Gemeinderat prüft zweite Drogen-Anlaufstelle

Bern

Der Berner Gemeinderat möchte eine zweite Drogen-Anlaufstelle schaffen. Damit soll das Areal zwischen Bollwerk, Schützenmatte und Reithalle entlastet werden. Die SVP verfällt derweil in Sarkasmus.

Soll entlastet werden: Die Drogen-Anlaufstelle an der Hodlerstrasse in Bern.

Soll entlastet werden: Die Drogen-Anlaufstelle an der Hodlerstrasse in Bern.

(Bild: Andreas Blatter)

Die Berner Stadtregierung möchte eine zweite Drogen-Anlaufstelle schaffen. Damit soll der Perimeter Bollwerk/Schützenmatte/Reithalle entlastet werden. Standort und Finanzierung einer neuen Anlaufstelle sind aber noch unklar.

In einer Mitteilung von Donnerstag stellt der Gemeinderat klar, dass der Betrieb der Kontakt- und Anlaufstelle für Drogenabhängige (K A) an der Hodlerstrasse gut funktioniere. Diese stelle «für die unmittelbare Umgebung» in der Schützenmatte aber auch «eine Belastung» dar.

Im Rahmen eines Pilotprojekts will der Gemeinderat nun prüfen, ob und wie mit einem zweiten Standort der Perimeter Bollwerk/Schützenmatte/Reithalle entlastet werden könne.

Bis zum Start des Pilotprojekts wird es wohl aber noch dauern. «Zuerst müssten noch geeignete Standorte gefunden werden», heisst es in der Mitteilung weiter.

Die Aufsplittung des Angebots auf zwei Standorte müsse zudem mit genügend zeitlichen, personellen und finanziellen Ressourcen ausgestattet sein. «Zum heutigen Zeitpunkt ist offen, welche zusätzliche Kosten anfallen und wie diese gedeckt würden.»

Die Schaffung einer zweiten Anlaufstelle ist seit Jahren ein Thema in der Stadtberner Politik. Dies auch, weil zeitweilig zu viele Süchtige die Anlaufstelle an der Hodlerstrasse aufsuchten - und sich auf der Schützenmatte eine Art offene Drogenszene entwickelte.

Unterdessen hat sich die Situation zwar etwas entschärft. Die Betreiber der Reitschule wiesen aber in den letzten Monaten und Jahren mehrfach darauf hin, dass die Situation auf dem Vorplatz und auf der Schützenmatte noch immer untragbar sei und eine zweite Anlaufstelle Verbesserungen bringen könnte.

SVP will keine zweite Anlaufstelle

Die SVP Stadt Bern lehnt die Pläne ab. Es sei ein «falsches Zeichen», schreibt die Partei in einer Medienmitteilung. Sie befürchtet, dass sich die Stadt Bern mit einer zweiten Anlaufstelle zu einem «Zentrum für die Drogenabhängigen aus dem ganzen Kanton und sogar noch aus den Nachbarkantonen» entwickeln würde. «Ins Fäustchen lachen sich die Städte sowie die Kantone Solothurn und Freiburg.»

Die zuständige Gemeinderätin Franziska Teuscher teilt diese Befürchtung nicht. «Personen aus Thun und solche aus anderen Kantonen sind gar nicht zugelassen», sagt sie auf Anfrage. Süchtige aus Biel seien zwar zugelassen - Biel habe aber eine eigene Anlaufstelle.

Teuscher betont auch, dass es sich bei einer zweiten Anlaufstelle nicht um einen «Ausbau des Angebots» handeln würde. Es sei etwa denkbar, dass ein Anlaufstelle von Montag bis Donnerstag geöffnet sei und die andere von Freitag bis Sonntag, sagt sie. Entscheidend sei, dass die Auswirkungen auf die Schützenmatte, die Reitschule sowie auf Anwohnerschaft und Gewerbetreibende im Perimeter reduziert werden.

Kanton zahlt bestehende Anlaufstelle

Die bestehende Anlaufstelle befindet sich seit 2001 an der Hodlerstrasse 22. Sie wird von der Stiftung Contact im Auftrag der bernischen Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) betrieben, welche vollumfänglich die Betriebskosten trägt. Für die Sicherheit und Ordnung in der Umgebung ist die Stadt Bern verantwortlich.

In der Anlaufstelle können Drogenkonsumentinnen und -konsumenten die mitgebrachten Drogen unter kontrollierten, hygienischen Bedingungen zu sich nehmen. Fachpersonen gewährleisten die medizinische Grundversorgung sowie die Versorgung mit sauberem Spritzenmaterial.

mib/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt