Bern

Frauen fordern höhere Löhne

BernDer Entscheid des Ständerats, vorerst nichts gegen die Lohndiskriminierung von Frauen zu tun, trieb am Donnerstag gut 500 Personen auf die Strasse. Auch in den sozialen Medien fordern Frauen Lohngleichheit.

Juso-Präsidentin Tamara Funiciello war an der Demonstration vom Donnerstagmittag eine der Rednerinnen. Video: sda

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Mehrere Rednerinnen bezeichneten den Entscheid einer «Männermehrheit im Ständerat» als inakzeptabel und gar illegal. Seit 40 Jahren sei die Gleichheit der Geschlechter in der Schweizer Verfassung verankert. Jetzt müsste endlich die Lohngleichheit her. Sie verlangten «Lohngleichheit. Punkt. Schluss». Diese drei Wörter skandierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kundgebung auf dem Waisenhausplatz auch zum Schluss der Demonstration.

Zu den Rednerinnen gehörte die aktuelle Berner Stadtratspräsidentin Regula Bühlmann (Grünes Bündnis). Sie sagte, die Ständeratsmehrheit habe sich einen Affront gegenüber Frauen geleistet. «Seit Jahrzehnten» warteten Frauen auf freiwillige Massnahmen für Lohngleichheit. Doch diese brächten nichts.

Klettererin Simone Jungo erklomm am Frauentag den Berner Käfigturm. Die Botschaft: «Wir lassen uns nicht aufhalten!» Es sollen mehr Frauen in der Politik mitwirken. Video: sda

Lucie Waser von der Gewerkschaft SEV forderte, Frauen müssten angesichts der anhaltenden «göttlichen Ordnung» im Bundeshaus über einen zweiten landesweiten Frauenstreik nachdenken. Von mehreren Gewerkschaften war die Kundgebung organisiert worden. Anlass dafür war der Internationale Frauentag, der am 8. März stattfindet.

Nicht nur auf der Strasse machten sich die Frauen bemerkbar. In den Sozialen Medien riefen mehrere Berner Politikerinnen unter dem Hashtag #gopfridstutz zur Lohngleichheit auf.

15,1 Prozent weniger als Männer

Hintergrund der Demo war ein Entscheid des Ständerats. Er hatte am 28. Februar beschlossen, auf eine Vorlage des Bundesrats zur Bekämpfung der lohnmässigen Diskriminierung von Frauen in der Schweiz einzutreten. Er wies die Vorlage dann aber postwendend an die vorberatende Kommission zurück. Linke Mitglieder des Stände- und Nationalrats kleideten sich aus Protest deshalb heute ganz in schwarz.

Der Bundesrat möchte Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitenden verpflichten, Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern transparent zu machen. Die Unternehmen sollen alle vier Jahre eine Lohnanalyse durchführen und von einer unabhängigen Stelle prüfen lassen. Anschliessend müssten sie die Angestellten über das Ergebnis informieren. Sanktionen wären nicht vorgesehen.

Die Mehrheit des Ständerats will, dass die vorberatende Kommission Alternativen prüft, insbesondere Modelle der Selbstdeklaration. Das Berufsnetzwerk Business & Professional Women (BPW) gab kürzlich bekannt, auch 22 Jahre nach Einführung des Gleichstellungsgesetzes in der Schweiz verdienten Frauen durchschnittlich 15,1 Prozent weniger als Männer in vergleichbaren Positionen. BPW stützt sich auf Zahlen des Bundesamts für Statistik. (qsc/sda)

Erstellt: 08.03.2018, 14:49 Uhr

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