Gärtner gehen, Künstler kommen

Holligen

Ein Drittel der Schrebergärten an der Mutachstrasse in Holligen steht leer. Diese Fläche wollen nun Künstler nutzen. Die Stadt Bern gibt grünes Licht für eine zwei­jährige Zwischennutzung.

Im Schrebergarten: Juerg Luedi plant auf den Familiengärten an der Mutachstrasse eine kulturelle Zwischennutzung.

Im Schrebergarten: Juerg Luedi plant auf den Familiengärten an der Mutachstrasse eine kulturelle Zwischennutzung.

(Bild: Andreas Blatter)

Schrebergärten sind im Winter eine triste Angelegenheit. Braun und Grau dominieren, keine Pflanze blüht, keine Gärtner weit und breit. Die Familiengärten an der Mutachstrasse haben sogar das Stadium Winterschlaf hinter sich, hier hat bereits der Zerfall eingesetzt. Weite Teile des Areals liegen brach. Auf verlassenen Parzellen, wo einst ambitionierte Hobbygärtner um die grössten Tomaten wetteiferten, wuchert nun Unkraut.

Der Grund: Auf dem Areal, das vom Loryplatz stadtauswärts rechts der Schlossstrasse liegt, plant die Stadt neue Wohnungen. Wie so oft, wenn Bern ein Pionierprojekt umsetzen will, verzögert sich die Sache aber. Spätestens Ende 2017 müssen jedoch die letzten Gärten geräumt sein.

Rund ein Drittel der Gärtner wollten nicht auf ­diesen Moment warten – sie sind bereits früher weggezogen. Und weil die Stadt «nur» noch saisonale und mit Auflagen verbundene Verträge ausstellt, melden sich kaum noch neue Pächter. Die Folge: Der Schrebergarten entvölkert sich.

Juerg Luedi möchte der Brache nun neues Leben einhauchen. Der Künstler will die verlassenen Familiengärten zu einem Kunstgarten umgestalten. Seine Idee: Pro leere Parzelle kann sich eine Kunstsparte austoben. Literatur, Theater, Tanz, Performance, Skulpturen, Film – vieles sei möglich, so Luedi.

Etwa eine Lesung im Gartenhaus oder ein Kinoabend im Freien. Auch temporäre Bauten wie eine Bühne seien geplant. Für jede Sparte brauche er einen Verantwortlichen. Diese Person müsse dafür sorgen, dass mindestens einmal im Monat ein Anlass stattfinde. Nach und nach sollen immer mehr Parzellen bespielt werden. Ebenfalls geplant ist ein Gartencafé.

Neuartiges Experiment

Luedi kennt man in Bern als den Mann hinter der zweimaligen Zwischennutzung der Schützenmatte sowie der Alten Feuerwehr Viktoria. Die Schrebergärten an der Mutachstrasse möchte er auch als Werkstatt für das Projekt auf der Schützenmatte nutzen.

Zum Beispiel indem er Pflanzen zieht, welche für die Schützenmatte bestimmt sind. Generell gehe es ums Ausprobieren, wie ein Jahresbetrieb überhaupt funktioniere, sagt er.

Der Künstler interessiert sich für die Schnittstellen zwischen Ort und Unort. Der Familiengarten als Freiraum für die kleinen Leute einerseits sowie als Brache für Neues andererseits. Ein derartiger Ort für Kunst im Aussenraum sei «ein Experiment, das es in dieser Art in Bern noch nicht gab».

Stadt findet es gut

Mit der Zwischennutzung des Grossteils der rund 35 freien Parzellen kann Luedi sofort starten, mindestens zwei Jahre wird das Projekt dauern. Stadtgrün gab dafür grünes Licht. Allerdings mit ein paar Bedingungen. So dürfen beispielsweise auf den leeren Parzellen keine neuen Gartenhäuser aufgestellt werden.

Schliesslich will die Stadt die Häuschen längerfristig weghaben, um dort eben Wohnungen zu bauen. Und auch sonst müssten sich die temporären Bauten im Rahmen der Garten- und Bauordnung bewegen, sagt Walter Glauser, zuständig für die Stadtberner Familiengärten: «Ein zehn Meter hohes Kunstwerk geht natürlich nicht.» Ansonsten aber lässt die Stadt Luedi freie Hand.

Den Anfang machen Gibb-Berufsschüler und Flüchtlinge aus der Feuerwehrkaserne Viktoria. Ab März erarbeiten sie eine Performance. Juerg Luedi will nun eine Gruppe für die Zwischennutzung gründen – er sucht nach Kunstschaffenden und Interessierten. «Das Quartier soll eingespannt werden, vor allem Jugendliche», sagt er.

Kontakt:info@neustadt-lab.ch, Vermerk «Kunstgarten».

Berner Zeitung

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