Hammerschlag verändert Künstlergeschichten

Bern

Tausende Bilder kommen ab Mittwoch beim Berner Auktionshaus Dobiaschofsky unter den Hammer. Was gern vergessen geht: Hinter jedem Bild steckt eine Geschichte.

«Zip-Zap», eine filigrane Collage des Künstlers Pascal Danz: neun kleine Leinwände, symmetrisch arrangiert.<p class='credit'>(Bild: Dobiaschofsky (PD))</p>

«Zip-Zap», eine filigrane Collage des Künstlers Pascal Danz: neun kleine Leinwände, symmetrisch arrangiert.

(Bild: Dobiaschofsky (PD))

Stefanie Christ@steffiinthesky

Es ist einer der letzten Vorbesichtigungstage des Auktionshauses Dobiaschofsky. In den Räumen, die vom Boden bis zur Decke vollgehängt sind mit Bildern, wimmelt es von Besucherinnen und Besuchern. Und immer wieder heisst es: «Wo finde ich die Gemälde von Danz?»

Danz? Gemeint ist der Schweizer Künstler Pascal Danz (1961–2015), und an diesem Novemberabend bekommen seine Arbeiten ähnlich viel Aufmerksamkeit wie diejenigen der beiden Künstler, die Höhepunkte der diesjährigen Herbstauktion geschaffen haben. Albert Anker, von dem je ein wundervolles Mädchen- und Knabenporträt unter den Hammer kommt (Schätzpreis: je 450'000 Franken), sowie Ferdinand Hodler, der den Katalog mit einer Personifikation des Traums bereichert. Der rare Plakatentwurf (Öl auf Leinwand) wird auf einen Wert von 190'000 Franken geschätzt.

«Wenig beachtet»

Die Werke von Danz werden fern dieser Preisliga gehandelt. Die Ölgemälde «Lemon» und «Two lemons» werden auf je 4000 Franken geschätzt, die Gemäldecollage «Zip-Zap» auf 3000 Franken. Das Interesse an Danz entfacht an diesem Abend Kathleen Bühler. Die Leiterin der Gegenwartsabteilung des Kunstmuseums Bern ist auf dem Podium zu Gast. Im Rahmen des «Talk Art», veranstaltet vom Auktionshaus und der Berner Werbeagentur Pink Elefant, spricht sie zusammen mit der Berner Schlangenfrau Nina Burri und der Moderatorin Cordelia Hagi über Künstlerkarrieren. Auf die Frage, welches der bei Dobiaschofsky in der Herbstauktion angebotenen Bilder Bühler gerne mit nach Hause nehmen würde, antwortet sie: «Die beiden Werke von Danz.»

«Pascal Danz gehört zu jenen Künstlern, die zu Lebzeiten zu wenig beachtet wurden.»Kathleen Bühler, Kunstmuseum Bern

Später tummeln sich Interessierte und viele, die den Namen Danz an diesem Abend zum ersten Mal hören, vor den beiden schwarzweissen Zitronenstillleben und der Collage «Zip-Zap», für die Danz neun kleine Leinwände bemalt und symmetrisch auf einer Holzplatte arrangiert hat. Jedes Kleinstgemälde zeigt Materialien, die immer realistisch gemalt, aber nicht immer zu «dekodieren» sind: Mal handelt es sich um das Detail einer Eierverpackung, mal um eine nicht zu identifizierende Metallverstrebung.

«Er gehört zu jenen Künstlern, die zu Lebzeiten leider zu wenig beachtet wurden», sagt Kathleen Bühler über Danz, der spezielle Lichtphänomene malte und oft nach gefundenen Fotovorlagen arbeitete. Naturaufnahmen wollte Danz auch 2015 machen, als er während eines Künstleraufenthalts in Island auf Wanderung ging – und dabei, erst 54-jährig, verunglückte.

Der stille Schaffer

Gelegenheiten, Arbeiten von Danz zu sehen, gab es in den vergangenen Jahren zahlreiche. Er war national und international in Ausstellungen präsent – und natürlich auch in der Region Bern, seiner Heimat. Danz wurde von der Berner Galerie Bernhard Bischoff vertreten, und seine Werke befinden sich in den wichtigsten hiesigen Kunstsammlungen. Doch der grosse Durchbruch blieb ihm verwehrt. «Er war sich konstant am Weiterentwickeln, und wie so oft bei stillen Schaffern denkt man immer, dass man dann noch lange Zeit hat, sich wieder mal mit ihnen zu beschäftigen. Das wurde durch seinen frühen Tod leider tragisch durchkreuzt. Daher hat er nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die er verdient. Das war auch mir eine grosse Lehre, dass man nicht einfach darauf vertrauen darf, Zeit zu haben», so Kathleen Bühler. 2016 richtete das Museum Franz Gertsch in Burgdorf post mortem eine Retrospektive aus.

Von dieser Künstlerkarriere erzählen die Gemälde von Danz. Sie hängen im Auktionshaus zwischen Tausenden anderer Arbeiten – und hinter jedem Bild stecken unzählige weitere Geschichten. Ab Mittwoch wird teils ein kurzer Hammerschlag darüber entscheiden, wie sie weitergehen.

Herbstauktion: 7. bis 10. November, Dobiaschofsky, Bern. Onlinekatalog: www.dobiaschofsky.com

Berner Zeitung

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