Goldkäfer haben altes Holz zum Fressen gern

Bangerten

Bedrohte Käfer überleben in alten Apfelbäumen. Ein Förderprogramm vermarktet den Süssmost aus diesem Obst und soll in Bangerten die Bauern motivieren, die alten Gewächse zu erhalten.

Wertvolle Natur: Biologin Lea Kamber setzt sich für alte Apfelbäume ein. Sie hat ein Artenschutzprojektinitiiert, das den Erhalt solcher Bäume fördert.

Wertvolle Natur: Biologin Lea Kamber setzt sich für alte Apfelbäume ein. Sie hat ein Artenschutzprojektinitiiert, das den Erhalt solcher Bäume fördert.

(Bild: Urs Baumann)

Peter Steiger

Es ist ein Interessenkonflikt. Auf der einen Seite krabbeln die seltenen Käfer. Sie mögen alte Apfelbäume. Auf der anderen Seite stehen die Obstbauern. Sie bevorzugen junge Apfelbäume, weil diese mehr Früchte tragen. Die Tierchen sind nicht nur selten, sie haben auch schöne Namen, Marmorierter Goldkäfer etwa oder Kirschprachtkäfer. Wie es sich für Edelkäfer gehört, haben sie einen exquisiten Geschmack. Sie verspeisen gerne altes Holz und sind damit, schickes Fremdwort, xylobiont.

Weil sie Sonne und Wärme bevorzugen, können die raren Insekten nicht in den Wald ausweichen, sondern sind auf alte Obstgärten angewiesen. Dieses Holz haben nicht nur die seltenen Käfer zum Fressen gern. In den absterbenden Ästen und Hohlräumen leben auch Spechte, Steinkäuze, Wiedehopfe, Siebenschläfer und Fledermäuse.

Junge Bäume sind ergiebiger

Die ausgefallenen Essgewohnheiten schaden weder den Bäumen noch den Früchten. Sie bewirken aber, dass Gold-, Kirschpracht- und andere Käfer vom Aussterben bedroht sind. Weil die Bauern auf den Ertrag schauen müssen, ersetzen sie die alten hochstämmigen Bäume durch neue Gewächse.

Zum Glück für die Käfer setzen sich Menschen und Institutionen für sie ein: die Sophie-und-Karl-Binding-Stiftung und der Fonds Landschaft Schweiz. Initiiert durch die Biologin Lea Kamber, unterstützen die beiden Institutionen ein Artenschutzprojekt an Kambers Wohnort Bangerten. «In unserer ländlichen Gemeinde nördlich von Münchenbuchsee stehen noch etwa 50 Obstbäume, die im Schnitt über 100 Jahre alt sind», sagt sie.

Wenn die Bauern die alten Bäume erhalten, können sie höhere Direktzahlungen beanspruchen. Die Stiftung und der Fonds unterstützen die Vermarktung des von der Mosterei Pärli in Schüpfen hergestellten Süssmosts: Der Apfelsaft darf sich mit dem Prädikat «Artenvielfalt in Obstgärten» schmücken.

Most mit Mehrwert

Label hin oder her: Der Most aus diesen Früchten mundet nicht besser. Allerdings schmeckt er auch nicht schlechter. Warum also nicht die Artenvielfalt durch Most mit Mehrwert fördern? Zum Beispiel im Restaurant. Lea Kamber konnte acht Gaststätten motivieren, diesen Saft ins Angebot zu nehmen.

Nun ist Süssmost für die meisten Restaurantgäste nicht das Getränk der ersten Wahl. Um den Absatz weiter anzukurbeln, nimmt Lea Kamber deshalb auch Bestellungen von Privaten entgegen.

Restaurants Bern: Du Nord, La Cultina, Brasserie Eiger, L’esprit nouveau. Köniz: Le Beizli, Zum Schloss. Zollikofen: Im Quadrat. Bangerten: Löwen. Privatbezüge: 031 7410253, info@coleoptera.ch, ein Liter Most kostet Fr.2.10.

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Berner Zeitung

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