Fritz Widmer mit 72 gestorben

Bern

Der als Mitglied der Berner Troubadours bekannt gewordene Liedermacher und Autor Fritz Widmer ist tot. Er starb nach langer Krankheit am frühen Mittwochmorgen an Krebs, wie sein Verlag Cosmos der SDA mitteilte. Widmer war im Februar 72 geworden.

Der als Mitglied der Berner Troubadours bekannt gewordene Liedermacher und Autor Fritz Widmer ist tot. Er starb nach langer Krankheit am frühen Mittwochmorgen an Krebs, wie sein Verlag Cosmos der Nachrichtenagentur SDA mitteilte. Widmer war im Februar 72 geworden.

Von der ursprünglich sechsköpfigen Liedermacher-Gruppe war Fritz Widmer nach dem 1972 verstorbenen Mani Matter der bekannteste - auch dank seiner vier Mundartromane und seiner langjährigen Tätigkeit fürs Radio. Mit seinen Morgenbetrachtungen «Worte zum Neuen Tag» für Radio DRS erreichte er 1994-2000 eine breite Zuhörerschaft.

Darüberhinaus schrieb er Kolumnen für mehrere Zeitungen. Er übertrug die Texte von Büne Huber auf der CD «Stella Nera» ins Hochdeutsche und die Dialoge von Bettina Oberlis Film «Die Herbstzeitlosen» ins Berndeutsche. Neben all dem und dem Hauptberuf als Seminarlehrer war er zeitweise auch Fährmann an seinem Wohnort Bremgarten bei Bern.

Nachdenkliches Bauernkind

Fritz Widmer wurde am 5. Februar 1938 im bernischen Kirchberg geboren und wuchs auf einem Bauernhof auf. Was er werden wollte, wusste er lange nicht. Ihm fiel einfach auf, dass er bei der Arbeit auf dem Hof «de Gring nie bi der Sach» hatte.

Also studierte er Anglistik und Germanistik und unterrichtete unter anderem an der Höheren Mittelschule Marzili. Von 1965 bis 1970 und wieder ab 1992 gab er Konzerte mit den Berner Troubadours, dazwischen trat er solo auf.

Widmers Spezialität waren berndeutsche Nachdichtungen und mehr oder weniger freie berndeutsche Adaptionen von Gedichten, namentlich aus dem angelsächsischen Raum und Schweden. Seine eigenen Lieder entwickelte er zunächst in enger Zusammenarbeit mit Mani Matter, dessen Nachlass er später in den Bestsellern «Sudelhefte» und «Rumpelbuch» mitherausgab.

Krimi und Mäuse-Steak

Mit einem anderen Co-Troubadour, Jacob Stickelberger, schrieb er die musikalisch-kabarettistische Krimioper «Kriminalgschicht», die die beiden 1973 bis 75 über 100 Mal aufführten. Für die Romane «Gluscht u Gnusch u Gwunger» (1982) und «Ryter unger em Ys» (1988) erhielt Fritz Widmer Buchpreise des Kantons Bern.

In den letzten Jahren erweiterte er sein lyrisches Inventar ganz erheblich. Er übersetzte alte Gedichte und Lieder von Li-Tai-Po über Shakespeare bis zu William Butler Yeats. Eine besondere Vorliebe entwickelte er für Mozart-Arien. In seiner berndeutschen Mundartfassung taugten sie allerdings höchstens für Strassenmusik, bedauerte er in Interviews.

Aarigs Disäin

Er selber bezeichnete seine Arbeitsweise als rückwärtsgerichtet. Doch in seinen Gedichten und Paraphrasen kombinierte er alte berndeutsche Ausdrücke wie «zmorndrischt» (am nächsten Tag) oder «aarig» (seltsam) mit modernen Begriffen wie «Disäin» oder «Tschogger», was den Texten einen ganz eigenen Charme verlieh.

Zuletzt erschienen von ihm Ende 2009 die CD «Wohär u wohi?» und das Buch «Wo geit das hi, wo me vergisst?». Letzteres enthält eine Auswahl seiner schönsten Gedichte, Lieder und Prosatexte.

Eine Sonderform darin sind Rätselgedichte mit Namen von Komponisten: In «Das chönnt es Huftfylee vo Müüs si,/ Chumm bring das Züüg u gib's de Büüssi» beispielsweise versteckt sich Claude Debussy.

Familienunternehmen

Fritz Widmer war verheiratet mit der Musiklehrerin Christina, geborene Hesse, einer Enkelin Hermann Hesses (1877-1962). Zusammen mit ihr hielt er gelegentlich Vorträge über den Grossvater.

Ebenfalls Musikerinnen sind seine Töchter Anna Houston und Karin Widmer. Letztere, im Hauptberuf Illustratorin und Grafikerin, hat die Covers der LP und der CD «Matter-Rock» gestaltet.

phz/sda

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