Ghüderhaufen im neuen Paradies

Rubigen

Vor fünf Jahren hat der Kanton den Aarelauf bei Rubigen exemplarisch renaturiert. Die Kehrseite der Medaille: Die vielen Erholungssuchenden lassen tonnenweise Abfall in der Hunzigenau liegen.

Erholung vor der Haustür: Die Rubigerin Beatrice Marti geniesst mit ihren Kindern Noël und Chiara den sonnigen Tag an der Aare.

Erholung vor der Haustür: Die Rubigerin Beatrice Marti geniesst mit ihren Kindern Noël und Chiara den sonnigen Tag an der Aare.

(Bild: Nadia Schweizer)

Der Fluss und die Wälder erinnern an paradiesische Bilder aus Kanada. Einzig der Autobahnlärm erinnert daran, dass man sich mitten in der Agglomeration von Bern befindet. Am Morgen sind die Wolken noch düster über dem Aaretal gehangen, doch jetzt wärmt die Sonne die Luft auf. Auf der Aare treiben die ersten Gummiboote vorbei, an Bord sind Familien, verliebte Pärchen oder Gruppen Jugendlicher mit Bierflaschen.

Der Abend vorher war kühl und lud nicht dazu ein, draussen zu sitzen. Darum liegt an diesem frühen Nachmittag in der Hunzigenau bei Rubigen kaum Abfall um die zahlreichen Feuerstellen, die sich auf Kiesbänken und kleinen Lichtungen verteilen. Doch nach lauen Sommernächten präsentiert sich das Ausflugsgebiet anders. Dann liegen leere Flaschen, Büchsen und andere Abfälle überall herum. «Der Abfall ist zu einem Problem geworden», erklärt der Rubiger Gemeindepräsident Renato Krähenbühl (BDP).

150 Lastwagen voll Abfall

Auch andere Nutzer der Hunzigenau stören sich am unschönen Bild, welches das Naturschutzgebiet an manchen Montagmorgen bietet. «Der Abfall stört schon sehr», betont die Rubigerin Beatrice Marti, die mit ihren beiden Zwillingen Chiara und Noël auf den Steinen am Flussufer das Sommerwetter geniesst. Bei den Abfallsündern handle es sich häufig um Jugendliche, die zu wenig dafür sensibilisiert seien, ihre Hinterlassenschaften wegzuräumen. Ihr Ehemann Markus Marti glaubt, es seien oft die Bötler, die ihren Dreck liegen liessen.

Seit der Neugestaltung des Aareraums vor fünf Jahren (siehe Kasten) sind es manchmal Hunderte oder gar Tausende, welche die Hunzigenau zur Erholung nutzen. Nicht dass Gemeindepräsident Krähenbühl etwas dagegen hätte, dass seine Gemeinde über eines der schönsten Naherholungsgebiete um Bern verfügt. «Wir haben Freude an dieser Gegend und sind auch bereit, etwas dafür zu tun.» Dies hat allerdings seinen Preis.

Der Abfall, der zwischen Thun und Bern entlang der Aare anfällt, füllt rund 150 grosse Lastwagen und verursacht jährliche Kosten von etwa 300'000 Franken. Davon entfallen auf die 3000-Seelen-Gemeinde Rubigen mehrere 10'000 Franken, wie Krähenbühl sagt. Nicht zuletzt wegen des Drecks entlang der Aare musste sie ihre Reinigungsequipe verstärken – obschon im Bereich der Aarebrücke mehrere Abfallcontainer darauf warten, gefüttert zu werden.

Keine Autos – weniger Abfall

Ein zweites Problem war bis vor einiger Zeit die ungeordnete Parkiererei rund um die Hunzigenau. Inzwischen ist das Strässchen, das zum Aareufer führt, mit einem Parkverbot belegt worden; den Besuchern stehen Parkplätze bei der Mühle Hunziken sowie auf der anderen Aareseite zur Verfügung.

Dabei haben die Rubiger Behörden eine interessante Feststellung gemacht: Mit dem Verschwinden der Autos nahm auch die Abfallmenge ab. Möglicherweise schrecken die paar Meter Fussmarsch eine gewisse Klientel ab, die für besonders viel Abfall sorgte.

Beim Kanton wisse man um das Ghüderproblem und sei deswegen mit den Gemeinden im Gespräch, bestätigt Kreisoberingenieur Adrian Fahrni. Im Augenblick sei es aber noch gerade etwas zu früh, um Massnahmen vorzustellen.

Berner Zeitung

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