Hahnlosers und ihre Liebe zur Kunst

Das Kunst­museum Bern zeigt mit «Van Gogh bis Cézanne, Bonnard bis Matisse. Die Sammlung Hahnloser» Meisterwerke der französischen Moderne und der Schweizer Avantgarde. Eine Augenweide.

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Helen Lagger@FuxHelen

Eine derbe Schönheit schaut herausfordernd, vielleicht sogar verärgert unter dem violetten Ungetüm eines Hutes hervor. Dabei tritt die Porträtierte in einen erotischen Dialog mit dem Bildbetrachter. Denn die dargestellte Frau ist dabei, sich ihres Oberteils zu entledigen, der übertriebene Hut verweist darauf, dass sie eher eine Prostituierte als eine Dame der guten Gesellschaft ist.Félix Vallottons «Der violette Hut» (1907) ist ein Meisterwerk in jeder Hinsicht. Kühn ist nicht nur das Sujet, sondern auch die Farbigkeit des Bildes, die den Hut auf olivgrünem Grund zur Geltung bringt.

Bern – ein «idealer Ort»

Besagte Dame ist das «Covergirl» des umfangreichen Kataloges, der zur Ausstellung im Kunstmuseum Bern erscheint. Unter dem Titel «Van Gogh bis Cézanne, Bonnard bis Matisse. Die Sammlung Hahnloser» sind Gemälde, Plastiken und Papierarbeiten der französischen Moderne und der Schweizer Avantgarde zu sehen. Die Exponate aus der ehemaligen Sammlung Hahnloser werden durch Leihgaben ergänzt. Über das politische Tamtam rund um die Sammlung Hahnloser, die voraussichtlich in die Villa Flora in Winterthur zurückkehren wird (siehe Box), gabs an der Pressekonferenz nicht viel zu hören. Beat Denzler von der Hahnloser/Jaeggli-Stiftung betonte lediglich, dass Bern keine «zufällige Bleibe» für die Werke sei, sondern ein «idealer Ort».

Tatsächlich ist die Winterthurer Sammlerfamilie eng mit Bern verbunden. Hans Robert Hahnloser (1899–1974) hatte während der konservativen Zeit der Geistigen Landesverteidigung aktiv für die Avantgarde geworben. Als Professor für Kunstgeschichte an der Universität Bern liess er regelmässig Werke nach Bern kommen und nahm so aktiv Einfluss auf die Sammlungspolitik des Kunstmuseums.

Villa als Gesamtkunstwerk

Den Grundstein der Sammlung hatten seine Eltern gelegt: Das Winterthurer Ehepaar Arthur und Hedy Hahnloser förderte und sammelte von 1907 bis in die Dreissigerjahre namhafte Künstler des Nachimpressionismus. Sie pflegten enge Freundschaften mit Künstlern wie Vallotton, Matisse oder Bonnard und kauften meist direkt aus den Ateliers ihrer Zeitgenossen. Ihren Wohnsitz, die Villa Flora in Winterthur, verstanden die Hahnlosers als Gesamtkunstwerk. 1980 gründeten die Nachkommen die rund dreihundert Werke umfassende Stiftung Hahnloser/Jaeggli, die einen Grossteil der Sammlung übernahm.

Im Kunstmuseum Bern ist jetzt ein ganzer Saal der Villa Flora ­gewidmet. Auf prunkvoller, der Villa nachempfundener Tapete hängen Familienbilder. Es sind Porträts von Vallotton, der den Augenarzt Arthur Hahnloser, seine Frau Hedy und die Kinder auf Leinwand bannte.

«Nichts als Hodlerbäumchen»

Kurator Matthias Frehner – selbst aus Winterthur stammend und Symbolismus-Kenner – will mit der umfangreichen Schau «die kunsthistorische und kulturpolitische Bedeutung der Sammlung sichtbar machen». Die Familie habe nicht einfach aus Prestige gesammelt, sondern sich mit der Kunst identifiziert. «Sie wollten die Welt mit den Augen der Künstler sehen.» So notierte etwa Hedy Hahnloser 1940: «Während der Fahrt dem Léman entlang sahen wir nichts als ­Hodlerbäumchen stehen.» Die Sammlerin spielte damit auf das Gemälde «Der Kirschbaum» von 1906 an, ein Werk des Jugendstils, das zu den früh erworbenen Werken der Sammlung gehört.

Eine wahre Augenweide sind auch die Werke des französischen Postimpressionisten Pierre Bonnard. Er war eng mit der Familie verbunden und malte die Hahnlosers etwa bei einer «Promenade en mer» (1922). Eine besondere Ehre, da Bonnard Porträts oder spezifischen Sujets in der Regel ablehnend gegenüberstand.

Ausstellung: bis zum 11. März im Kunstmuseum Bern.

Berner Zeitung

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