Zimmerwald/Bern

Gantrisch-Frauen verkaufen wieder Güezi

Zimmerwald/BernAb Samstag verkaufen die Gantrisch-Frauen vor dem Berner Globus wieder Güezi. Gesichert ist ihr Angebot auf Dauer aber nicht.

Video: Dominik Galliker

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«Nein, beim Güezi-Ausstechen nasche ich nie», sagt Kathrin Streit. «Nur, wenn ich den Teig produziere.» Die 62-jährige Bäuerin aus Zimmerwald lacht. So habe sie die Güezi auch an Weihnachten noch gern, obwohl sie nun Nachmittage lang Teig knetet, Güezi aussticht und Eigelb pinselt. Kathrin Streit backt in ihrer Küche 14 Sorten der Gantrisch-Güezi, die ab dem 1.Dezember vor dem Globus Bern verkauft werden.

Die 20 Gantrisch-Frauen dürfen auch diesen Dezember. Die Globus AG stellt den Aussenstand vor der Filiale in der Spitalgasse wieder zur Verfügung. Lange war unklar, ob das Unternehmen noch mitspielt.

Kein Larifari-Betrieb

Ein leichter Duft nach Schokolade erfüllt die Küche, auf dem Tisch liegt eine Rolle tiefbrauner Güezi-Teig. Auf der Oberfläche kleben gemahlene Mandeln, im Teig sind feine Luftbläschen zu sehen. «Er ist gelungen», meint Kathrin Streit. Die Bäuerin ist mit vollem Elan bei der Arbeit. «Bevor es losgeht, habe ich immer so ein kribbeliges Gefühl. Klappt alles? Haben wir nichts vergessen?» Aber dieses «Märitgefühl», wie Kathrin Streit es nennt, mache es gerade aus. «Die Freude ist immer gross, wenn alles funktioniert.»

Kathrin Streit hat die Teigrolle in kleine Teile zerschnitten. Nun rollt sie die Stücke zwischen ihren Handflächen zu Kugeln. Immer zwei. «Wenn eine Frau neu dazukommt, ziehen wir sie so lange auf, bis sie zwei Kugeln gleichzeitig rollen kann», sagt Kathrin Streit und lacht. Während des Gesprächs arbeitet sie weiter. «Die Kugeln müssen um 17 Uhr fertig sein», so die Begründung. Sie versuche stets, die Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten. «Wir möchten einen Stundenlohn von 20 Franken erreichen.»

Der Güezi-Verkauf war für die Gantrisch-Frauen in den letzten 15 Jahren ein Erfolg. Rund drei Tonnen Güezi gingen jeweils über den Ladentisch. Das gibt etwa 150'000 Franken Umsatz. Dazu kommt der Erlös von etwa 10'000 Eiern, die vor Ostern beim Globus verkauft werden. Ein Nebenerwerb für die 20 Frauen.

Eine grosse Unsicherheit

Die Situation der Gantrisch-Frauen ist schwieriger geworden. Mehr als zehn Jahre hatten sie den Stand vor dem Globus auf sicher, zusätzlich verkauften sie jeden Samstag hausgemachte Waren wie Eier, Brot oder Kuchen. Die Globus AG kassierte einen Teil des Umsatzes. Seit letztem Sommer stellt Globus den Aussenstand am Samstag nicht mehr zur Verfügung. Aufwand und Ertrag seien «unverhältnismässig», begründete Geschäftsführer David Simon damals. Seither verhandelt der Globus nur noch Jahr für Jahr mit den Gantrisch-Frauen. Ob die Frauen den Aussenstand an Ostern wieder erhalten, wisse sie noch nicht, sagt Kathrin Streit.

Man wolle flexibel bleiben, begründet ein Globus-Sprecher heute. Im Detail wolle er jedoch nicht Auskunft geben. «Die Verhandlungen sind eine Sache zwischen uns und unseren Partnern.»

Der Abbau könnte mit einem Personalwechsel zusammenhängen. Über 10 Jahre lang war Thomas Schär, Leiter der Abteilung Delikatessen, für die Stände verantwortlich. Eine unkomplizierte Zusammenarbeit, sagt Kathrin Streit. 2007 verliess Schär die Globus AG. Die heutige Situation könne er nicht beurteilen, sagt Thomas Schär auf Anfrage. Aber damals hätten sich die Verkäufe für den Globus gelohnt. «Die Margen waren sehr klein», so Schär. «Aber die Gantrisch-Frauen förderten das Image des Globus extrem.»

Frauen haben kaum Einfluss

Reihe um Reihe liegen die Schokokugeln auf dem Blech, überzogen mit einer Schicht Puderzucker. «Wir lassen sie über Nacht trocknen und backen sie morgen», sagt Kathrin Streit. Dann sind sie bereit für den Verkauf. Kathrin Streit ist zufrieden.

«Es wäre wirklich schade, wenn wir nicht mehr verkaufen könnten», sagt sie. «Sollten wir den Stand nicht mehr bekommen, geht aber auch keine Welt unter. Wir Frauen haben hier oben genug zu tun, auch ohne Güezi.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.11.2012, 13:45 Uhr

Kathrin Streit bereitet die Teigrollen für die Schokokugeln vor. (Bild: Stefan Anderegg)

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