Gefangen unter einer Smog-Glocke

Bern

Nach dem Feuerwerk versank die Stadt in einen stinkenden Schleier. Der Grenzwert für Feinstaub wurde in der Nacht vom 1.August um das Fünfzehnfache überschritten. Bereits am Morgen um 5 Uhr waren die Werte aber wieder normal.

Das Feuerwekr führte vorübergehend zu einem Feinstaub-Nebel.

Das Feuerwekr führte vorübergehend zu einem Feinstaub-Nebel.

(Bild: Keystone)

Ralph Heiniger

Erst die Ohs und Ahs, später die Ernüchterung. Nachdem Bern am Donnerstag unter viel Feuerwerk geleuchtet hatte, hüllte sich ab Mitternacht ein übelriechender, gräulicher Schleier über die Stadt. Vom Grauholz sah es so aus, als wäre die ganze Stadt unter einer Smogglocke gefangen. Besonders Asthmatiker, Menschen mit Atembeschwerden und kleine Kinder litten unter der dicken Luft.

Kein Wunder, denn der jährliche Grenzwert für die Feinstaubbelastung wurde um Mitternacht um das Fünfzehnfache überschritten. Fast jedes Jahr ergibt sich am 1.August dasselbe Phänomen, sagt Adrian Stiefel, Leiter des städtischen Amtes für Umweltschutz. «Wir stellen am 1.August jeweils einen rapiden Anstieg der Feinstaubbelastung fest, die sich aber nach maximal einem Tag wieder normalisiert.» So auch in diesem Jahr. Der festgelegte jährliche Grenzwert liegt bei 20 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft. Um 21 Uhr wurde in der Stadt Bern eine Belastung von rund 30 Mikrogramm gemessen. Um Mitternacht lag der Wert bei 300 Mikrogramm, wie das Amt für Umweltschutz mitteilt.

Wie weggeblasen

Dieser Maximalwert sei besonders hoch, sagt Adrian Stiefel. «Der Anstieg war extrem. Am 1.August sind Werte um 200 Mikrogramm normal, so viel Feinstaub wie dieses Jahr liegt kaum in der Luft.» So extrem der Anstieg bis Mitternacht, so schnell hat sie sich der Feinstaub wieder verflüchtigt. Um 5 Uhr am Morgens pendelte sich die Belastung wieder bei 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft ein.

Das Wetter spiele für die Messwerte eine wichtige Rolle, sagt Adrian Stiefel. «Im letzten Jahr hat es am 1.August noch geregnet.» Der Feinstaub wurde quasi aus der Luft gewaschen. Bei Windstille bleiben die Partikel länger hängen.

300 Tonnen Feinstaub

Im ganzen Jahr werden laut Barbora Neversil, Mediensprecherin vom Bundesamt für Umwelt, etwa 1700 Tonnen Feuerwerk abgebrannt. 400 Tonnen davon sind pyrotechnische Feuerwerkssätze. Diese enthalten neben Schwarzpulver auch Metallverbindungen, die für das farbige Leuchten bei der Explosion verantwortlich sind. Insgesamt werden durch Feuerwerk in der Schweiz rund 300 Tonnen Feinstaub emittiert. Der Löwenanteil davon am 1.August, innerhalb von wenigen Stunden. Zum Vergleich: Gemäss dem Verband des Strassenverkehrs entsprechen 300 Tonnen Feinstaub der Menge, welche in der Schweiz sämtliche Dieselmotoren von Autos, Traktoren, Baumaschinen, Bussen, Liefer- und Lastwagen innert eines Monats ausstossen.

«Nicht schwerwiegend»

Aus Sicht des Bundesamts für Umwelt ist die Feinstaubbelastung wegen Feuerwerk am 1.August unangenehm und nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, übers ganze Jahr betrachtet für die Umwelt aber nicht schwerwiegend. Barbora Neversil: «Die Feinstaubbelastung durch Feuerwerk ist jeweils nur kurzfristig und fällt für den jährlichen Mittelwert – im Gegensatz zum Verkehr – kaum ins Gewicht.»

Berner Zeitung

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