Gemeinde verzählt sich, Familie rückt nach

Münsingen

Die EVP-Schlappe in Münsingen ist gar keine. Denn der Wahlausschuss hatte fälschlicherweise 6000 Stimmen der SP zu­gerechnet. Davon profitiert nun auch Familie Renfer: Vater und Tochter sitzen künftig zusammen im Parlament.

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Der Sonntagabend war noch «bitter» gewesen für Lukas und Rebecca Renfer. Ihre Partei, die EVP Münsingen, hatte bei den Par­lamentswahlen die Hälfte der Wähleranteile und einen Sitz verloren. Und sie selbst gingen als Kandidierende knapp leer aus. Vater und Tochter rangierten auf den Ersatzplätzen.

Montagmorgen dann erhielten Renfers einen Anruf, der alles veränderte. Sie erfuhren, dass die Gemeinde Münsingen das Wahlergebnis vom Sonntag korrigieren muss: plus zwei Sitze für die EVP im 30-köpfigen Parlament, Lukas und Rebecca Renfer sind doch gewählt, gleich wie Peter Gugger. Pech hat dafür Matthias Fischer, der auf der Liste überholt wurde. Anders als die Gewählten war er nicht kumuliert.

«Das wird sicher eine besonders schöne Erfahrung», sagt ­Rebecca Renfer, die Geschichtswissenschaften studiert. «Ich bin sehr gespannt, wie das funktioniert», fügt Lukas Renfer an, der eine Schreinerei betreibt.

Resultat machte stutzig

Schon am Sonntagabend wurden einige EVP-Exponenten stutzig. Im Parlament kam die Partei nur gerade auf 12 unveränderte Wahlzettel – bei den Gemeinderatswahlen aber auf 241. Bei den anderen Parteien waren diese Zahlen ungefähr gleich gross. Eine kurze Rechnung ergab, dass allein die Anwesenden bereits 30 unveränderte EVP-Wahlzettel eingelegt hatten.

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So kam der Wahlausschuss am Montag noch einmal zusammen. Er überprüfte die unveränderten Wahlzettel und stellte fest: In den ersten vier SP-Couverts lagen je 50 Wahlzettel der EVP. Sie waren irrtümlich dort abgelegt worden. 200 Zettel à 30 Stimmen, das macht 6000 Stimmen, die der EVP gehören.

«Normalerweise arbeitet der Ausschuss nach dem Vieraugenprinzip», sagt Gemeindepräsident Beat Moser (Grüne). Im vorliegenden Fall habe dies nicht geklappt. Als zusätzliche Sicherheit werde man künftig die Couverts mit den unveränderten Wahl­zetteln vor der elektronischen Erfassung noch einmal kontrollieren.

SVP stärkste Partei

Nun verändert sich das Bild der Wahl erheblich. Der Wähleranteil der EVP steigt von 5,2 auf 11,4 Prozent. Vier statt zwei Sitze. «Damit werden wir mehr als das Zünglein an der Waage spielen können», sagt Präsident Werner Fuchser. Die EVP werde mal links, mal rechts stimmen, «wir sind sehr ausgeglichen».

Die SP fällt dagegen von 24,9 auf noch 19,9 Prozent, statt acht resultieren sechs Sitze. Das sind immer noch zwei mehr als 2013. Von einem Linksrutsch kann aber keine Rede mehr sein. Die SP ist nicht mehr stärkste Partei – diesen Titel erbt die SVP. «Das ist eine sehr ärgerliche Wendung», sagt Präsident Roland Beeri.

SP fordert Konsequenzen

Er fragt sich nun, wie ein solcher Fehler passieren konnte. «Da müsste doch jemand hingeschaut haben.» Vor allem für die Betroffenen sei der Frust gross: Antoinette Rast und Cristina Sommer scheiden aus. Aus seiner Sicht müsste der Vorfall personelle Konsequenzen haben. Darauf will Gemeindepräsident Moser aber nicht eingehen. «Die Mitglieder des Wahlausschusses ar­beiten sehr seriös und geben sich grosse Mühe.» Der Fehler sei sehr aber bedauerlich und unangenehm.

Auch Renfers denken an jene drei Personen, die zuerst als gewählt galten. Sie habe Bedauern mit ihnen, sagt Rebecca Renfer. «Umgekehrt ist es weniger ­bitter.»

Berner Zeitung

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