Graffitikünstler dürfen legal sprayen

Bern

Graffitikunst statt Schmiererei. Die Stadt Bern stellt mobile Wände für junge Sprayerinnen und Sprayer und ihre Graffiti auf. Beim Jugendzentrum New Graffiti in der Nähe des Wylerbads hat sie 20 mobile Stellwände errichtet.

Schon 2008 wurde eine Motion eingereicht, die in Bern Orte für legale Graffiti verlangte.

Schon 2008 wurde eine Motion eingereicht, die in Bern Orte für legale Graffiti verlangte.

(Bild: Christian Pfander)

Ralph Heiniger

Musik hören, sich mit Freunden treffen und – ganz legal – sprayen. Dies können die Berner Jugendlichen nun im Jugendtreff New Graffitti an der Scheibenstrasse 64 beim Wylerbad. Der Name des Jugendtreffs ist Programm: An einer Medienkonferenz wurden gestern 20 Stellwände präsentiert, an denen sich junge Sprayerinnen und Sprayer legal austoben können.

Dieses neue Angebot geht auf eine Jugendmotion zurück, die bereits 2008 eingereicht wurde. Die Motion forderte legale Graffitiwände, auf denen sich Jugendliche künstlerisch und kreativ austoben können. Eine einfache Forderung, könnte man meinen. Die Umsetzung hat so lange gedauert, weil die Suche nach geeigneten Wänden sehr schwierig war. «Wir haben auch bei vielen Privaten angefragt, die ein Haus umbauen oder einreissen», sagt Jürg Haeberli, Leiter des Jugendamts. Doch die Anfragen waren erfolglos. «Die meisten haben wohl befürchtet, dass sie die Sprayer nicht mehr loswerden», vermutet Haeberli.

Die mobilen Stellwände seien die beste Lösung, findet er. Neben den Wänden beim Wylerbad sollen in den nächsten Monaten weitere fix eingerichtete Stellwände beim Skaterpark an der Murtenstrasse dazukommen. Vorübergehend darf auch beim Gaskessel und im Rahmen der Veranstaltung «Youth Culture Factory» an drei Standorten in Bern-West gesprayt werden. Haeberli hofft natürlich, dass die lästigen Schmierereien dank den Stellwänden abnehmen. «Gerade mit unseren Workshops, die wir für Sprayer anbieten, können wir bestimmt etwas erreichen.»

Zwei Infoanlässe für Junge

Mit zwei Infoanlässen will die Stadt die Wände einweihen. Am kommenden Samstag ab 13 Uhr können Jugendliche ab 13 Jahren die Stellwände beim Gaskessel ausprobieren. Am 16.Juni ab 14 Uhr werden sie in Bern-West vorgestellt. Bei den Anlässen werden die Jugendlichen von erfahrenen Sprayerinnen und Sprayern unterstützt und beraten.

Sind legale Graffiti nicht ein Widerspruch? Gehört der Reiz des Illegalen nicht dazu? «Wer einen Adrenalinkick sucht, der soll etwas anderes machen als Graffiti», sagt Sebastian Lüdi (22), Sprayer und Student der Schule für Gestaltung.

Seit die Motion eingereicht wurde, engagierte er sich für einen legalen Ort zum Sprayen. Die Standorte, die nun gefunden wurden, seien ideal. «Hinter einem Graffiti stecken mehrere Stunden Arbeit. Vor dem Jugendtreff oder auf dem Skaterpark kann man sich inspirieren lassen und etwas Schönes gestalten.»

Berner Zeitung

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