Haltestelle Ferenbalm-Gurbrü soll geschlossen werden

Ferrenbalm

Dass die Bahnen behindertengerechte Züge und Perrons bauen müssen, soll nicht der Tod der kleinen Haltestellen sein. Deren Ende beschleunigen kann das Gesetz aber, wie das Beispiel Ferenbalm-Gurbrü zeigt.

Die Haltestelle Ferenbalm-Gurbrü soll geschlossen werden.

Die Haltestelle Ferenbalm-Gurbrü soll geschlossen werden.

(Bild: Hans Ulrich Schaad)

Stephan Künzi

Letzte Woche liess die Regionalkonferenz die Katze aus dem Sack. Machte klar, wie sie die Zukunft des öffentlichen Verkehrs im Raum Ferenbalm-Gurbrü sieht – denn dort soll ab Ende 2016 alles anders werden: Der Kanton hat fest im Sinn, die Bahnstation zu schliessen und einen Bus fahren zu lassen.

Mit Nachdruck setzen sich die Anwohner, die heute von schnellen Verbindungen nach Bern wie Neuenburg profitieren, für den Halt der BLS ein. Daran ändert nun auch die Aussicht auf die vorgeschlagene Postautolinie nichts, die das Gebiet mit einem Rundkurs an den Bahnhof Gümmenen anschliessen will.

Die Betroffenen anerkennen zwar den Willen, Ersatz für das Bahnhöfli zu leisten, wie ihr Sprecher Andreas Boldt betont. Dass sich die Fahrzeit aber spürbar verlängern wird, lässt sich genauso wenig aus der Welt schaffen wie die Angst, dass das neue Angebot mangels Nachfrage schon bald wieder zusammengestrichen werden könnte.

Perron ist zu tief

In einer ersten Phase redeten alle von der fehlenden Minute im künftigen Fahrplan, die die Planer für das Ende des Bahnhalts ins Feld führten. Als es wenig später drei Grossräte genauer wissen wollten, waren die Kosten das gewichtige Argument. Allein die «Anpassung der Bahnstation an die betrieblichen und gesetzlichen Anforderungen» würde mit rund 1 Million Franken zu Buche schlagen, rechnete die Regierung in ihrer Antwort vor.

Dass im Rahmen dieser Bauarbeiten die Behindertentauglichkeit der Haltestelle ein wichtiges Thema wäre, sagt Christian Aebi im kantonalen Amt für öffentlichen Verkehr offen. Er erinnert daran, dass die Bahnen ihre Fahrzeuge und Anlagen bis Ende 2023 behindertentauglich nachgerüstet haben müssen. Und dass diesbezüglich gerade in Ferenbalm-Gurbrü Nachholbedarf besteht: Vom heutigen tiefen Perron aus ist es schlicht nicht möglich, mit einem Rollstuhl problemlos in den Zug zu fahren.

Er wisse, fährt Aebi fort, dass das entsprechende Gesetz konsequent umgesetzt werde. Die Vorgabe gelte damit für jede noch so kleine Haltestelle, dann jedenfalls, wenn auch der Weg dazu für die Behinderten machbar sei. Ein Ausbau in Ferenbalm-Gurbrü wäre so trotz der Frequenz von nur 80 Personen pro Tag unumgänglich gewesen, «und die BLS hätte ihn wohl an die Hand genommen» – wenn nicht ein anderes Projekt das Bahnhöfli infrage stellen würde.

Aebi denkt dabei nicht an den Rosshäuserntunnel, mit dessen Eröffnung Rosshäusern auf Ende 2016 den Halbstundentakt erhalten soll. Mehrfach war die fehlende Minute im Fahrplan mit dieser Absicht begründet worden, doch dem hält Aebi nun entgegen: Das heutige Konzept wäre nach 2016 weiter möglich – mit halbstündlichen Zügen also, die alternierend mal in Rosshäusern, mal in Ferenbalm-Gurbrü halten.

Probleme macht vielmehr ein langfristiges Vorhaben. Bis 2025 möchten die Kantone Bern und Neuenburg nämlich auch den Regioexpress im Halbstundentakt fahren lassen. Damit wird es auf der weitgehend eingleisigen Linie noch enger, besonders heikel wird das Kreuzen, konkret: Weil fortan regelmässig in Gümmenen wie in Kerzers gekreuzt wird, reicht die Zeit dazwischen für den Halt in Ferenbalm-Gürbrü nicht mehr.

Vor diesem Hintergrund sei eine Investition in höhere Perrons sicher nicht sinnvoll, hält Aebi fest. Um gleich zu relativieren, dass der halbstündliche Regioexpress noch gar nicht beschlossen sei. Ohnehin müsste zuvor die Verzweigung Ausserholligen entflochten und im Bahnhof Bern die Perrons verlängert werden. Entscheidend werde weiter sein, ob die Kantone dannzumal das nötige Geld bereitstellten, um das dichtere Angebot zu finanzieren. Wobei: «Das Interesse, den Regioexpress häufiger fahren zu lassen, ist allseits sehr gross. Zu sehr nimmt zurzeit die Nachfrage auf der Linie zu.»

All die offenen Punkte sorgen bei den Anwohnern trotzdem für Stirnrunzeln. Sprecher Boldt formuliert es so: Er werde den Verdacht nicht los, dass das Bahnhöfli Ende 2016 quasi auf Vorrat zugehe. Und kaum wieder aufgemacht würde, sollten sich die Pläne mit dem Regioexpress nicht wie geplant umsetzen lassen.

Ein Bus kostet

Billig wird der Ersatz für den heutigen, vergleichsweise günstigen Bahnhalt nicht. Zwar schlägt die Regionalkonferenz vor, die Postautolinie Laupen–Gümmenen zu verlängern und so Zeiten zu nutzen, in denen die Busse im Moment stehen. Dennoch rechnen die Planer mit zusätzlichen Kosten im tieferen sechsstelligen Bereich.

Berner Zeitung

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