Hampel-Uhus in den Bäumen sollen die Krähen verscheuchen

Bern

Nun ist die neuste Methode der Stadt Bern gegen die Krähenplage im Nordquartier im Einsatz. Anwohner steuern einen Plastikuhu mit einer Schnur.

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Neuerdings sind im Berner Nordquartier und im Obstberg seltsame Vorgänge zu beobachten. Mit einem langen Holzstock ausgestattete Anwohner patrouillieren durch die Quartiere und schauen in den Himmel. Manuela Bonetti ist eine von ihnen. Bei näherer Betrachtung des Baums vor ihrer Wohnung an der Tellstrasse erschliesst sich der Grund für das ungewöhnliche Verhalten. In drei Metern Höhe baumelt eine Schnur. Genug hoch, dass sie für Lausbubenstreiche ausser Reichweite ist.

Diese Schnur führt hoch in die Baumkrone. Dort oben, in rund zehn Metern Höhe, findet sich die neuste Methode der Stadt Bern im Kampf gegen die Krähenplage im Nordquartier: ein 50 Zentimeter grosser Uhu aus Plastik und mit beweglichen Flügeln. Dieser soll die Saatkrähen vergrämen, unter denen die Anwohner in Berns Norden zu leiden haben. Manuela Bonetti greift sich mit dem Stock die Schnur und zieht daran. Tatsächlich bewegen sich die Flügel des künstlichen Uhus. Krähen sind an diesem Nachmittag weit und breit keine zu sehen.

Bis jetzt funktionierts

Wie diese Zeitung vergangenen November berichtete, ist der Krähenschreck aus Plastik eine von zwei Massnahmen der Stadt Bern, die den Anwohnern im Nordquartier Ruhe vor den Krähen verschaffen soll. Die andere Massnahme ist das Entfernen der Krähennester. In der Tellstrasse und am Muristalden wurden sowohl die Nester entfernt als auch Uhus platziert. An der Ostermundigenstrasse wurde zwar eine Plastikeule installiert, die Nester blieben aber oben. Laut Sabine Tschäppeler, Leiterin der Fachstelle Natur und Ökologie bei Stadtgrün Bern, schaue man nun, ob das Entfernen der Nester notwendig sei.

Der Dreck und der Lärm der Krähen vermiesten den Anwohnern der Tellstrasse regelmässig den Frühling. Nun fungieren etwa zehn Personen als Krähenschrecker. Mit Erfolg, wie Anwohnerin Manuela Bonetti sagt. Seit die Nester entfernen worden seien, seien keine neuen hinzugekommen. Doch bei Krähen handelt es sich um intelligente Tiere. «Ab und zu kommen am Nachmittag Spähtrupps der Krähen. Dann müssen wir handeln», sagt sie. Nachdem die Uhus montiert gewesen seien, seien mit dem Bewegen der Flügel rund 200 Krähen vertrieben worden, die über den Bäumen gekreist seien.

Simulierte Raubtiere

«Die Krähen sollen dann erschreckt werden, wenn sie ihre Nester bauen», sagt Sabine Tschäppeler von Stadtgrün Bern. Weil die Vögel in Siedlungsgebieten keine Raubtiere fürchten müssten, sei dort der Bruterfolg höher, erklärt sie. Mit dem Uhu aus Plastik wolle man den Krähen simulieren, dass auch in der Stadt Raubtiere vorhanden seien. In Süddeutschland wird die Methode bereits angewendet. Dort bestellte Stadtgrün Bern vergangenes Jahr zehn Eulenattrappen.

Im Moment sei der Aufwand, den sie für den Plastikuhu in Kauf nehme, noch vertretbar, sagt Anwohnerin Bonetti. Einmal am Tag ziehe sie an der Schnur. Wie oft sie in den kommenden Wochen täglich intervenieren müsse, wisse sie aber noch nicht. «Es könnte bis zu sechsmal täglich sein, aber wir sind ja mehrere.»

Lieber Uhu als Jäger

Mit dem Ziehen an der Schnur ist es aber nicht getan. Die Stadt hat den Anwohnern eine Betriebsanleitung sowie ein Protokollblatt ausgehändigt. Darin müssen sie täglich notieren, um welche Zeit sie den Plastikuhu betätigt, wie viele Krähen sie gesehen haben und ob beim Kontrollgang etwas Besonderes passiert ist.

Es handle sich um ein Pilotprojekt, das man nicht an allen Orten anwende, sagt Sabine Tschäppeler. Sonst durchschauten die Krähen den Trick. Dauern wird die Aktion mehrere Wochen. Weil die Saatkrähen so hartnäckig seien, müssten die Anwohner eine Möglichkeit haben, selber etwas gegen sie zu unternehmen, sagt sie. Diese Art von Selbsthilfe sei akzeptabel. Nicht akzeptabel ist es für sie, auf die Saatkrähen zu schiessen. Mitte April werden die Protokolle ausgewertet, und es wird gezählt, wie viele Nester neu hinzugekommen sind. «Erst dann wissen wir, ob das Projekt funktioniert hat», sagt Tschäppeler.

Der Plastikuhu sieht nicht nur für Krähen echt aus. Auch Menschen können ihn kaum vom Original unterscheiden. Als Manuela Bonetti sich mit ihrem Holzstock an die Arbeit macht, bleibt ein Passant stehen und sagt etwas, das unmöglich ist: «Diesen Kauz habe ich in der Nacht schon oft rufen gehört.»

Berner Zeitung

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