Geld fürs Lächeln oder Lohnteilen

Bern

Die aus einem Kunstprojekt entstandene «Gute Bank» hat am Wochenende ihre erste Hauptversammlung abgehalten. Mit den Geldeinlagen sollen sechs sehr unterschiedliche Ideen finanziert werden. Zum Beispiel ein «Lohnteilet».

Geld in gute Ideen investieren will die «Gute Bank». Marc van Wijnkoopmöchte das Projekt «Lohnteilet» starten.

Geld in gute Ideen investieren will die «Gute Bank». Marc van Wijnkoopmöchte das Projekt «Lohnteilet» starten.

(Bild: Nadia Schweizer)

Marina Bolzli@Zimlisberg

Eva-Maria Bertschy wünscht sich, dass das Berner Servicepersonal mehr lächelt. Es geht der jungen Frau nicht einmal um ein gut gelauntes oder warmherziges Lächeln, nein, ihr würde ein pflichtbewusstes Lächeln durchaus reichen. Darum möchte sie Schulungen für Restaurants anbieten. Betriebe, die den Kurs absolviert hätten, würden eine Zertifizierung in Form einer goldenen Tafel erhalten.

Das ist eine von sechs guten Taten, die die «Gute Bank» am Wochenende vorgestellt hat. Die «Gute Bank» ist ein im Rahmen der Biennale Bern entstandenes Kunstprojekt von Judith Wilske und Maren Simoneit, das Anlegern die Möglichkeit geben will, ihr Geld in eine gute Idee zu investieren. Seit Anfang August hat die Bank ihre Tore geöffnet, bis zur Hauptversammlung sind 4343 Franken und 50 Rappen zusammengekommen. Neben dem zertifizierten Kellnerlächeln sollen mit diesem Geld Jamsessions mit Publikumsbeteiligung, die Produktion einer DVD zur richtigen Baumpflege, eine Anleitung für sinnvolle Gastgeschenke in Ferienländern und ein Sensibilisierungsparcours für die Hindernisse, denen Rollstuhlfahrer ausgesetzt sind, finanziert werden. Die Ideengebenden haben ein Budget aufgestellt, die Menschen, die sie unterstützen möchten, können Geld an die «Gute Bank» einzahlen, das entweder an ein bestimmtes Projekt gebunden ist oder frei verwendet werden kann.

Den Lohn teilen

Vielversprechend klingt die Idee von Marc van Wijnkoop Lüthi: Er möchte ein «Lohnteilet» realisieren. So könnten zwei Personen mit unterschiedlich hohen Einkommen vereinbaren, je einen Prozentsatz ihres Lohnes in einen gemeinsamen Topf zu geben, der dann geteilt wird. Van Wijnkoop erhofft sich dadurch, dass die beiden Beteiligten eher zu gleichberechtigten Partnern werden. «Die Idee hatte ich vor einigen Jahren in Rumänien», erzählt der Theologe und Musiker. Seither haben er und seine Familie auf privater Ebene einen solchen Lohnteilet mit einer rumänischen Familie durchgeführt. Nun sollen alle Interessierten an diesem Projekt teilnehmen können. «Ob sich dabei jemand als die Person mit dem hohen oder mit dem tiefen Lohn anmeldet, liegt im eigenen Ermessen», sagt er. Motiviert durch die «Gute Bank», hat er vor gut einer Woche einen Verein gegründet, der die Zuordnung der Lohnpartner übernehmen wird. «Das ist wichtig, damit nicht in erster Linie monetäre Dinge eine Rolle spielen, sondern die Partner auch zusammenpassen in ihren Ansprüchen», sagt er. Es hätten sich bereits Interessierte gemeldet, vor allem solche mit kleinem Einkommen. Verbindliche Zusagen gebe es zwei. Die «Gute Bank» finanziert die administrativen Kosten des Projekts und den grafischen Auftritt. Wie viel Geld bisher in sein Projekt investiert wurde, weiss Van Wijnkoop nicht. «Aber wir haben uns entschlossen, die Idee so oder so umzusetzen.»

Berner Zeitung

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