Hasenfuss und Superzicke

Das Theater an der Effingerstrasse zeigt die Komödie «Hinter der Fassade».

«Hinter der Fassade» wirkt beinahe brav. Ausgefochten wird ein arg klischierter Geschlechterkampf.

«Hinter der Fassade» wirkt beinahe brav. Ausgefochten wird ein arg klischierter Geschlechterkampf.

(Bild: PD)

Helen Lagger@FuxHelen

Wie sag ich es bloss meiner Frau? Daniel (Ulrich Westermann) schleicht im gutbürgerlichen Wohnzimmer umher, schenkt sich Whiskey ein und druckst herum. Damit macht er seine Frau Isabelle (Elke Hartmann) noch zickiger. 

So präsentiert sich die Ausgangslage im Stück «Hinter der Fassade» von Florian Zeller. Zurzeit wird es im Theater an der Effingerstrasse von Regisseur Stefan Meier als Schweizer Erstaufführung  inszeniert. Das Stück wurde 2016 in Frankreich uraufgeführt. Darauf basierend kam dieses Jahr der Film «Verliebt in meine Frau» mit Gérard Depardieu in die Kinos.

Eine typisch französische Komödie. Doch im Vergleich zu den bitterbösen Texten einer Yasmina Reza («Der Gott des Gemetzels») oder den aberwitzigen Schlagabtauschen von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière («Le prénom») wirkt Zellers Stück beinahe brav. Ausgefochten wird ein arg klischierter Geschlechterkampf.

Der von der Emanzipation gezähmte Mann wagt es nicht, seinen alten Kumpel Patrick (Andreas Krämer) und dessen neue Freundin Emma (Johanna Martin) einzuladen. Schliesslich hat Patrick seine Frau Laurence, die eine enge Freundin von Isabelle ist, für die jüngere Frau verlassen. 

Doch auch für Isabelle gilt es, die Fassade zu wahren. Frau ist schliesslich modern und aufgeschlossen. Das Paar wird deshalb trotzdem eingeladen. Der Clou des Stücks: Die Protagonisten sagen, was sie eigentlich nur denken, ebenfalls laut. Klar, dass dies oft diametral den Worten widerspricht, die sie tatsächlich sagen.

Insbesondere dem hoch neurotischen Daniel entgleiten beim Auftritt der heissen Emma die Gedanken. «Wie sie wohl nackt aussieht?» Er schlittert von einer Panne in die nächste. Isabelle wiederum lobt Emmas Kleid, das sie in Wahrheit billig findet.

Elke Hartmann stellt als aufgekratzte Gastgeberin die anderen etwas eindimensional gestalteten Figuren in den Schatten. So richtig nimmt man den beiden Paaren ihre jeweilige Verbundenheit erst gegen Schluss ab.

Was am Ende Risse bekommt, ist nicht Daniels und Isabelles Ehe, sondern die Männerfreundschaft. Der eine lebt mit seiner neuen, jungen Freundin die klassische Altherrenfantasie, der andere ist scheinbar neidisch. Doch wie heisst es so schön: Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Nächste Vorstellung: 3. Dezember, 20 Uhr, Theater an der Effingerstrasse.

Berner Zeitung

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