Frauchiger sticht in See

SP-Stadtrat Benno Frauchiger segelt ab Mitte August nach Australien – zehn Jahre nach einer Velotour nach Down Under, wo er einst als Austauschschüler lebte. Im Parlament ein halbes Jahr zu fehlen, findet er vertretbar.

Vom Egelsee auf die Weltmeere: Benno Frauchiger segelt von Liverpool via Uruguay und Südafrika nach Australien.

Vom Egelsee auf die Weltmeere: Benno Frauchiger segelt von Liverpool via Uruguay und Südafrika nach Australien. Bild: Andreas Blatter

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Ein Bauchgefühl und die weltpolitische Lage führten Benno Frauchiger vor einem Vierteljahrhundert ans andere Ende der Welt. Der Bauch sagte dem damals 17-jährigen Gymnasiasten, dass ihn sein Austauschsemester möglichst weit von daheim wegspicken solle. Und wegen des Zweiten Golfkriegs kamen die USA nicht infrage – Frauchiger reiste nach Australien.

Verliebt in Land und Leute und Gastfamilie, ging er nach der Matur dorthin zurück. «Dieses Mal, um dort zu leben und zu arbeiten», sagt Frauchiger. Erneut verbrachte er gut ein halbes Jahr in Australien, reiste herum und jobbte, zum Beispiel im Hafen von Perth. «Wenn ein Frachtschiff im Hafen lag, auf das Schafe verfrachtet werden sollten, dann gab es für Studenten von 6 Uhr bis um 22 Uhr etwas zu tun.»

Nun zieht es den 42-jährigen SP-Stadtrat selber aufs Schiff. Der leidenschaftliche Segler sticht in zwei Wochen in Liverpool in See, um mit einem Segelschiff an seinen Sehnsuchtsort zurückzukehren. Er tut dies im Rahmen des Clipper-Round-the-World-Race, das in acht Etappen rund um die Welt führt. Frauchiger nimmt mit einem 20-köpfigen Team an den ersten drei Regatten teil und segelt von England via Uruguay und Südafrika nach Australien.

23-jährige Skipperin

In den letzten Monaten reiste der Ingenieur und Fachspezialist für erneuer­bare Energien mehrmals – per Zug – nach England, um die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer kennen ­zu lernen und mit ihnen zu trainieren. Im Mai wurden die zwölf Teams zu­sammen­gestellt, die gegeneinander segeln werden.

Chefin auf Frauchigers Boot ist eine 24-jährige Engländerin. «So jung war an diesem Anlass noch kein Skipper, und dann noch eine Frau – bei uns dürfte die mediale Aufmerksamkeit besonders gross sein.» Nach Letzterer streben die teilnehmenden Teams, um Geld für Unicef zu sammeln.

Frauchiger macht keinen Hehl daraus, dass ihn natürlich auch egoistische Motive aufs Segelschiff treiben: «Mich reizt das Abenteuer, und ich bin gespannt, was dieses körperlich und sozial mit mir anstellen wird. Drei Monate mit zwei Dutzend Leuten engräumig und im Schichtbetrieb auf dem Schiff: Passt das?»

Gleichzeitig betont er, dass seine Reise auch eine politische Dimension haben soll. «Ich möchte damit ein Zeichen setzen, dass wir unser Mobilitäts- und Konsumverhalten hinterfragen und ändern sollten.» In den letzten zehn Jahren habe sich das Klima um 0,3 Grad erwärmt, auf der Erde lebten eine Milliarde Menschen mehr: «Es ist dringender denn je, dass wir weniger fossile Energien verbrauchen.»

25'000 Kilometer mit dem Velo

Vor zehn Jahren hatte Frauchiger ein radikales Zeichen für nachhaltige Mobilität gesetzt: Er fuhr mit dem Velo nach Australien, 25 000 Kilometer, 16 Monate, er sprach unterwegs über umweltfreundlichen Verkehr, schrieb im Internet ein Reisetagebuch und reiste mit einem Frachtschiff nach Hause zurück.

Im kommenden Januar werde er vermutlich heimfliegen, gesteht Frauchiger, der auch einräumt, dass die Regatta ein Event sei, der viele Flugkilometer induziere. «Als symbolischer Akt stimmt für mich das Ganze trotzdem, zumal ich 4 Monate lang sonst keine Energien verbrauchen werde.» Auch dass er im Jahr nach den städtischen Wahlen fast die Hälfte der Stadtratssitzungen verpasst, findet er vertretbar. «Es ist meine zweite Legislatur, und ich fehle sonst sehr ­selten.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.07.2017, 19:08 Uhr

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