Bern

Hansjörg Wyss will Ausbau mit 20 Millionen finanzieren

BernÜberraschende Wende rund um das Kunstmuseum: Der in Bern aufgewachsene Kunstmäzen Hansjörg Wyss ist ­bereit, für einen Erweiterungsbau 20 Millionen zu ­bezahlen.

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Die Geschichte tönt wie ein Märchen, aber sie ist wahr. Das verkorkste Vorhaben des Kunst­museums, einen Erweiterungsbau zu realisieren, erhält eine neue Dynamik. Der Berner Milliardär Hansjörg Wyss hat sich bei dieser Zeitung gemeldet und macht dem Kulturstandort Bern ein spektakuläres Angebot: «Ich bin bereit, der Stadt 20 Millionen Franken zur Verfügung zu stellen, falls das preisgekrönte Projekt aus dem Jahr 2006 wieder zum ­Leben erweckt wird», sagt der 82-Jährige.Wyss meint damit das Projekt «an_gebaut» des Basler Architekten Cédric Bachelard. Dieses sieht den Bau eines grosszügigen Betonkubus an der Rückseite des Kunstmuseums vor. Es hatte im Jahr 2006 den Projektwettbewerb gewonnen.

Doch das Kunstmuseum liess es kurz ­darauf fallen, weil sich der Denkmalpfleger der Stadt Bern quergestellt hatte. Offenbar nachdem er am Tag vor der Jurysitzung dem Gremium noch zugesichert hatte, dass er dem Vorhaben seine Zustimmung geben könne. Wyss ärgerte sich in der Folge über diesen Vorfall und den «mangelnden Enthusiasmus» der Verantwort­lichen beim Kunstmuseum und bei der Stadt.

Das Projekt «an­_gebaut» würde die Ausstellungsfläche markant vergrössern. Eine aktuelle Kostenschätzung für das Projekt liegt nicht vor. Es ist ­jedoch davon auszugehen, dass die 20 Millionen nicht ausreichen werden, um die gesamten Projektkosten zu decken.

Der Überraschungseffekt

Die jetzige Ankündigung ist eine grosse Überraschung. Bislang war man in der Berner Kunst­szene davon ausgegangen, dass bei Wyss der Ärger über das «Trauerspiel rund um die Gegenwartskunst» nach wie vor gross ist. Deshalb hat sich bislang auch niemand aus Bern getraut, nochmals bei ihm anzuklopfen.

Bei Wyss ist eine grosse Begeisterung für das Projekt «an_gebaut» zu spüren: «Wir hätten dieses schon vor über zehn Jahren bauen sollen. Bern hätte ein wegweisendes, tolles ­Museum erhalten. Eine Kombination eines Altbaus und eines modernen Anbaus», betont er. Und den denkmalpflegerischen Bedenken von damals hält er entgegen: «Eine solche Kombination gibt es mittlerweile weltweit bei vielen Museen und historischen Bauten.» Und er beharrt auch nicht auf einer plangenauen Umsetzung des damaligen Entwurfs: «Das Projekt von damals muss überarbeitet und der heutigen Zeit angepasst werden», sagt er.

Der Anruf aus den USA

Wyss ist ein erfolgreicher Unternehmer, der gerne auch unkonventionelle Wege geht. Deshalb hat er sich entschieden, Bern sein Angebot über diese Zeitung zu unterbreiten. Mit den Entscheidungsträgern in Bern hatte er diesbezüglich keinen Kontakt.

Wyss kam von sich aus auf diese Zeitung zu: Nach der Publikation eines Porträts über ihn, das in diesem Sommer im Rahmen der Serie «Mäzene in der Schweiz» erschienen ist, meldete er sich telefonisch. Er bedankte sich von seinem Wohnsitz im ­US-Bundesstaat Wyoming aus für den «netten Artikel». Dann fügte er an, dass er bereit sei, für das Kunstmuseum einen finanziellen Beitrag zu sprechen.

Die offenen Fragen

Mit dem Angebot von Wyss steht das Kunstmuseum vor einer ­völlig neuen Ausgangslage. Jürg Bucher, der Präsident der Dachstiftung Kunstmuseum Bern – Zentrum Paul Klee, und der Stiftungsrat müssen nun die neue Ausgangslage beurteilen.

Ein gewichtiges Wort wird auch der Kanton Bern mitzu­reden haben. Er ist der wichtigste Geldgeber des Museums und durch Hans Ulrich Glarner, den Chef des kantonalen Amts für Kultur, im Stiftungsrat vertreten.

Aber auch die Stadt Bern wird sich positionieren müssen. Der Denkmalpfleger Jean-Daniel Gross wird zu einem allfälligen Projekt eine Empfehlung ­ab­geben. Letztendlich wird Stadtpräsident Alec von Graffenried entscheiden müssen, wie er Einwände des Denkmalpflegers gewichtet.

Gefragt sind nun Macher

Fest steht: Ein solches Angebot wird so schnell nicht wieder kommen. Der Kanton und die Stadt Bern sind beide knapp bei Kasse. Wie schwierig es ist, private ­Gelder aufzutreiben, musste ­Museumspräsident Jürg Bucher in diesem Jahr erfahren, als er versuchte, Geld für eine Renovation zu generieren.

Die zuständigen Exponenten stehen nun vor einer grossen Chance, die zugleich eine enorme Herausforderung ist. Wyss hat beim Aufbau des Medizinaltechnikunternehmens Synthes gezeigt, dass er weiss, wie man Projekte umsetzt. Das beweist er auch bei der Basler Fondation ­Beyeler, die er präsidiert. Dort will er einen zusätzlichen ­Museumsbau realisieren.

In Bern müssen sich die Akteure einer Vorliebe von Hansjörg Wyss bewusst sein: Er arbeitet gerne mit enthusiastischen Leuten zusammen, die Projekte vorantreiben. Macher mit etwas diplomatischem Geschick sind nun gefragt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.10.2017, 22:50 Uhr

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