standortgemeinde verdoppeln kann.

Da kommt der mit 30'000 Franken dotierte kantonale Kulturpreis wie gerufen, mit dem die Heitere Fahne dieses Jahr aus­gezeichnet wird. In einer Mit­teilung lobt der Kanton das Haus in Wabern als Ort, «an dem Kultur, Theater und Gastronomie aufeinandertreffen und sich gegenseitig bereichern».

«Starkes Bekenntnis»

Rahel Bucher, eine der Gründerinnen der Heiteren Fahne, freut sich sehr über die Anerkennung durch den Kanton: «Der Preis bedeutet uns sehr viel. Er ist ein starkes Bekenntnis des Kantons Bern zum inklusiven Kulturhaus und hat hoffentlich Signalwirkung.»

Längerfristig löse der Preis die Geldknappheit indes nicht. «Wir arbeiten unter prekären Bedingungen und bezahlen sehr tiefe Löhne», sagt Bucher. Letzte Woche machte die Heitere Fahne deshalb mit einer Kampagne auf sich aufmerksam. Mit Plakaten, mit einer Strassenaktion – und mit einem offenen Brief: In diesem fordert sie Geld von der Stadt Bern. «Eine Kulturstadt, die sich kulturelle Teilhabe und Vielfalt auf die Fahne geschrieben hat, kommt nicht an der Heiteren Fahne vorbei!», heisst es da, und: «Zu unserem 5-Jahr-Jubiläum wünschen wir uns daher, dass 5 Prozent der geplanten Erhöhung der städtischen Kulturgelder von 2,3 Millionen Franken in das inklusive Kulturhaus fliessen.»

Auf den ersten Blick wirkt die Forderung von gut 100'000 Franken an die Stadt wunderlich: Die Heitere Fahne liegt auf Könizer Boden, Bern ist nicht zuständig. Und doch ist sie nicht ganz aus der Luft gegriffen. Tatsächlich will sich Kultur Stadt Bern gemäss eigener Erklärung zur kulturellen Vierjahresplanung für Inklusion und kulturelle Teilhabe einsetzen, die Kernkompetenz der Heiteren Fahne. Zudem: «Viele Kulturschaffende und ein grosser Teil des Publikums kommen aus Bern», sagt Rahel Bucher.

Wieso sollte also Bern nicht mitbezahlen? Ein Treffen des Heitere-Fahne-Teams mit Veronica Schaller war nach kurzer Zeit beendet, weil die städtische Kulturchefin keine Möglichkeit einer Unterstützung, die über die Projektfinanzierung hinausgeht, sah. Bucher fordert aber, «dass Bern die Heitere Fahne in einem grösseren gesellschaftlichen Zusammenhang anschaut» und nach einer kreativen Lösung sucht, das Kulturhaus nachhaltiger zu unterstützen.

«Keine Türe zuschlagen»

Auch wenn die Forderung nachvollziehbar scheint: Die Chancen auf Erfolg sind klein. Letztlich muss Köniz entscheiden, ob es seine Kulturinstitution mit mehr Mitteln unterstützen will. Gemeindepräsidentin Annemarie Berlinger-Staub hält viel von der Heiteren Fahne: «Es steckt viel professionelle Arbeit dahinter. Es ist richtig, dass sie jetzt offensiver agieren.»

Allerdings verweist sie auf die finanziell angespannte Situation von Köniz, die den Handlungsspielraum einschränke. Der Beitrag von derzeit 15 000 Franken werde jährlich neu ausgehandelt. Wie die Gemeinde den Kulturort künftig unterstütze «müssen wir offenlassen», sagt sie. Auf jeden Fall wolle sie «keine Türe zuschlagen».

Die 40'000-Einwohner-Gemeinde gibt im Jahr rund 1,5 Millionen Franken für die Kultur aus, davon fliesst eine Million direkt in die Regionalkonferenz, die sich an der Finanzierung von dreizehn regional bedeutenden Kulturinstitutionen beteiligt. Für die eigenen Institutionen bleibt das Geld knapp. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.06.2018, 10:25 Uhr

Auch Loderer gewinnt

Der mit 10'000 Franken dotierte Berner Kulturvermittlungspreis geht dieses Jahr an Benedikt Loderer. Der Bieler ist seit dreissig Jahren als «Stadtwanderer» unterwegs, als Flaneur, der die räumliche und architektonische Entwicklung der Schweiz kritisch betrachtet. Den Preis gewinne er «für seine messerscharfen Analysen helvetischer Befindlichkeit und sein Engagement für die Förderung der Baukultur», schreibt der Kanton in einer Mitteilung. (fs)

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