Gericht ordnet Versuch mit Tempo 30 an

Belp

Der Kanton muss untersuchen, wie sich Tempo 30 auf den Lärm auswirkt. An der Hohlestrasse in Belp hatte er sich ohne Grundlage gegen eine Temporeduktion gewehrt.

Auf der Hohlestrasse wird vorübergehend Tempo 30 gelten.<p class='credit'>(Bild: Urs Baumann)</p>

Auf der Hohlestrasse wird vorübergehend Tempo 30 gelten.

(Bild: Urs Baumann)

Anwohner der Belper Hohle­strasse dürfen sich freuen. Die kantonale Baudirektion muss prüfen, wie sich Tempo 30 auf den Lärm auswirkt. Dies hat das Verwaltungsgericht am 23. Mai entschieden. An der Hohlestrasse gilt Tempo 50, daran wollte der Kanton nichts ändern. Anwohner hatten sich aber gegen eine Verfügung gewehrt.

Die viel befahrene Kantonsstrasse führt vom Bahnhof steil hinauf zur Seftigenstrasse. Messungen hatten ergeben, dass Lärmgrenzwerte überschritten werden. Deshalb musste der Kanton prüfen, ob der Lärm mit geeigneten Massnahmen eingedämmt werden könnte.

«Wir kamen zum Schluss, dass keine sinnvollen Lösungen möglich sind», sagt der stellvertretende Kreisoberingenieur Thomas Schmid. Lärmschutzwände wurden wegen der vielen Einfahrten als nicht zweckgemäss beurteilt. Ein lärmarmer Belag fiel aus «technischen Gründen» durch. Und eine Reduktion auf Tempo 30 wurde als unverhältnismässig eingestuft.

Aufwendiger Versuch

Aus Sicht des Gerichts fehlt dem Kanton für die Beurteilung bezüglich Tempo 30 aber eine Grundlage. Deshalb hat es eine praktische Untersuchung angeordnet. «Ein solcher Versuch ist aufwendig und kostet viel», sagt Schmid. «Das Resultat gibt uns aber auch für andere Strassen eine wichtige Grundlage.» Darum werde man rasch handeln. Noch in diesem Sommer sollen Lärmmessung beim bestehenden Temporegime gemacht werden.

Anschliessend wird Tempo 30 eingeführt. «Ein Schild wird kaum reichen, es werden zusätzliche Massnahmen nötig sein», sagt Schmid. Tempo 30 gilt als eingehalten, wenn 85 Prozent der Autofahrer nicht schneller als mit Tempo 38 fahren. Erst dann können Lärmmessungen vorgenommen werden. Noch ist offen, wann die Resultate vorliegen.

Schmid äusserte sich am Montag an einem Infoabend zu Tempo 30 im Dorfzentrum über den noch unveröffentlichten Entscheid. In Belp läuft dazu gerade eine Mitwirkung. Gemäss den Plänen der Gemeinde soll auf der Hohlestrasse weiterhin Tempo 50 gelten. «Je nach Ergebnis beeinflusst der Versuch unseren Entscheid», sagt Gemeinderat Hans Aeschlimann (SVP).

Wie das Bundesgericht

Laut Schmid stützt sich das Verwaltungsgericht auf ein Bundesgerichtsurteil vom 3. Februar dieses Jahres. In Zug hatten Anwohner die Einführung von Tempo 30 auf einer kantonalen Durchgangsstrasse gefordert. Ihre Beschwerde war vom Bundesgericht teilweise gutgeheissen worden. Zudem regte das Gericht an, dass der Kanton Zug die Wirkung von Tempo 30 mittels eines Versuches evaluieren soll. Genau dies muss nun auch der Kanton Bern tun.

Berner Zeitung

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