Fusion in der Agglomeration als «Leuchtturm»

Regierungsrätin Evi Allemann adelte am Montagabend das Fusionsprojekt um Bern und Ostermundigen.

Regierungsrätin Evi Allemann (SP). (Archivbild)

Regierungsrätin Evi Allemann (SP). (Archivbild)

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Jürg Steiner@Guegi

Evi Allemann (SP), seit einem Jahr Regierungsrätin und als Nachfolgerin von Christoph Neuhaus (SVP) an der Spitze der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion, ist eine geübte Diplomatin. Und bleibt es, auch wenn sie vor Heimpublikum auftritt, wie am Montagabend an der Hauptversammlung des gemeindefusionsfreudigen Vereins «Bern neu gründen» in Bremgarten.

Vor einem Jahr hatte ihr in dieser Frage eher zurückhaltender Vorgänger Neuhaus am gleichen Ort spitz angemerkt, dass sich seine Nachfolgerin zweifellos «voller Elan» auf das Fusionsdossier stürzen werde – als wollte er vor einem Fusionsturbo warnen. Nun entgegnet Allemann auf Anfrage elegant, sie habe bei ihrem Amtsantritt schnell den Eindruck gewonnen, «dass die Fusionsthematik insbesondere im Amt für Gemeinden und Raumordnung bereits hohe Priorität geniesst».

Flair für Stärke

Sie wolle die «Chance nutzen, mit der Optimierung der Fusionsförderung und gezieltem Ressourceneinsatz die Gemeinden in ihrer Leistungsfähigkeit zu stärken», so tönt das in Allemanns Worten: «Denn ich bin überzeugt, dass sich die Stärke des Kantons an der Stärke seiner Gemeinden misst.»

Man könnte ihre politische Versuchsanlage so zeichnen: Allemann versucht, in der bernischen Gemeindereformpolitik einen Gang höher zu schalten, ohne alte Fusionsängste zu schüren. Deshalb, betonte sie am Montagabend, setze sie «grosse Hoffnungen» in die Fusions-Machbarkeitsstudie, an der sich unter dem Namen «Kooperation Bern» die Stadt Bern, Ostermundigen, Bremgarten, Bolligen, Kehrsatz und Frauenkappelen beteiligen.

Vorliegen soll die Studie im Winter. Allemann erhofft sich, dass daraus ein Prototyp wird dafür, wie komplexe Fusionsprojekte angepackt werden sollten – nicht nur für den Kanton Bern, sondern «als Leuchtturmprojekt» für die ganze Schweiz. Sie hoffe, dass es gelinge, Geschichte zu schreiben, meinte die Regierungsrätin schon fast euphorisch.

Warme Geburtstagswünsche

«Kooperation Bern» dürfte grossen Einfluss darauf haben, ob die sanfte Neuausrichtung der kantonalen Gemeindereformpolitik, die im Juni im Grossen Rat beraten wird, Wirkung zeigt. Das Prinzip der Freiwilligkeit bei Fusionen wird nicht angetastet, weshalb nur erfolgreiche Praxisbeispiele den Fusionsdruck erhöhen – wenn überhaupt.

Die Regierungsrätin gratulierte dem Verein «Bern neu gründen» denn auch wärmstens zum zehnten Geburtstag. Man spürte: Allemann ist auf eine Art strategische Partnerschaft mit «Bern neu gründen» angewiesen, wenn sie im vertrackten Fusionsdossier etwas bewegen will. Der kleine, zähe Verein treibt die öffentliche Debatte voran. Ohne diplomatische Rücksicht auf Tabus.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt