Moosseedorf

Freispruch für Seerosen-Besitzer

MoosseedorfDer Brand des Restaurants Seerose in Moosseedorf hat für den Besitzer keine strafrechtlichen Konsequenzen. Das Wirtschaftsstrafgericht verurteilte hingegen die beiden Brandstifter zu bedingten Gefängnisstrafen.

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Es war eine schwierige Suche nach der Wahrheit. Zehn Jahre nach dem Brand des Restaurants alte Seerose in Moosseedorf mussten sich drei Männer wegen Brandstiftung und Betrug vor dem Wirtschaftsstrafgericht verantworten.

Dieses hat am Montag zwei Männer wegen Brandstiftung zu bedingten Gefängnisstrafen verurteilt. Ungeschoren kommt der Besitzer des Restaurants davon. Er wurde vom Vorwurf des Betrugs und der Anstiftung zur Brandstiftung freigesprochen.«Dumm schwätzen ist nicht strafbar», sagte Gerichtspräsidentin Barbara Lips. «Aussagen werden nicht wahrer, wenn man sie herumerzählt.»

Für das Gericht sei es schwierig gewesen, her­auszufinden, was im Februar 2006 und in den Monaten zuvor genau passiert sei. Was entspricht der Wahrheit? Die An­klage stützte sich primär auf die Aussage eines geständigen Brandstifters. Das Gericht analysierte deshalb diese Angaben auf den Wahrheitsgehalt, um in den Mosaiksteinchen überzeugende Beweise zu finden.

Geständiger Brandstifter

Drei Gründe sprechen für das Gericht dafür, dass das Geständnis glaubhaft ist. Er habe mehreren Personen gegenüber gesagt, dass er zusammen mit einem Kumpel den Brand gelegt habe. Zudem belaste er sich massiv selber, und die Aussagen stimmten mit den Spuren überein.

Die Widersprüche sieht das Gericht in der Tatsache, dass der Brand nun zehn Jahre zurückliege. Es gebe auch keinen Grund, warum er den Mitbeschuldigten zu Unrecht belasten solle. Das Gericht zweifelte deshalb nicht daran, dass auch sein Kumpel, der eine Beteiligung bestreitet, dabei gewesen ist. Ein weiteres entscheidendes Indiz sei die Aussage des Besitzers: Dieser hatte erklärt, dass die beiden wie «begossene Pudel» in seinem Büro gestanden seien und die Brandstiftung gebeichtet hätten.

Nicht überzeugend waren für das Gericht die Aussagen des anderen Brandstifters. Sieben Jahre nach dem Brand habe er bei seiner ersten Einvernahme detailliert gewusst, was er an jenem Abend gemacht hatte. Zu seinem mobilen Gasofen hingegen habe er zuerst nichts gesagt.

Erst als ihm dessen Rolle bewusst wurde, konnte er sich plötzlich erinnern. Die finanziellen Probleme des Mannes machten eine Beteiligung plausibel, sagte die Gerichtspräsidentin. Der geständige Mann erhielt eine bedingte Gefängnisstrafe von 16 Monaten, sein Kumpel 22 Monate bedingt.

In dubio pro reo

Für eine Verurteilung des Besitzers genügten die Beweise in beiden Anklagepunkten nicht. «Für einen Schuldspruch wiegen die Zweifel zu schwer», begründete Barbara Lips. Ihm war vorgeworfen worden, den einen Mann zur Brandstiftung angestiftet zu haben, damit er Versicherungsgelder kassieren kann.

In Diskussionen hatte er durch die Blume angedeutet, dass ihm ein «warmer Abbruch» 80'000 Franken wert sei. Der geständige Mann hatte ausgesagt, dass es keinen konkreten Auftrag gegeben habe.

Einen Freispruch gab es für den Seerose-Besitzer ebenfalls beim Vorwurf des Betrugs. Obwohl er früh wusste, wer hinter dem Brand steckte, machte er gegenüber den Versicherungen keine Angaben. Er hatte Angst, dass er wegen des Verfahrens lange kein Geld erhalten würde.

Damit wäre ein Neubauprojekt gefährdet gewesen. «Menschlich ist dieses Verhalten nachvollziehbar», sagte die Gerichtspräsidentin. Wie das moralisch zu werten sei, liess sie offen. Strafrechtlich hat es keine Konsequenzen. Damit kann die kantonale Gebäudeversicherung ihn nicht belangen. Für die ausbezahlten Leistungen in Höhe von 775'000 Franken müssen die verurteilten Brandstifter geradestehen.

Weiterzug angekündigt

Die Verteidigerin des nicht geständigen Mannes wird das Urteil anfechten. Der Staatsanwalt will erst nach der schriftlichen Begründung über einen Weiterzug entscheiden.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 18.01.2016, 20:41 Uhr

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