Gmür gibt auf: Spitex-Präsidentin tritt zurück

Rahel Gmür tritt nicht mehr zur Wahl als Verwaltungsratspräsidentin der Spitex Bern an. Sie ist gesundheitlich angeschlagen und braucht eine Auszeit. Zuletzt wurde sie stark kritisiert.

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Die Nachricht ereilte die Angestellten der Spitex Bern am Freitagnachmittag und die Medien am Abend: Der Verwaltungsrat teilte mit, dass Präsidentin Rahel Gmür aus gesundheitlichen Gründen eine Auszeit brauche. Bei der nächsten ordentlichen Generalversammlung am 5. Juni werde sie nicht mehr zur Wahl antreten. Sie steht vor der baldigen Pensionierung.

Seit zehn Tagen muss sich Gmür zusammen mit dem Verwaltungsrat mit heftiger Kritik auseinandersetzen. Das Gremium geriet wegen hoher Entschädigungen in die Schlagzeilen. Zu reden gab ausserdem, dass Gmür als Verwaltungsratspräsident fest bei der Spitex angestellt ist: Sie verdient pro Jahr rund 180'000 Franken.

«Die Anschuldigungen in den Medien und die Sorge um die Spitex Bern» hätten Gmür «schwer erschüttert», heisst es weiter. Der Verwaltungsrat bedauere diese Entwicklung. Er danke ihr für die wertvollen Dienste, die sie über viele Jahre für die Spitex Bern und die Branche geleistet habe. Er wünscht «rasche Genesung».

Nähere Auskünfte waren am Freitagabend nicht zu erhalten. Die offizielle Auskunftsperson, die interimistische Geschäftsführerin Christine Schneider, war für diese Zeitung nicht zu sprechen. Auch Gmür war nicht zu sprechen.

So bleibt unklar, auf welches Datum hin der Rücktritt erfolgt und ob davon auch ihre Anstellung betroffen ist. Ebenso offen bleibt, ob sie ihre zahlreichen weiteren Posten bei anderen Institutionen behält.

Kritik vom Geschäftsführer

Am Anfang der Spitex-Affäre stand die Entlassung des Geschäftsführers Daniel Piccolruaz. Er hatte dem Verwaltungsrat die hohen Entschädigungen und lockeres Ausgabeverhalten vorgeworfen.

Er vermutet, dass diese Kritik zu seiner Freistellung geführt hat. Da Piccolruaz Unterstützung von fünf Betriebsleiterinnen erhalten hatte, die auch Mitglieder der Geschäftsleitung sind, entbrannte in der Spitex ein Machtkampf. Dieser gipfelte darin, dass der Verwaltungsrat dem Geschäftsführer und den Leiterinnen ein «Komplott» vorwarf. Sie hätten die Destabilisierung der Spitex geplant.

Gegenüber Piccolruaz drohte der Verwaltungsrat mit einer Strafanzeige und Schadenersatzforderungen. Die Betriebsleiterinnen bezeichneten die Vorwürfe allerdings als «absurd». Auch Piccolruaz distanzierte sich klar von einem Komplott. «Was sollte es für ein Ziel haben?»

Die Zustände riefen auch den Kanton auf den Plan. Er startet eine Untersuchung von Strukturen, Finanzen und Entschädigungen bei mehreren Spitex-Betrieben. Vor allem aber bei der Spitex Bern.

Berner Zeitung

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