Gott Murugan zieht durch Holligen

Holligen

Zwölf Tage lang feierte die hinduistische Gemeinde beim Güterbahnhof ihr Tempelfest. Dazu gehörte am Samstag eine farbenfrohe Prozession mit Gott Murugan. Doch auch während des restlichen Jahres geht es im Hindutempel bunt zu und her.

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Es ist eine spezielle Prozession, die sich am Samstag Punkt 12 Uhr zwischen dem Güterbahnhof und der Kehrichtverbrennungsanlage auf den Weg macht. Begleitet von tanzenden Männern und Frauen in Saris verlässt Gott Murugan seine Heimstätte im «Sri Kalyana Subramaniar»-Tempel. Auf einem Wagen mit grossen Holzrädern wird er als Statue durch die Strassen gezogen. So will es der Brauch, und so wird es gemacht – ob in Sri Lanka oder in der Schweiz. Der Zug durchs Holligenquartier ist Teil des zwölftägigen Tempelfestes.

Die meisten der über 1000 Besucherinnen und Besucher haben ihre Wurzeln in Sri Lanka. Eine davon ist Suvendran Sugurthiny. Sie arbeitet in einem Altersheim und engagiert sich nebenbei in der Gemeinde. Wie die meisten tamilischen Immigranten ist sie in den 1980er-Jahren vor dem Krieg geflüchtet. Mittlerweile wurde sie in der Schweiz eingebürgert.

Aus beiden Kulturen das Gute

Sie nehme aus beiden Kulturen das Gute und lasse den Rest weg, sagt sie. Andere Festbesucher wie Melina Manicavasakar und Nivetha Iyampillai kennen Sri Lanka nur von den Ferien und Erzählungen der Verwandten: Die beiden 19-Jährigen sind in Bern aufgewachsen und machen gerade die Matura. Die Religion hat auch in ihrem Leben einen hohen Stellenwert. «Das Tempelfest ist ein lang ersehnter Anlass für uns», erklärt Melina. Das in einen bunten Sari gehüllte Mädchen sagt es in breitem Berndeutsch. Auch die junge Generation bewegt sich mühelos zwischen den Kulturen.

Wer dem Umzug beiwohnt, wähnt sich auf einer Reise durch den fernen Osten. Viele Opfergaben und Verzierungen wie Pfauenfedern wurden aus Indien importiert, Kokosnüsse werden am Boden zerschlagen, der Tempelboden ist mit Blütenblättern bedeckt und hinter Gott Murugan rollt sich ein Mann auf dem Asphalt dem Umzug hinterher, «um für etwas zu beten oder zu danken», wie Sugurthiny erklärt. Nur die Türme der Kehrichtverbrennungsanlage im Hintergrund erinnern daran, dass diese Prozession nicht in Sri Lanka stattfindet, sondern in der Schweiz, die ob diesen Farben, Kleidern und der Geräuschkulisse etwas fade erscheint. Die Gemeinde stört sich nicht an ihrem Standort. «Wir machen ja auch viel Lärm», sagt Sugurthiny mit einem Lächeln. Dreimal pro Woche feiern die Hindus im Tempel. Umgeben von Wohnhäusern wäre das nicht möglich. Alltägliche Sorgen

Miete, Nebenkosten und immer wieder neue Räumlichkeiten – trotz der üppigen Feierlichkeiten plagen die hinduistische Gemeinde auch ganz profane Sorgen. Der Tempel musste in den letzten Jahren mehrmals umziehen. Deshalb will der Trägerverein nun Land kaufen und selbst ein Gebäude errichten, in dem er sich fest einrichten kann. Auch der Abschied von der Bahnstrasse ist absehbar: Letztes Jahr wurde der Mietvertrag zwar verlängert, doch 2014 wird die Gemeinde vermutlich ausziehen. «Bis dahin haben wir hoffentlich etwas gefunden», sagt der Präsident des Trägervereins, Veerakatty Gunarutram. Das beeindruckende Tempelfest dürfe die Götter dafür milde gestimmt haben.

Berner Zeitung

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