«Freude herrscht» auf Französisch? «Formidable»

Bern

Alt-Bundesrat Adolf Ogi verriet im Interview am BZ-Stand, warum er Kofi Annan einen Bergkristall geschenkt hat, wie es zu einem Missverständnis mit François Mitterrand kam und wie er mit dem Älterwerden umgeht.

Adolf Ogi erhält täglich 20 bis 40 Briefe und zahlreiche Einladungen. «Von 10 Einladungen muss ich leider 9 absagen», so Ogi.

Adolf Ogi erhält täglich 20 bis 40 Briefe und zahlreiche Einladungen. «Von 10 Einladungen muss ich leider 9 absagen», so Ogi.

(Bild: Susanne Keller)

Stephan Künzi
Ralph Heiniger

Herr Ogi, wie erklären Sie sich Ihre grosse Popularität? Adolf Ogi: Das hat wahrscheinlich mit meinem kurzen Namen zu tun. «Ogi» hat ja nur drei Buchstaben, den Namen kann man sich leicht merken. (lacht)

Hat Ihre Popularität etwa auch mit Ihrem Buch zu tun, das Sie letztes Jahr veröffentlicht haben? Das Buch hat bestimmt etwas ausgelöst. Es enthält Bilder, Geschichten und Anekdoten, die bisher nicht veröffentlicht wurden. Das scheint die Leute zu interessieren. Es wurden bereits über 30'000 Exemplare verkauft, und letzte Woche feierten wir in Lausanne die Vernissage der französischen Übersetzung.

Was heisst «Freude herrscht» auf Französisch? Formidable.

Erzählen Sie uns doch eine Anekdote aus Ihrem Buch. Gemeinsam mit dem damaligen französischen Präsidenten François Mitterrand bin ich bei einem Besuch in der Schweiz mit dem Flugzeug nach Kandersteg geflogen. Das Ganze war immer sehr förmlich, wir haben uns gegenseitig mit «Monsieur le Président» angesprochen. Als das Flugzeug in Turbulenzen geriet, hat mich Mitterrand im Scherz gefragt: «On est perdu?» Und der Ogi hat verstanden, wir sind «per Du».

Haben Sie ihm auch einen Bergkristall geschenkt? Ja, Mitterrand hat einen Bergkristall bekommen. Genauso wie Bill Clinton oder der Papst. Ich habe übrigens auch heute einen Bergkristall in meiner Tasche, ich gehe nie ohne aus dem Haus.

Wie kamen Sie auf die Idee, Bergkristalle zu verschenken? Als Kofi Annan damals in die Schweiz kam, wollte er das AC-Labor in Spiez besichtigen. Es ist bei solchen Besuchen üblich, ein Geschenk zu überreichen. Doch wir haben das Geschenk vergessen. Oh Schreck! Ich habe in meine Tasche gegriffen und ihm den Bergkristall geschenkt. Seine Augen glänzten, und wir konnten auf diese Weise einen diplomatischen Zwischenfall verhindern.

Wie gehen Sie mit dem Älterwerden um? Ich kann das Alter akzeptieren. Es gab nicht nur schöne Zeiten in meinem Leben. Der Tod meines Sohnes war die fundamentalste Erschütterung, die meine Frau und ich ertragen mussten. Sein Tod lässt mich bis heute nicht los. Ich selbst bin aber bereit, älter zu werden und den Tod zu akzeptieren.

Heute Dienstag (15 Uhr) ist «Mister Gurtenfestival» Philippe Cornu Interviewgast am Stand der Berner Zeitung in der Festhalle.

Berner Zeitung

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