Gad-Stiftung köchelt nur noch auf halber Flamme

Bern

Die Gad-Stiftung war der neue Player in Berns Gastroszene. Mittlerweile sind zwei ihrer vier Beizen zu. Die vom Kanton mitfinanzierte Stiftung will aber weiter wirten.

Die Brasserie Eiger ist nach zwei Jahren, zwei Betriebsleitern und drei Küchenchefs geschlossen.

Die Brasserie Eiger ist nach zwei Jahren, zwei Betriebsleitern und drei Küchenchefs geschlossen.

(Bild: Beat Mathys)

Papier ist geduldig, etwa Geschäftsberichte. Wie jener der Gad-Stiftung, einer gemeinnützigen Institution, die sich unter anderem Langzeitarbeitslosen oder Lehrabbrechern annimmt. Vollmundig tönt es im jüngsten Bericht: «Die Eiger Brasserie, die 2014 ihren Betrieb aufgenommen hatte, konnte sich 2015 zu einer festen Grösse im Quartier etablieren. Nach einem etwas turbulenten ersten Quartal haben wir mit Olivier Keller einen starken Dienstleistungsprofi als neuen Betriebsleiter gewonnen. Die Küchenbrigade musste Mitte Jahr den Abgang ihres Küchenchefs verkraften, sie steht nun aber gestärkt als Team kompetenter Fachleute da. So gestärkt blickt die Eiger Brasserie einem erfolgreichen Jahr 2016 entgegen.»

Die Realität sieht wenig erfolgreich aus. Die Beiz im Mattenhofquartier ist seit drei Wochen geschlossen. «Betriebsferien», wie es offiziell heisst. Am Montag hätte sie wieder öffnen sollen. Kurzerhand wurden die «Betriebsferien» ausgeweitet. Bis Ende Juli. Dringliche Umbauarbeiten in der Küche und ein Wasserschaden, so die offiziellen Gründe.

Betriebsleiter Olivier Keller ist weg, bereits der zweite seiner Art. Vor ihm verliess Hans «Housi» Rufer den Betrieb. Das macht zwei Betriebsleiter innert zweier Jahre. Küchenchefs waren es sogar deren drei. Auch in der Gastrobranche ist das ein bemerkenswerter Verschleiss. Rufers Abgang wurde damals von beiden Seiten nur äusserst zurückhaltend kommentiert. «Umstrukturierung», hiess es vage. Die Gerüchte schossen ins Kraut.

Schliessung auf Schliessung

Keller habe sich neu orientieren wollen, erklärt Stiftungs-CEO Rolf Zumstein nun den jüngsten Abgang. Keller selber war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Der Betriebsleiter habe gehen wollen und nicht etwa gehen müssen, so der CEO. In der Branche hört man das Gegenteil. Aber noch weitere Angestellte verliessen die Beiz, darunter der Chef de Service. Wenn das Eiger dereinst wieder öffnen wird, werde es allenfalls eine völlig neue Crew geben, so Zumstein.

Vom Exodus betroffen sind auch die Lehrlinge, die notabene der eigentliche Zweck der vom Kanton unterstützten Stiftung wären. Sie alle würden nun im Betrieb Lyss Nord ausgebildet, so Zumstein. Wie Insider berichten, glich das Eiger einem Durchlauferhitzer. Manche Lehrlinge seien nur wenige Wochen, manche ein paar Monate geblieben.

Das Aus des Eiger reiht sich in eine Serie von Schliessungen. Letztes Jahr musste die Stiftung den Betrieb des Restaurants «& Söhne» in der Berner Länggasse einstellen. Aus wirtschaftlichen Gründen, hiess es im Geschäfts­bericht. Im April beendete die Stiftung ein Integrationsprojekt in Biel. Im März musste sie ebenfalls in Biel einen Caritas-Laden schliessen, weil ihr für den Betrieb das Geld ausging. In einer internen Mail ist von Liquiditätsproblemen die Rede. Zumstein erklärt die Situation mit noch ausstehenden Geldern des Kantons. Diese würden erst nach der Revision eintreffen. Diese Situation existiere seit zwanzig Jahren und sei kein Grund zur Sorge.

Die Stiftung bleibt dabei

Fakt ist: Die Hälfte der Gastro­betriebe der Stiftung ist geschlossen. Die Frage, ob man sich mit dem Gang in die Gastronomie vergaloppiert hat, verneint der CEO aber. Der Bereich sei für die Arbeitsintegration sehr wohl geeignet. «Wir haben gute Erfahrungen gemacht», sagt er.

Die Gastronomie habe aber eigene Regeln, Restaurants müsse man nach anderen Grundsätzen führen als sozialpädagogische Institutionen. Dessen sei man sich bewusst gewesen, habe dies aber vielleicht zu wenig berücksichtigt. Innerhalb der Stiftung soll die Gastronomie nun neu organisiert werden, als eigenständiges Gefäss. «Mehr unternehmerische Freiheiten» lautet die Devise der Stiftung.

Papier ist geduldig. Ein Schelm, wer an den letzten Geschäfts­bericht denkt.

Berner Zeitung

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