Gouverneur besucht US-Botschafter in Bern

Bern

Gouverneur Nathan Deal und US-Botschafter Donald Beyer sind politische Gegner. Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten, wie eine Soiree in Bern zeigt.

Nathan Deal auf der Terrasse der Residenz des US-Botschafters in Bern: Der 69-Jährige ist der 82.Gouverneur des US-Bundesstaates Georgia und in der Schweiz auf einer Wirtschaftsmission unterwegs.

Nathan Deal auf der Terrasse der Residenz des US-Botschafters in Bern: Der 69-Jährige ist der 82.Gouverneur des US-Bundesstaates Georgia und in der Schweiz auf einer Wirtschaftsmission unterwegs.

(Bild: Christian Pfander)

Jon Mettler@jonmettler

Der Gouverneur sitzt auf der Terrasse der Residenz des US-Botschafters in Bern. Im Hintergrund weht die amerikanische Fahne im Garten auf halbmast, in Gedenken an den Amoklauf in Colorado. Nathan Deal nimmt sich 15 Minuten Zeit, um Fragen zu beantworten. US-Botschafter Donald Beyer stellt den Gouverneur vor und sagt augenzwinkernd: «Wenn Sie ihn falsch zitieren, dann machen Sie das richtig.» Ein kleiner Scherz unter politischen Gegnern.

Deal ist Republikaner und seit 2011 das gewählte Oberhaupt des US-Bundesstaates Georgia. Als Senator kämpfte der 69-Jährige zuvor in Washington gegen die Gesundheitsreform von US-Präsident Barack Obama. Und nun hält am Dienstagabend ausgerechnet ein Demokrat und enger Bekannter von Obama zu Deals Ehren ein Abendessen. Eingeladen sind neben einer Delegation aus Georgia auch Schweizer Unternehmer (siehe Kasten).

Haben Sie mit Botschafter Beyer über die Präsidentschaftswahlen gesprochen, Herr Gouverneur? Deal sagt laut lachend: «So weit sind wir noch nicht gekommen.» Er sei aber schon einmal in der Schweiz gewesen und damals von Botschafter Mercer Reynolds empfangen worden. «Das war ein Republikaner», fügt er an.

Worüber haben Sie dann geredet? Der Amoklauf in Aurora sei ein Thema gewesen. «Es ist eine schreckliche Tragödie. Es ist eines jener Ereignisse, bei denen man sich fragt, was der Grund ist. Offenbar hatte der Täter ein psychisches Problem», sagt Deal mit langgezogenen Vokalen, dem typischen Merkmal des Südstaaten-Englisch. Könnte nicht auch der einfache Zugang zu Waffen in den USA eine Rolle gespielt haben? «Die Demokraten werden sicher versuchen, dies zum Wahlkampfthema zu machen. Ich glaube aber nicht, dass es zu wichtigen Gesetzesänderungen kommen wird.»

Warum will Georgia einen geistig behinderten Mörder hinrichten, obwohl dies gegen das Gesetz verstösst? «Die zuständige staatliche Behörde von Georgia hat ein Gnadengesuch abgelehnt. Im Gegensatz zu anderen Bundesstaaten kann in Georgia der Gouverneur keine Begnadigungen aussprechen.»

Trotz der politischen Unterschiede macht Beyer während der offiziellen Begrüssung klar, dass es Gemeinsamkeiten zwischen dem Gouverneur und dem Botschafter gibt: Beide stammen aus einem Südstaat und beide arbeiten im öffentlichen Dienst. Beyer war vor seiner Tätigkeit als Botschafter Vizegouverneur des US-Bundesstaates Virginia.

Deal nimmt die Vorlage auf und reagiert mit einer Anspielung auf den Sezessionskrieg von 1861 bis 1865: «Virginia und Georgia waren beide auf der richtigen Seite, als es zur Aggression aus dem Norden kam.» Beide Südstaaten waren damals aus den Vereinigten Staaten ausgetreten und bekämpften aufseiten der Konföderierten Staaten den Norden der USA. Die Niederlage der Konföderierten ist im Süden noch immer nicht ganz überwunden – und sie schweisst immer noch über die Parteigrenzen hinaus zusammen.

Berner Zeitung

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