Münchenwiler

«Grösser ist nicht immer besser»

MünchenwilerDie Nachbarexklave Clavaleyres wird mit dem freiburgischen Murten fusionieren. In Münchenwiler sieht Gemeindepräsidentin Priska Marti keinen Bedarf, sich mit einer anderen Gemeinde zusammenzuschliessen.

Priska Marti präsidiert den Gemeinderat im fünften Jahr. Sie sieht nicht ein, weshalb die Gemeinde ihre Selbstständigkeit aufgeben sollte.

Priska Marti präsidiert den Gemeinderat im fünften Jahr. Sie sieht nicht ein, weshalb die Gemeinde ihre Selbstständigkeit aufgeben sollte. Bild: Stefan Anderegg

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Bald ist Münchenwiler die einzige Berner Exklave im Kanton Freiburg. Das rund zwei Kilometer weit entfernte Clavaleyres wird mit dem freiburgischen Murten fusionieren, als Spezialfall, wie die Berner Kantonsregierung betont.

Das kleine Clavaleyres mit seinen 50 Einwohnern sah sich zu diesem überkantonalen Zusammenschluss gezwungen, weil Fusionsversuche mit der Nachbarexklave Münchenwiler zweimal gescheitert waren, 2008 und 2014. Die Gemeindeversammlung sagte klar Nein zu dieser Verbindung. Da klopfte Clavaleyres bei Murten an und rannte damit offene Türen ein.

Die Ironie der Geschichte: Im Jahr 2000 war eine Fusion mit Murten in Münchenwiler ebenfalls ein Thema. Über vage Gespräche hinausgekommen ist das Unterfangen aber nie. Und jetzt? Setzt Münchenwiler auf Selbstständigkeit oder hält Ausschau nach einem Fusionspartner?

Enger Kontakt mit Murten

«Grösser ist nicht immer besser», sagt die parteilose Gemeinde­präsidentin Priska Marti. Bern sei weit weg, man spüre keinen Druck, sich mit einer anderen Gemeinde zusammenzuschliessen. Geeignete Berner Gemeinden sind zu weit entfernt. Man mache deshalb so weiter wie bis anhin und halte die Augen offen.

«Vielen Alteingesessenen ist unsere Selbstständigkeit ein grosses Anliegen», betont Marti. Und falls sich das ändern sollte, wäre es für Münchenwiler am naheliegendsten, sich an Murten zu wenden. «Das wäre sinnvoller als an eine bernische Gemeinde, die weit weg ist.»

«Vielen Alt- eingesessenen ist unsere Selbst­ständigkeit ein grosses Anliegen.»Priska Marti, Gemeindepräsidentin

Der Kontakt mit Murten sei seit Jahren eng, wie Clavaleyres arbeitet auch Münchenwiler mit der Gemeinde am See in etlichen Bereichen zusammen: mit der Schule, der Feuerwehr und der ARA. In den beiden letzten Bereichen stehen nun grosse Investitionen an, die auch München­wiler mittragen muss.

«Aber das schaffen wir, unsere finanzielle Lage ist gut, mit einer Steueranlage von 1,50 Einheiten liegen wir tief, zu einer Fusion besteht kein Zwang», sagt die 45-Jährige, die den Gemeinderat im fünften Jahr präsidiert. Hauptberuflich arbeitet sie im Stahlbau, wo sie Kons­truktions- und Projektpläne erstellt.

Mehr Steuerzahler

Das Restaurant Bären ist seit Jahren geschlossen, die Käserei und der Dorfladen ebenfalls. Ein Schlafdorf ist Münchenwiler trotzdem nicht. Es gibt zwei Landmaschinengeschäfte, eine Holzbaufirma, einen Gärtnereibetrieb, ein Schlosshotel und ein Brockenhaus.

Trotz moderater Bautätigkeit hat die Bevölkerung in den letzten zehn Jahren um rund 100 Personen zugenommen und sich bei 500 eingependelt. Es werden noch ein paar mehr. «Im Bodenmünziquartier sind noch ein paar Häuser im Bau», sagt Marti, die sich über zusätzliche Steuerzahler freut.

Volles Schulhaus

Die Schule Münchenwiler führt zwei Mehrklassengruppen mit über 40 Kindern, so vielen wie noch nie. Die Zunahme ist auf die Neuzuzüger zurückzuführen. «Das Schulhaus ist voll, es hat keinen Platz für eine zusätzliche Klasse», erklärt Marti. Im Notfall müsste eine kreative Lösung gesucht werden, eventuell mit Murten. Dort gehen bereits heute die Münchenwiler Kinder ab der siebten Klasse zu Schule. Aber man will abwarten, denn: «Schülerzahlen können sich bekanntlich schnell ändern.»

Murten, immer wieder Murten, obschon eine Fusion «kein Thema» ist? «Das ist es wirklich nicht. Wir werden im Moment nur ständig darauf angesprochen, weil Clavaleyres über die Kantonsgrenze fusioniert», sagt Priska Marti. Geografisch gehöre ihre Gemeinde schon heute zur Region Murten, man wolle aber bis auf weiteres selbstständig bleiben.

Erst recht, weil bis jetzt immer genug Gemeinderäte und Kommissionsmitglieder gefunden würden. «Wir haben zwar keine Warteliste für solche Posten, aber es kommt immer wieder vor, dass sich jemand freiwillig meldet.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 27.06.2017, 09:56 Uhr

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