Führungsduo kostete den Weltpostverein Millionen

Bern

Die Angestellten des Weltpostvereins (UPU) in Bern geniessen Privilegien, von welchen andere nur träumen können. Doch innerhalb des Gebäudes an der Weltpoststrasse 4 in Bern geht es drunter und drüber.

Generaldirektor Bishar A. Hussein (l.) führt den Weltpostverein seit Oktober 2012. Der Walliser Pascal Clivaz ist hinter Hussein die Nummer 2 im Weltpostverein.

Generaldirektor Bishar A. Hussein (l.) führt den Weltpostverein seit Oktober 2012. Der Walliser Pascal Clivaz ist hinter Hussein die Nummer 2 im Weltpostverein.

(Bild: Keystone)

Benjamin Bitoun

Die Hauptverantwortlichen für das Chaos: Generaldirektor Bishar A. Hussein und sein Stellvertreter, der Walliser Pascal Clivaz. Das kenianisch-schweizerische Führungsduo wurde von drei ehemaligen Weltpostverein-Angestellten der illegalen Geschäftspraxis bezichtigt. Konkret haben die Entlassenen den beiden vorgeworfen, willkürliche Kündigungen ausgesprochen zu haben, um eigene Günstlinge installieren zu können.

Teurer Richterspruch

Das Verwaltungsgericht der Internationalen Arbeitsorganisation sah den Vorwurf des Amtsmissbrauchs als erwiesen an und folgte in seinem ersten Urteilsspruch von 2018 den Klageparteien. Diesen wollte der Weltpostverein aber nicht akzeptieren und verlangte von dem Gericht mit Sitz in Genf eine Überprüfung des Urteils. Im vergangenen Februar fällte dieses nun den endgültigen Entscheid: Das ursprüngliche Urteil gilt.

«Der Weltpost­verein setzt das Gerichtsurteil vollständig um.»David DadgeSprecher Weltpostverein

Der Weltpostverein muss den Geschädigten eine Wiedergutmachung und Lohnausfallzahlungen zuzüglich Verzugszinsen bezahlen und die Gerichtskosten übernehmen. Kostenpunkt: Rund 3 Millionen Franken – dies bei einem Jahresbudget von rund 37 Millionen Franken. Der Weltpostverein setze das Gerichtsurteil «vollständig um», sagt UPU-Sprecher David Dadge auf Anfrage dieser Zeitung.

Intransparente Buchhaltung

In seiner Urteilsbegründung rügt das Gericht das Nichtbeachten der Personalvorschriften und der eigenen Finanzordnung sowie die intransparente Buchhaltung des Weltpostvereins. So versetzte UPU-Generaldirektor Hussein beispielsweise die drei Kläger zuerst auf Posten, für welche diese gar keine Erfahrung hatten. Kurz darauf teilten ihnen Hussein und sein Stellvertreter Clivaz ihre Entlassung mit. Für dieses eigenmächtige Vorgehen hatte das Führungsduo laut Gericht gar keine Befugnisse. Nur der UPU-Gesamtverwaltungsrat könne über Kündigungen entscheiden, befanden die Richter.

Innerhalb des Weltpostvereins und gegenüber dem Gericht rechtfertigten Hussein und Clivaz die Entlassungen mit dringlichen Sparmassnahmen. Doch auch diese Begründung liess das Gericht in Genf nicht gelten, da erst wenige Wochen vor den ausgesprochenen Kündigungen das Personalbudget abgesegnet worden war.

Die Millionenzahlungen stellen nur ein weiteres Kapitel in der turbulenten Geschichte der Organisation unter der Führung von Bishar A. Hussein und Pascal Clivaz dar.

Im Herbst 2017 erregte ein kritischer Inspektionsbericht einer anerkannten UNO-Kontrollbehörde den Zorn von UPU-Generaldirektor Hussein. In dem öffentlich einsehbaren Bericht rügte die deutsche Inspektorin unter anderem die mangelnde Transparenz bei Bezügen der Führung sowie zahlreiche Kompetenzübertretungen und erhebliche Mängel bei der Budgetierung und der Finanzplanung. Als sie die Ergebnisse allerdings in Bern dem Verwaltungsrat präsentieren wollte, wurde ihr Parteilichkeit vorgeworfen, und sie wurde kurzerhand des Saals verwiesen, wie die «Basler Zeitung» berichtete.

Delegierter bedroht

Für den Tiefpunkt in der jüngeren Geschichte des Weltpostvereins sorgte UPU-Chef Bishar A. Hussein jedoch bereits einige Monate vor dem Vorfall mit der Inspektorin: Gemäss mehreren Zeugenaussagen drohte er Ende März 2017 einem Delegierten der britischen Royal Mail mit eindeutiger Geste, ihm den Kopf abzuschneiden, als dieser sich gegen die Reformpläne des Kenianers stellte. Die oberste Chefin der britischen Post befahl daraufhin die unverzügliche Abreise der Delegation aus Bern. Der Skandal brachte den obersten Postbeamten weltweit in die Schlagzeilen.

Berner Zeitung

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