Gurlitt-Erbe: Antwort im November

Bern

Das Kunstmuseum Bern entscheidet nächsten Monat über die Annahme des Gurlitt-Erbes. Die Folgen eines Ja sind nach wie vor nicht abzuschätzen.

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Das Kunstmuseum Bern gab am Mittwoch bekannt: Am 26.November wird der Stiftungsrat beschliessen, ob die Institution das millionenschwere Erbe des deutschen Kunstsammlers Cornelius Gurlitt antritt oder nicht. Das Museum hat seit der Eröffnung des Testaments sechs Monate Zeit, um über die Annahme zu entscheiden. Dafür zog es juristische Berater bei.

Das Geschenk ist auch eine Bürde: Die Betreuung einer Sammlung ist immer kostenintensiv. Im Fall der Gurlitt-Sammlung kommt erschwerend hinzu, dass aufwendige Herkunftsforschung betrieben werden muss.

Zur Erinnerung: 2012 stiessen die Behörden in der Münchner Wohnung Cornelius Gurlitts auf eine umfangreiche Sammlung, die Werke von Kirchner, Chagall oder Monet umfasst. Gurlitt, der Sohn von Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, stand daraufhin monatelang im Zentrum einer hitzigen Debatte um Naziraubkunst. Eine Taskforce ist seither damit beschäftigt, die Sammlung zu inventarisieren und Herkunftsforschung zu betreiben. Bei einigen Bildern, unter anderem Matisse’ «Sitzender Frau», hat sich der Verdachtsfall bereits bestätigt. Die deutsche Taskforce würde ihre Arbeit auch fortsetzen, wenn die Sammlung nach Bern käme.

Öffentliche Kosten?

Nachdem Gurlitt am 6.Mai dieses Jahres gestorben war, wurde bekannt, dass er das Kunstmuseum Bern als Alleinerben eingesetzt hatte. Das Erbe umfasst neben der Kunstsammlung auch Geld und Immobilien. Warum er sich für Bern entschied, ist bis heute unklar. Womöglich, weil sich das Kunstmuseum Bern international einen Namen gemacht hat für die sorgfältige Aufarbeitung von Herkunftsfragen.

Ob sich die öffentliche Hand dereinst an den Kosten beteiligen müsste, ich noch nicht klar. Der Grosse Rat hat die entsprechende Tür vorläufig offengelassen.

Berner Zeitung

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